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Das gefährliche Beispiel Spaniens

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Umverteilung und Spannungen statt Exportanstieg: Warum Spaniens Leistungsüberschuss nicht zum erhofften Erfolg führt. Weniger Lohn, gleich bleibende Preise: Lohnkürzungen schmälern die Kaufkraft der Spanier. Foto: Keystone Im Jahr 2007 verzeichnete Spanien ein Leistungsbilanzdefizit von 10 Prozent gemessen an der eigenen Wirtschaftsleistung. In diesem Ausmass hat das Land mehr Güter, Dienste und weitere Leistungen aus dem Ausland bezogen als dahin verkauft. Ein Jahrzehnt später und nach schweren Krisen resultierte ein Leistungsbilanzüberschuss.  Der übliche Weg, um einen solchen Wandel hinzubekommen, liegt in der Abwertung der eigenen Währung. Doch das war für Länder der Eurozone nicht möglich. Der Rat während der Eurokrise lautete deshalb, die Länder sollten

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Umverteilung und Spannungen statt Exportanstieg: Warum Spaniens Leistungsüberschuss nicht zum erhofften Erfolg führt.

Das gefährliche Beispiel Spaniens

Weniger Lohn, gleich bleibende Preise: Lohnkürzungen schmälern die Kaufkraft der Spanier. Foto: Keystone

Im Jahr 2007 verzeichnete Spanien ein Leistungsbilanzdefizit von 10 Prozent gemessen an der eigenen Wirtschaftsleistung. In diesem Ausmass hat das Land mehr Güter, Dienste und weitere Leistungen aus dem Ausland bezogen als dahin verkauft. Ein Jahrzehnt später und nach schweren Krisen resultierte ein Leistungsbilanzüberschuss. 

Der übliche Weg, um einen solchen Wandel hinzubekommen, liegt in der Abwertung der eigenen Währung. Doch das war für Länder der Eurozone nicht möglich. Der Rat während der Eurokrise lautete deshalb, die Länder sollten «intern abwerten», um ihre Produkte international wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Das heisst, wenn der Wert der Währung nicht sinken kann, sollten die Preise fallen – durch tiefere Produktionskosten und damit vor allem durch Druck auf die Löhne. Tatsächlich ist in Spanien der Lohnanteil an der Produktion gefallen. Das erscheint auf den ersten Blick als Erfolg einer «internen Abwertung». 

Kaum veränderte Preise und Wettbewerbsfähigkeit

Ist es aber nicht, wie eine neue Studie der Ökonomen Paloma Villanueva, Luis Cardenáz, Jorge Uxó und Ignacio Álvarez zum Fall von Spanien zeigt. Zu Überschüssen im Aussenhandel kam es nicht durch einen Anstieg der Exporte, sondern vor allem durch einen Rückgang der Importe, und beides hat mit dem tieferen Lohnanteil der spanischen Beschäftigten zu tun. Die Preise für spanische Produkte haben sich kaum verändert und damit auch nicht deren Wettbewerbsfähigkeit. Der geringere Lohnanteil hat aber auf die Ausgaben der Spanier gedrückt, worunter nicht nur der Konsum im Inland, sondern auch die Einkäufe aus dem Ausland litten. Der gesunkene Anteil der Löhne an der Produktion hat statt zu tieferen Preisen zu einer höheren Marge der Unternehmen geführt – und damit letztlich zu einer Umverteilung.

Weil die einstigen Krisenländer der Eurozone eine ähnliche Strategie verfolgt haben und die reicheren Länder wie Deutschland und die Niederlande ohnehin schon grosse Überschüsse verzeichnen, ist Europa insgesamt angesichts einer schwachen...

Markus Diem Meier
Markus Diem Meier (Jg. 1963) ist Co-Leiter des Ressorts Wirtschaft beim «Tages-Anzeiger». Seit der Asienkrise schreibt er über Makroökonomie und die Finanzbranche.

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