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Markus Diem Meier

Markus Diem Meier

Markus Diem Meier (Jg. 1963) ist Co-Leiter des Ressorts Wirtschaft beim «Tages-Anzeiger». Seit der Asienkrise schreibt er über Makroökonomie und die Finanzbranche.

Articles by Markus Diem Meier

Die liberale Marktwirtschaft hat ein Problem

8 days ago

Ungleichheit und Digitalisierung bedrohen das Fundament unserer Gesellschaft. Das haben auch die Chefs grosser US-Konzerne gemerkt.
Die Generation seiner Eltern hatte es mal besser: Tieflohnarbeiter in einem Amazon-Warenlager in den USA. Foto: Bartek Sadowski (Getty Images)
Moderne demokratische, politisch und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaften, wie wir sie in den hochentwickelten Ländern kennen, gibt es erst seit einer sehr kurzen Zeit. Wir tendieren dazu, sie für gesichert zu halten und zu glauben, dass die Geschichte ohnehin zu immer höheren Formen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung führt. Diese Ansicht ist falsch. Unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ist gefährdet, wenn die Grundlage für den Erfolg vergessen geht. Leider liegt

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Die Weltwirtschaft steht vor einem Sturm

22 days ago

Präsident Trump tut alles, um die internationale wirtschaftliche Architektur zu zerstören. Foto: Keystone
Die Zeichen für die Weltwirtschaft stehen auf Sturm. Für das wirtschaftlich bedeutendste Land der Eurozone und den mit Abstand wichtigsten Handelspartner der Schweiz, Deutschland, warnt dessen Bundesbank vor einer Rezession. Auch in den USA nehmen die Rezessionsängste zu. 
Diese Aussicht wäre keine Katastrophe. Notenbanken und Staaten haben in gewöhnlichen Zeiten die Möglichkeit, darauf angemessen zu reagieren. Selbst den totalen Einbruch der Weltwirtschaft im Zuge der Finanzkrise vor zehn Jahren konnten sie aufhalten: mit radikalen Zinssenkungen und weiteren Geldspritzen der Notenbanken, Konjunkturprogrammen der Staaten und einer internationalen Koordination des Vorgehens.
Die

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Die Risiken von Trumps absurdestem Vorwurf

August 13, 2019

Das kommt den USA entgegen: Seit einigen Jahren tut Chinas Notenbank alles, um einen Preisanstieg des Dollars auf über 7 Yuan zu verhindern. Foto: AP
Vor rund einer Woche hat das US-Finanzministerium (Treasury) China als unfairen Währungsmanipulator gebrandmarkt. Dieser Schritt ist der bisherige Höhepunkt an Absurdität in Trumps Handelskrieg mit China. 
Noch in seinem jüngsten Bericht vom Mai sprach das Treasury China explizit von exakt diesem Vorwurf frei. Die Kriterien des Ministeriums für dieses Urteil erfüllt China heute so wenig wie damals. Es war allerdings schon damals ein offenes Geheimnis, dass US-Präsident Donald Trump mit der Schlussfolgerung seines Finanzministeriums alles andere als glücklich war. Der jüngste Entscheid zeugt von einer bedenklichen Unberechenbarkeit der

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Die Zinspolitik hat ihr Limit erreicht

July 30, 2019

Die Europäische Zentralbank wird ihre Geldpolitik noch weiter lockern: EZB-Gebäude in Frankfurt. Foto: Keystone
Letzte Woche kündigte die Europäische Zentralbank für den September verklausuliert eine Zinssenkung weiter in den negativen Bereich an. Das Gleiche erwartet man auf den Märkten von der Schweizerischen Nationalbank. Am Mittwoch wird auch die US-Notenbank ihren Leitzins senken.
Die Notenbanken versuchen verzweifelt, die Wirtschaft anhaltend zu befeuern. Stimmungsindikatoren deuten eine deutliche Eintrübung an. Doch was können tiefere Leitzinsen bewirken? In normalen Zeiten führen sie über einen komplexen «Transmissionsmechanismus» zu steigenden Investitionen (weil Kredite billiger werden), mehr Exporten (weil die Währung schwächer wird) und höheren Anlagenpreisen. Das alles

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Wenn Trump selbst zum Währungskrieger wird

July 16, 2019

Hat er es auf eine Schwächung des Dollars abgesehen? US-Präsident Donald bei einem Besuch in Cleveland, Ohio. Foto: Carlos Barria (Reuters)
Im Herbst 2010 hat der damalige brasilianische Finanzminister Guido Mantega den Begriff des «Währungskriegs» geprägt. Weil die Tiefzinspolitik der US-Notenbank den Dollar ab- und den brasilianischen Real sowie weitere Schwellenwährungen aufwerten liess, verteuerten sich die Exporte dieser Länder und minderte sich ihre Wettbewerbsfähigkeit. Mantega sah darin ein unfaires Verhalten der Amerikaner.
Das war Unsinn. Der Zweck der Tiefzinspolitik des Fed war nicht, anderen zu schaden. Es tat, was es tat, weil die USA damals noch an den Folgen der Finanzkrise litten – mit einer hohen Arbeitslosigkeit und einem schwachen Finanzsektor.
Heute ist die

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Ein bedrohliches Zins-Szenario

July 2, 2019

Die Zinsen bleiben rekordtief: US-Notenbank Federal Reserve in Washington. Foto: Mark Wilson (Getty Images)
Fast sechs Jahre ist es her, seit der einstige Finanzminister der USA und Topökonom Larry Summers im November 2013 in einer nur viertelstündigen Rede beim Internationalen Währungsfonds einem beinahe vergessenen Begriff wieder neue Prominenz verschafft hat: «Secular Stagnation» – Jahrhundert-Stagnation. Bekannt gemacht hat den Begriff Ende der 1930er-Jahre der US-Ökonom Alvin Hansen. Dieser war damals überzeugt, dass hinter der Weltwirtschaftskrise Verwerfungen standen, die noch sehr lange auf der Wirtschaft lasten würden. Hansen wurde von der Geschichte widerlegt.
Auch die These von Summers wurde kontrovers aufgenommen. Im Zentrum stand für ihn der Umstand, dass die um die

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Das Einmaleins des neuen Leitzinses

June 18, 2019

Wie schon beim Libor teilt die Nationalbank mit dem Leitzins mit, wo sie die Kurzfristzinssätze haben will: SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Anthony Anex (Keystone)
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) führt neu einen Leitzins ein. Hatte sie denn bis jetzt gar keinen? Doch, hatte sie, aber der hiess anders. Nutzen wir doch die Gelegenheit, um zu klären, was eigentlich ein Leitzins ist. Und was sich nun geändert hat.
Eine Notenbank benutzt einen Leitzins, um das gesamte Zinsniveau in einem Land zu beeinflussen – und damit indirekt den Gang der Wirtschaft. Droht zum Beispiel eine Rezession, senkt sie den Leitzins. Das darauf generell tiefere Zinsniveau verbilligt Kredite und damit Investitionen sowie die Währung. Das alles erhöht die Gesamtnachfrage und gibt so der gesamten

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Das Einmaleins des neuen Leitzinses

June 18, 2019

Wie schon beim Libor teilt die Nationalbank mit dem Leitzins mit, wo sie die Kurzfristzinssätze haben will: SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Anthony Anex (Keystone)
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) führt neu einen Leitzins ein. Hatte sie denn bis jetzt gar keinen? Doch, hatte sie, aber der hiess anders. Nutzen wir doch die Gelegenheit, um zu klären, was eigentlich ein Leitzins ist. Und was sich nun geändert hat.
Eine Notenbank benutzt einen Leitzins, um das gesamte Zinsniveau in einem Land zu beeinflussen – und damit indirekt den Gang der Wirtschaft. Droht zum Beispiel eine Rezession, senkt sie den Leitzins. Das darauf generell tiefere Zinsniveau verbilligt Kredite und damit Investitionen sowie die Währung.

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Keine Entwarnung im Währungskrieg

June 3, 2019

US-Handelsminister Wilbur Ross (r.) lauscht Präsident Donald Trumps Erklärung betreffend Geschäften mit und in China, März 2018. Foto: Evan Vucci (Keystone)
Die Schweiz steht bei den Amerikanern nicht mehr unter Beobachtung als potenziell unfairer Währungsmanipulator. Selbst China wurde von diesem Vorwurf freigesprochen. Ist Donald Trump plötzlich milde geworden? Leider nein! Beides ergibt sich aus dem bereits um mehrere Wochen verschobenen Bericht des US-Finanzdepartements zu diesem Thema, der gewöhnlich halbjährlich erscheint – Mitte Oktober und Mitte April. Doch seine Schlussfolgerung sollte nicht überbewertet werden.
Wer als Währungsmanipulator bezeichnet werden kann, ist gemäss dem Bericht exakt festgelegt – nach gesetzlichen Regelungen aus der Zeit vor Trumps Präsidentschaft. Es

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Die Nationalbank – eine heilige Kuh?

May 21, 2019

Aber halt! Sich der Öffentlichkeit gegenüber zu erklären, hat historisch nie zu den Stärken der SNB gezählt. Foto: Adrian Moser
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) werde viel zu wenig hinterfragt: Diese Kritik ist bei Finanzinstitutionen und unter Ökonomen verbreitet, und sie scheint zuzunehmen.
Es gibt tatsächlich gute Gründe für einen kritischeren Blick auf die Nationalbank. Keine andere Institution hat mehr Einfluss auf die finanziellen Bedingungen im Land, auf die Währung sowie auf die Konjunktur. Am meisten Anlass zur Skepsis bietet die Politik der weltweit mit –0,75 Prozent einmalig tiefen negativen Leitzinsen. Die SNB verfolgt sie trotz einer bisher starken Wirtschaftslage.
Rekordtiefe Negativzinsen und ihre Folgen
Die negativen Folgen dieser Politik sind unbestritten: Sie

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Die wachsenden Chancen einer schlechten Idee

May 6, 2019

Ungewisse Zukunft der Geldpolitik: Die «Modern Monetary Theory» ist noch nicht vom Tisch. (Foto: iStock)
Nicht mehr wie bisher die Notenbanken sollen die Konjunktur ins Gleichgewicht bringen, sondern die Staaten mithilfe ihres Budget (man spricht dann von Fiskalpolitik). Das ist die Essenz der «Modern Monetary Theory» (MMT). Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, soll der Staat mehr ausgeben, um wieder für Vollbeschäftigung zu sorgen. Das Zusammenspiel zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik zur Stabilisierung der Wirtschaft entspricht noch ökonomischen Lehrbüchern. Doch MMT geht deutlich darüber hinaus: Hier wird die Notenbank auf die Funktion reduziert, den Staat zu finanzieren.
Dieser kann dann nach Belieben die Ausgaben erhöhen, ohne dass die Verschuldung eine Rolle spielt. Nur wenn

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Warum Trump sein Handelsziel verfehlt

April 9, 2019

Ob er auf sie hört? Donald Trump und IWF-Chefin Christine Lagarde. (Foto: Neil Hall/Keystone)
Noch immer ziehen sich die Verhandlungen zwischen China und den USA hin. Trotz der stetigen Verlautbarung von US-Präsident Donald Trump, es fehle wenig zu einer Lösung, wird der Termin für sein Treffen mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping immer wieder aufs Neue verschoben.
Schon jetzt ist klar, dass Trump sein wichtigstes Ziel nicht erreichen wird: einen Abbau des Aussenhandelsdefizits der USA. Das wird aus dem Weltwirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF) deutlich, der heute Dienstag publiziert wird. In dessen viertem Kapitel zeigen IWF-Ökonomen anhand von umfangreichen Datenerhebungen auf, dass Zölle nur einen geringen Einfluss auf Aussenhandelsdefizite oder

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Was das Schweizer Lohnniveau bedroht

March 26, 2019

Ein Coiffeur in der Schweiz ist im Vergleich zu Kollegen im Ausland nicht so viel leistungsfähiger, wie die Lohndifferenz es glauben machen mag. Foto: Walter Bieri (Keystone)
Dass das Schweizer Lohnniveau im internationalen Vergleich zu den höchsten gehört, ist kein Geheimnis. Das wirft immer wieder Fragen auf – gerade im Zusammenhang mit offenen Grenzen und dem internationalen Handel. Wie gesichert oder gefährdet ist diese Position?
Ökonomen lehren, dass der Lohn im Wesentlichen von der Produktivität, also der Leistungsfähigkeit der Arbeit abhängt – zumindest wenn wir von einem einigermassen funktionierenden Wettbewerb ausgehen. Denn es lohnt sich für einen Arbeitgeber, mehr für einen Beschäftigten zu bezahlen, wenn die von jenem gelieferte Leistung dem Unternehmen einen

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Das neue Engagement der Ökonomen

March 11, 2019

Geben Sie der Ökonomie eine Chance! Sie hat das Know-how, um einige unserer Probleme zu lösen. (Foto: iStock)
Zu oft werde «Marktfundamentalismus» für das gehalten, wofür Ökonomen stehen. Und das sei falsch. Das schreiben die drei in den USA lehrenden Ökonomen Seresh Naidu, Dani Rodrik und Gabriel Zucman in der Einleitung zu einer gratis per Internet verfügbaren Aufsatzsammlung, die von Ökonomen der führenden US-Universitäten verfasst wurde.
Für viele problematische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte wurden Ökonomen bzw. deren Theorien mitverantwortlich gemacht: Etwa für eine zu weit gehende Globalisierung und Öffnung der Grenzen. Oder für das Unterschätzen der Risiken und Nachteile, die von unzureichend regulierten Banken ausgehen und von ungehinderten internationalen

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Echte und unechte Rezessionen

February 18, 2019

Die deutsche Wirtschaft brummt: Zusammenbau eines Ford Fiesta im Ford-Werk Köln-Niehl. Foto: Florian Gärtner (Getty Images)
Haarscharf sei Deutschland an einer Rezession vorbeigeschrammt, hiess es am letzten Donnerstag, als das Land die Schätzung für sein Wirtschaftswachstum im vierten Quartal des Vorjahres veröffentlichte. Ob die Schweiz diesem Schicksal ebenfalls entkommt, wissen wir erst am letzten Tag des Februar, wenn das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) seine Schätzung für das Wachstum im letzten Quartal 2018 veröffentlicht.  
Rezession: Das tönt dramatisch – im Ökonomen-Slang steht das Wort für eine Krise, wenn auch nicht für eine gar so schlimme wie das Wort Depression. Doch was genau ist eine Rezession eigentlich?
Ein Land befindet sich gemäss der am häufigsten

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Die ökonomischen Schattenseiten der Migration

February 4, 2019

Wenn die Gewinner der Globalisierung den Verlierern die Solidarität aufkündigen, entstehen Protestbewegungen wie jene der Gelbwesten in Frankreich. Foto: Guillaume Horcajuelo (Keystone)
Vier Freiheiten bilden die Grundlage des Binnenmarktes der Europäischen Union: der freie Warenverkehr, der freie Kapitalverkehr, der freie Dienstleistungsverkehr und der freie Personenverkehr. Die Binnenmarkt-Idee ist ein Kind des Denkens aus den 80er- und 90er-Jahren, als die Überzeugung vorherrschte, komplett offene, grenzüberschreitende Märkte seien letztlich im Interesse aller. Es war die hohe Zeit der Globalisierung.
Es kam anders. Und die Ökonomen haben dazugelernt. Dass ein freier Güterverkehr etwas ganz anderes ist als ein vollkommen freier Kapitalverkehr und dass Letzterer die Vorteile nicht

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Die Heuchelei der G-20

December 10, 2018

Nicht nur die USA und China errichten Handelshindernisse: Treffen zwischen den Delegationen beider Länder am G-20-Gipfel in Buenos Aires (1. Dezember 2018). Foto: Pablo Martinez (Keystone)
Erneut hat der Handelskrieg zwischen den USA und China in der letzten Woche die Weltpolitik und die Kapitalmärkte in Atem gehalten. Beim Treffen der G-20-Staaten wurde zwar ein vorübergehender Waffenstillstand vereinbart. Glaubwürdig erschien das nicht: Die Sorgen vor einer nächsten Eskalationsstufe haben in den Tagen darauf die Börsen erneut einbrechen lassen.
Eine neue Studie des in St. Gallen lehrenden Ökonomen Simon Evenett und seines Mitarbeiters Johannes Fritz stellt auf der Grundlage von umfangreichen Daten den Konflikt in einen grösseren Zusammenhang. Die Studie macht klar, dass der

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Die Ökonomie des Kindergelds

November 26, 2018

Eine grosse Familie muss man sich erst mal leisten können. Foto: iStock
Pro Kind erhält man in der Schweiz eine Familienzulage von mindestens 200 Franken. Für einen Beschäftigten hat das die gleiche Wirkung wie eine Lohnerhöhung um diesen Betrag pro Kind. 200 Franken unter der Etikette Kindergeld unterscheiden sich in nichts von 200 Franken Lohn, was die Kaufkraft betrifft. Es ist ebenso Geld wie jenes, das als Gehalt ausbezahlt wird.
Aus klassischer ökonomischer Sicht ist daher anzunehmen, dass die Empfänger das Geld nicht direkt für die Kinder verwenden. Gemäss dieser Analyse wird die Familie das Geld dafür verwenden, wofür sie den grössten Nutzen oder Bedarf hat. Für die Familie als Ganzes wäre es wenig rational, wenn für ein Kind Geld ausgegeben würde, das dieses weniger dringend

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Der Feind, die Maschine

November 12, 2018

Die Mechanisierung der Landwirtschaft nahm im frühen 19. Jahrhundert ihren Anfang: Moderner Mähdrescher in den USA. Foto: Charlie Riedel (Keystone)
Als «Captain Swing Riots» sind Aufstände in die Geschichte eingegangen, die in den 1830er-Jahren in England nach der Einführung der Dreschmaschine ausgebrochen sind. Den Namen hat die Bewegung erhalten, weil im Zuge dieser Aufstände Drohbriefe mit der Unterschrift der Fantasiefigur Captain Swing versandt wurden. Es kam zu über 3000 Aufständen und damit zu den grössten Unruhen in England seit 1700.
In einer neuen Studie haben die Wirtschaftshistoriker Bruno Caprettini und Joachim Voth vom UBS Center of Economics in Society diese Aufstände genauer untersucht. Sie konnten nachweisen, dass die Aufstände tatsächlich auf den technologischen

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Der Dollar regiert die Welt

October 29, 2018

Trotz aller Abgesänge: Die US-Währung hat die Weltwirtschaft weiterhin fest im Griff. (Foto: iStock)
Ab dem nächsten Quartal will die Schweizer Grossbank UBS ihre Unternehmenszahlen nicht mehr in Franken, sondern in Dollar ausweisen. Der Grund: Das Geschäft der Bank ist stark auf die US-Währung ausgerichtet, 60 Prozent davon wird darin generiert. Auch andere Schweizer Konzerne wie Novartis, ABB oder der Versicherer Zürich weisen ihre Zahlen bereits in Dollar aus.
Trotz den immer wieder erfolgenden Abgesängen auf die US-Währung hat diese die Weltwirtschaft weiterhin fest im Griff. So ist sie zum Beispiel nach wie vor die unangefochten dominierende Reservewährung der Welt.
Die Welt handelt in Dollars
Wie die Forschung der frisch erkorenen Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds

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Was eine nächste Krise viel schlimmer macht

October 1, 2018

Eine perfekte und faire Zusammenarbeit der Nationen gab es nie, auch nicht vor Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten. Foto: Evan Vucci (Keystone)
Der wichtigste Grund, warum die Finanzkrise vor zehn Jahren nicht zu einer weltweiten Depression wie in den 1930er-Jahren geführt hat, war der Umstand, dass die betroffenen Länder miteinander kooperierten, als sie ihre Massnahmen zu einer Milderung der Krise eingeleitet hatten. Es stimmt, dass es die Rettungsmassnahmen der Notenbanken waren und die Ausgaben der Staaten, die den vollständigen Kollaps verhindert haben. Aber die Wirkung dieser Massnahmen wäre deutlich geringer gewesen, hätten die wirtschaftlich mächtigsten Länder nicht zusammengespannt. Ein Beispiel dafür: Die Notenbanken halfen sich gegenseitig mit Liquidität in Währungen aus,

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Inflation ist nicht Inflation

September 10, 2018

Nicht viel mehr als Papier: Ein Mann sammelt Bargeld ein, das von einem Hochhaus in Caracas geworfen wird (17. August 2018). Foto: Miguel Gutierrez (Keystone)
Das südamerikanische Land Venezuela führt gerade vor, was geschehen kann, wenn die Inflation ausser Kontrolle gerät. Der Internationale Währungsfonds rechnet bis Ende Jahr mit einer Teuerung von 1 Million Prozent. Eine solche Inflation wird etwa erreicht, wenn sich das Preisniveau rund alle vier Wochen verdoppelt. Wenn sich Geld in einem solchen Ausmass entwertet, verliert es jeden Nutzen, denn dann kann es seine Funktionen als Mittel zur Wertaufbewahrung, als Wertmassstab und als Tauschmittel nicht mehr wahrnehmen. Für jede moderne Volkswirtschaft wäre das eine Katastrophe.
Hier ein Beispiel, wie es zu einer Inflation von 1

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Inflation ist nicht Inflation

September 10, 2018

Das südamerikanische Land Venezuela führt gerade vor, was geschehen kann, wenn die Inflation ausser Kontrolle gerät. Der Internationale Währungsfonds rechnet bis Ende Jahr mit einer Teuerung von 1 Million Prozent. Eine solche Inflation wird etwa erreicht, wenn sich das Preisniveau rund alle vier Wochen verdoppelt. Wenn sich Geld in einem solchen Ausmass entwertet, verliert es jeden Nutzen, denn dann kann es seine Funktionen als Mittel zur Wertaufbewahrung, als Wertmassstab und als Tauschmittel nicht mehr wahrnehmen. Für jede moderne Volkswirtschaft wäre das eine Katastrophe.

Nicht viel mehr als Papier: Ein Mann sammelt Bargeld ein, das von einem Hochhaus in Caracas geworfen wird (17. August 2018). Foto: Miguel

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Zwei total verschiedene Währungskrisen

August 20, 2018

Produkte aus dem Ausland werden für türkische Konsumenten teurer: Passanten vor einer Wechselstube in Istanbul. Foto: Chris McGrath (Getty Images)
Den Begriff Währungskrise kennen wir in der Schweiz vonseiten einer überteuerten Währung. Die Türkei ist in den vergangenen Tagen in eine Währungskrise der ungleich schlimmeren Art geraten: Wenn die Währung an Wert verliert. Das ist die Sorte Krise, wie sie Entwicklungs- und Schwellenländer besonders gut kennen. Im Vergleich dazu sind die Sorgen der Schweiz mit dem starken Franken Luxusprobleme.
Unterschiede zeigen sich bei den Auswirkungen auf die Bevölkerung, bei den Reaktionsmöglichkeiten der Notenbank und bei den gesamtwirtschaftlichen Folgen:
Zur Wirkung für die Bevölkerung: Der überteuerte Franken ist für viele ein Segen. Güter aus

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Ungebremste Machtzunahme

August 6, 2018

Der Apfel glänzt platinfarben: Ein Ende des Höhenflugs der grossen Tech-Unternehmen ist nicht abzusehen. Foto: Bodo Marks
Auf mehr als eine Billion Dollar – 1’000’000’000’000 Dollar – ist letzte Woche der Börsenwert des Unternehmens Apple angestiegen. Diese Summe ist um rund die Hälfte grösser als die Gesamtleistung der Schweizer Volkswirtschaft im letzten Jahr (das Bruttoinlandprodukt für 2017 wird auf 680 Milliarden Dollar geschätzt). Die Entwicklung zu solchen Werten ist wie diejenige bei den anderen Techriesen die Folge von bahnbrechenden nützlichen Innovationen dieser Unternehmen, die den Konsumenten weltweit das Leben erleichtern.
Doch die enormen Börsenwerte nicht nur von Apple, sondern auch von Microsoft, Amazon, Facebook oder Google (bzw. ihrer Muttergesellschaft Alphabet)

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Das grosse Missverständnis des Donald Trump

July 23, 2018

Ein Unternehmer ist nicht automatisch ein guter Staatsmann, wie Donald Trump beweist. Foto: Pablo Martinez Monsivais (AP)
Donald Trump kann Deals machen. Als Unternehmer versteht er etwas von Wirtschaft. Wer versteht, ein Unternehmen zu führen, eignet sich besonders gut als Wirtschaftspolitiker. Denn für den Erfolg der Gesamtwirtschaft ist schliesslich das Gedeihen der Unternehmen entscheidend.
So überzeugend dieses immer wieder vorgebrachte Argument klingt, so falsch ist es. Die Verwechslung der Bedürfnisse einer Volkswirtschaft mit denen eines Unternehmens birgt sogar grosse Missverständnisse und eine gefährliche Politik – eine Politik, wie sie Donald Trump betreibt.
Importe sind wichtiger als Exporte
Das beginnt beim Aussenhandel: Ein Unternehmer will seine Produkte verkaufen, um

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Die schlimmere Globalisierung

July 9, 2018

US-Präsident Donald Trump unternimmt alles, um die weltweite wirtschaftliche Offenheit zu beschränken. Foto: Brendan Smialowski (AFP)
Eine zu weitgehende wirtschaftliche Öffnung wurde zu Recht als Risiko für den sozialen und politischen Zusammenhang gesehen: weil sie die Ungleichheit befördert, die politische Selbstbestimmung beschränkt und die kulturelle Diversität bedroht.
Seit Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten müssten sich auf den ersten Blick die Kritiker und Warner freuen. Die Globalisierungskritik wird vom mächtigsten Mann der Welt nicht nur geteilt, er tut auch alles, um die weltweite wirtschaftliche Offenheit zu beschränken. Warum nur ist das für jene Kritiker kein Grund zum Jubeln?
Die Kritik von ökonomischer Seite an einer Hyperglobalisierung, wie das der Ökonom Daniel

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Was ist nun los am Arbeitsmarkt?

June 25, 2018

Das Problem sind die immer komplexeren Anforderungen im Arbeitsmarkt: Chefin diskutiert mit ihrem Mitarbeiter. Foto: iStock
Schaut man sich die Berichte über zum Job-Abbau von Unternehmen in der Schweiz an, dann liefern diese ein erschreckendes Bild: 1200 Entlassungen bei General Electric, 300 Stellen weniger bei Migros. Bis zu 1200 gefährdete Jobs beim in der Schweiz gescheiterten Modehändler OVS. Auch Postfinance will bis 2020 fünfhundert Stellen abbauen.
Was ist los? Ist der Arbeitsmarkt total aus dem Lot geraten? Die offiziellen Arbeitslosenzahlen vermitteln genau das gegenteilige Bild: Gemäss der letzten Publikation dazu vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 2,4 Prozent und damit so tief wie seit 10 Jahren nicht mehr. Saisonbereinigt

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Der Geldmangel der Ökonomen

June 11, 2018

Wächst Geld wirklich nicht auf Bäumen? Wer weiss … Foto: Pixabay, Pexels
Worum geht es in der ökonomischen Wissenschaft? Die meisten würden wohl sogleich antworten: ums Geld. Die Wahrheit ist, das Geld und mit ihm das gesamte Finanzwesen wurde in diesem Fach über die letzten Jahrzehnte sträflich vernachlässigt.
Geld wurde meist nur als Schmiermittel betrachtet, das «exogen», also von aussen irgendwie ins Spiel kommt. Seine Herkunft und die mit ihm verbundene Funktion der Notenbanken und der Finanzbranche haben in den Details wenig interessiert. Selbst in Lehrbüchern wurde das Thema mit ein paar wenigen Formeln zu Geldnachfrage und -angebot abgehandelt.
Es war die wohl wertvollste Leistung der Vollgeldinitiative, die gestern vom Schweizer Volk wuchtig abgelehnt wurde, dass sie diesen

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Eurokurs: Die Entwarnung kam zu früh

May 29, 2018

Wegen den Wirren in Italien: Der Euro fällt gegenüber dem Franken wieder. Foto: Tony Gentile
Eben noch sah alles so prächtig aus. Die Länder der Europäischen Währungsunion fanden letztes Jahr wieder zu einem beachtlichen Wachstum zurück. Die Wahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Frühjahr 2017 zerstreute die Ängste vor einem überbordenden Populismus, und zwischen dem vergangenen Sommer und April ist der Preis des Euro von etwas über 1.08 auf 1.20 Franken gestiegen – zurück auf den Kurs also, den die Schweizerische Nationalbank bis zum Januar 2015 verteidigt hat.
Wie sich jetzt zeigt, müssen die Champagnergläser erst mal ungenutzt zurück in den Schrank. Der Eurokurs in Franken notiert wieder deutlich tiefer: gestern bei einem Preis von weniger als 1.16 Franken pro Euro.

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