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Markus Diem Meier

Markus Diem Meier

Markus Diem Meier (Jg. 1963) ist Co-Leiter des Ressorts Wirtschaft beim «Tages-Anzeiger». Seit der Asienkrise schreibt er über Makroökonomie und die Finanzbranche.

Articles by Markus Diem Meier

Inflation ist nicht Inflation

11 days ago

Nicht viel mehr als Papier: Ein Mann sammelt Bargeld ein, das von einem Hochhaus in Caracas geworfen wird (17. August 2018). Foto: Miguel Gutierrez (Keystone)
Das südamerikanische Land Venezuela führt gerade vor, was geschehen kann, wenn die Inflation ausser Kontrolle gerät. Der Internationale Währungsfonds rechnet bis Ende Jahr mit einer Teuerung von 1 Million Prozent. Eine solche Inflation wird etwa erreicht, wenn sich das Preisniveau rund alle vier Wochen verdoppelt. Wenn sich Geld in einem solchen Ausmass entwertet, verliert es jeden Nutzen, denn dann kann es seine Funktionen als Mittel zur Wertaufbewahrung, als Wertmassstab und als Tauschmittel nicht mehr wahrnehmen. Für jede moderne Volkswirtschaft wäre das eine Katastrophe.
Hier ein Beispiel, wie es zu einer Inflation von 1

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Inflation ist nicht Inflation

11 days ago

Das südamerikanische Land Venezuela führt gerade vor, was geschehen kann, wenn die Inflation ausser Kontrolle gerät. Der Internationale Währungsfonds rechnet bis Ende Jahr mit einer Teuerung von 1 Million Prozent. Eine solche Inflation wird etwa erreicht, wenn sich das Preisniveau rund alle vier Wochen verdoppelt. Wenn sich Geld in einem solchen Ausmass entwertet, verliert es jeden Nutzen, denn dann kann es seine Funktionen als Mittel zur Wertaufbewahrung, als Wertmassstab und als Tauschmittel nicht mehr wahrnehmen. Für jede moderne Volkswirtschaft wäre das eine Katastrophe.

Nicht viel mehr als Papier: Ein Mann sammelt Bargeld ein, das von einem Hochhaus in Caracas geworfen wird (17. August 2018). Foto: Miguel

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Zwei total verschiedene Währungskrisen

August 20, 2018

Produkte aus dem Ausland werden für türkische Konsumenten teurer: Passanten vor einer Wechselstube in Istanbul. Foto: Chris McGrath (Getty Images)
Den Begriff Währungskrise kennen wir in der Schweiz vonseiten einer überteuerten Währung. Die Türkei ist in den vergangenen Tagen in eine Währungskrise der ungleich schlimmeren Art geraten: Wenn die Währung an Wert verliert. Das ist die Sorte Krise, wie sie Entwicklungs- und Schwellenländer besonders gut kennen. Im Vergleich dazu sind die Sorgen der Schweiz mit dem starken Franken Luxusprobleme.
Unterschiede zeigen sich bei den Auswirkungen auf die Bevölkerung, bei den Reaktionsmöglichkeiten der Notenbank und bei den gesamtwirtschaftlichen Folgen:
Zur Wirkung für die Bevölkerung: Der überteuerte Franken ist für viele ein Segen. Güter aus

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Ungebremste Machtzunahme

August 6, 2018

Der Apfel glänzt platinfarben: Ein Ende des Höhenflugs der grossen Tech-Unternehmen ist nicht abzusehen. Foto: Bodo Marks
Auf mehr als eine Billion Dollar – 1’000’000’000’000 Dollar – ist letzte Woche der Börsenwert des Unternehmens Apple angestiegen. Diese Summe ist um rund die Hälfte grösser als die Gesamtleistung der Schweizer Volkswirtschaft im letzten Jahr (das Bruttoinlandprodukt für 2017 wird auf 680 Milliarden Dollar geschätzt). Die Entwicklung zu solchen Werten ist wie diejenige bei den anderen Techriesen die Folge von bahnbrechenden nützlichen Innovationen dieser Unternehmen, die den Konsumenten weltweit das Leben erleichtern.
Doch die enormen Börsenwerte nicht nur von Apple, sondern auch von Microsoft, Amazon, Facebook oder Google (bzw. ihrer Muttergesellschaft Alphabet)

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Das grosse Missverständnis des Donald Trump

July 23, 2018

Ein Unternehmer ist nicht automatisch ein guter Staatsmann, wie Donald Trump beweist. Foto: Pablo Martinez Monsivais (AP)
Donald Trump kann Deals machen. Als Unternehmer versteht er etwas von Wirtschaft. Wer versteht, ein Unternehmen zu führen, eignet sich besonders gut als Wirtschaftspolitiker. Denn für den Erfolg der Gesamtwirtschaft ist schliesslich das Gedeihen der Unternehmen entscheidend.
So überzeugend dieses immer wieder vorgebrachte Argument klingt, so falsch ist es. Die Verwechslung der Bedürfnisse einer Volkswirtschaft mit denen eines Unternehmens birgt sogar grosse Missverständnisse und eine gefährliche Politik – eine Politik, wie sie Donald Trump betreibt.
Importe sind wichtiger als Exporte
Das beginnt beim Aussenhandel: Ein Unternehmer will seine Produkte verkaufen, um

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Die schlimmere Globalisierung

July 9, 2018

US-Präsident Donald Trump unternimmt alles, um die weltweite wirtschaftliche Offenheit zu beschränken. Foto: Brendan Smialowski (AFP)
Eine zu weitgehende wirtschaftliche Öffnung wurde zu Recht als Risiko für den sozialen und politischen Zusammenhang gesehen: weil sie die Ungleichheit befördert, die politische Selbstbestimmung beschränkt und die kulturelle Diversität bedroht.
Seit Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten müssten sich auf den ersten Blick die Kritiker und Warner freuen. Die Globalisierungskritik wird vom mächtigsten Mann der Welt nicht nur geteilt, er tut auch alles, um die weltweite wirtschaftliche Offenheit zu beschränken. Warum nur ist das für jene Kritiker kein Grund zum Jubeln?
Die Kritik von ökonomischer Seite an einer Hyperglobalisierung, wie das der Ökonom Daniel

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Was ist nun los am Arbeitsmarkt?

June 25, 2018

Das Problem sind die immer komplexeren Anforderungen im Arbeitsmarkt: Chefin diskutiert mit ihrem Mitarbeiter. Foto: iStock
Schaut man sich die Berichte über zum Job-Abbau von Unternehmen in der Schweiz an, dann liefern diese ein erschreckendes Bild: 1200 Entlassungen bei General Electric, 300 Stellen weniger bei Migros. Bis zu 1200 gefährdete Jobs beim in der Schweiz gescheiterten Modehändler OVS. Auch Postfinance will bis 2020 fünfhundert Stellen abbauen.
Was ist los? Ist der Arbeitsmarkt total aus dem Lot geraten? Die offiziellen Arbeitslosenzahlen vermitteln genau das gegenteilige Bild: Gemäss der letzten Publikation dazu vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 2,4 Prozent und damit so tief wie seit 10 Jahren nicht mehr. Saisonbereinigt

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Der Geldmangel der Ökonomen

June 11, 2018

Wächst Geld wirklich nicht auf Bäumen? Wer weiss … Foto: Pixabay, Pexels
Worum geht es in der ökonomischen Wissenschaft? Die meisten würden wohl sogleich antworten: ums Geld. Die Wahrheit ist, das Geld und mit ihm das gesamte Finanzwesen wurde in diesem Fach über die letzten Jahrzehnte sträflich vernachlässigt.
Geld wurde meist nur als Schmiermittel betrachtet, das «exogen», also von aussen irgendwie ins Spiel kommt. Seine Herkunft und die mit ihm verbundene Funktion der Notenbanken und der Finanzbranche haben in den Details wenig interessiert. Selbst in Lehrbüchern wurde das Thema mit ein paar wenigen Formeln zu Geldnachfrage und -angebot abgehandelt.
Es war die wohl wertvollste Leistung der Vollgeldinitiative, die gestern vom Schweizer Volk wuchtig abgelehnt wurde, dass sie diesen

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Eurokurs: Die Entwarnung kam zu früh

May 29, 2018

Wegen den Wirren in Italien: Der Euro fällt gegenüber dem Franken wieder. Foto: Tony Gentile
Eben noch sah alles so prächtig aus. Die Länder der Europäischen Währungsunion fanden letztes Jahr wieder zu einem beachtlichen Wachstum zurück. Die Wahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Frühjahr 2017 zerstreute die Ängste vor einem überbordenden Populismus, und zwischen dem vergangenen Sommer und April ist der Preis des Euro von etwas über 1.08 auf 1.20 Franken gestiegen – zurück auf den Kurs also, den die Schweizerische Nationalbank bis zum Januar 2015 verteidigt hat.
Wie sich jetzt zeigt, müssen die Champagnergläser erst mal ungenutzt zurück in den Schrank. Der Eurokurs in Franken notiert wieder deutlich tiefer: gestern bei einem Preis von weniger als 1.16 Franken pro Euro.

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Die Normalisierung des Frankens und die Inflation

April 23, 2018

Der Aussenhandel ist laut IWF nicht verantwortlich für die tiefen Inflationsraten in den entwickelten Ländern: Blick in ein Labor am Actelion-Hauptsitz in Allschwil, Foto: Gaëtan Bally (Keystone)
Letzte Woche hat der Euro erstmals seit dem 15. Januar 2015 wieder 1.20 Franken gekostet. Damit endet zumindest vorerst die Phase der starken Überbewertung der Schweizer Währung. Als Grund für die Bekämpfung des zu teuren Frankens mit Negativzinsen und Devisenkäufen hat die Schweizerische Nationalbank stets den Einfluss der Währung auf die inländische Teuerung genannt. Immerhin besteht der Hauptauftrag der SNB darin, die Preisstabilität zu wahren. Wertet sich der Franken auf, zeigt sich das in einem sinkenden Preis des Euro und damit auch der importierten Güter und Dienstleistungen aus der

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Warum die Börsen bei Trumps Tweets erzittern

April 9, 2018

Handelskrieg kostet auch Nerven an der Börse: Händler in New York. Foto: Brendan McDermid (Reuters)
Lange meinten viele, Donald Trump meine es mit dem im Wahlkampf angekündigten Protektionismus nicht so ernst. Was für ein Irrtum. Die USA und China künden fast täglich Zölle auf immer mehr Güter an. Die unmittelbaren Wirkungen zeigen sich vor allem an den Börsen, die nach jeder neuen Ankündigung weltweit einen Taucher machen und sich bei jeder Hoffnung auf eine weniger drastische Entwicklung wieder etwas erholen.
Doch warum sind die Börsen überhaupt betroffen? Die klassische Erklärung für die Bedeutung des Aussenhandels sind die sogenannten komparativen Kostenvorteile. Sie besagt, dass sich Handel für alle Länder lohnt, wenn die Länder jene Güter oder Dienstleistungen austauschen, in

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Das Genossenschafts-Paradox

March 19, 2018

Das Logo der Bank Raiffeisen an einer Filiale in Köniz. (Foto: Gaëtan Bally, Keystone)
Sollten die Selbstbereicherungsvorwürfe der Staatsanwaltschaft gegenüber dem einstigen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz zutreffen – und das muss sie erst beweisen –, dann wirft das ein sehr schlechtes Licht auf die Genossenschaftsbank.
Die Genossenschafter sind die Eigentümer einer genossenschaftlichen Unternehmung. Meist stehen hier Selbsthilfe und weitere ideelle Ziele im Vordergrund. Sie orientieren sich am Gemeinwohl und verzichten auf eine Gewinnmaximierung. Die demokratische Mitbestimmung hat hier ein besonders grosses Gewicht, und es ist, anders als etwa bei Aktiengesellschaften, nicht möglich, sich durch Geld eine stärkere Mitbestimmung zu erkaufen.
Auf den ersten Blick müsste daher erwartet

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Die Lehren aus der Toilettenpapier-Krise

March 5, 2018

Panikkäufe verbindet man normalerweise eher mit Lebensmitteln. In Taiwan aber horten die Menschen gerade Toilettenpapier. Foto: David Chang (Keystone)
Erwartungen spielen in der Ökonomie eine grosse Rolle. Auf Kapital- und Devisenmärkten sind sie sogar entscheidend. Aktuelle Langfristzinsen oder Devisenverhältnisse werden stark durch die Erwartungen an die Geldpolitik der Notenbanken bestimmt. Aktienkurse drücken künftige Gewinnerwartungen aus und solche zur weiteren Zinsentwicklung.
Aber Erwartungen haben auch auf Märkten für sehr viel alltäglichere Produkte einen grossen Einfluss. Das erleben die Bewohner der Pazifikinsel Taiwan gerade. Denn dort herrscht eine eigentliche Toilettenpapierkrise. Ihr Verlauf ist ein Lehrbeispiel für die ökonomischen Folgen einer veränderten Erwartung.

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Die willkommene Rückkehr der Angst

February 19, 2018

Die Kursstürze Anfang Februar kamen für viele überraschend: Händler an der New Yorker Börse. Foto: Spencer Platt (Getty)
Der Sturm an den Börsen ist wieder abgeebbt, der dramatische Kurszerfall von vorletzter Woche hat zumindest vorerst keine Fortsetzung gefunden. Wie schon von meinem Kollegen Mark Dittli im letzten NMTM-Beitrag gezeigt, hat es sich vor allem um eine Korrektur nach einer übermässig hohen Bewertung der Aktien gehandelt.
In den Fokus sind in dieser Zeit aber nicht nur die Aktienkurse geraten, sondern auch die sogenannte Volatilität: durch extreme Ausschläge und durch exotische Wetten, die die Credit Suisse und andere Banken in diesem Zusammenhang angeboten haben. Die Geschichte dahinter ist ein weiteres Lehrstück darin, wie irrational Kapitalmärkte sein können und warum

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«Vodoo-Economics» und die Erfolge von Donald Trump

February 5, 2018

Donald Trump applaudiert sich während seiner «State of the Union»-Rede wieder einmal selber – zu Unrecht. Foto: Win McNamee (Bloomberg, Getty)
Gleich in allen grossen Weltregionen brummt die Wirtschaft und der Optimismus ist so gross wie schon lange nicht mehr. US-Präsident Donald Trump erklärte jüngst gleich an zwei viel beachteten Auftritten, dass die gute Konjunkturlage und ganz besonders der Rückgang der Arbeitslosigkeit in den USA den Erfolg seiner Politik bestätigten: In seiner Rede an die Nation (State of the Union) am vergangenen Dienstag und in seiner Rede am Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Daten und die gute Börsenlage scheinen das auf den ersten Blick zu bestätigen. Aber nur auf den ersten Blick. Schauen wir es uns genauer an.
Zuerst zur Arbeitslosigkeit. Diese liegt mit

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Die Notwendigkeit von Schulden

January 22, 2018

Ist überzeugt, dass die Option zur Verschuldung ökonomisch Sinn macht: SNB-Präsident Thomas Jordan. (Foto: Stefan Wermuth/Getty Images)
Eine extrem hohe private Verschuldung war eine wichtige Ursache für die Finanzkrise, die vor rund zehn Jahren ihren Ausgang nahm. Und eine sehr hohe öffentliche Verschuldung hat die Eurokrise mitverursacht. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass eine zu hohe Verschuldung – ob durch den Staat oder durch Private – eine volkswirtschaftliche Zeitbombe darstellt.
Aus dieser Erfahrung heraus hat sich der Eindruck festgesetzt, dass Verschuldung ganz generell etwas Übles ist, das es auf jeden Fall und immer zu verhindern gilt. Schon das Wort Schuld allein hat einen moralisch negativen Unterton. Und Schulden zu machen bzw. Zinsen darauf zu kassieren, galt

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Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

January 8, 2018

Zusammenarbeit setzt auch emotionale Verbindlichkeit voraus. Foto: Shutterstock
Nimmt man in Volkswirtschaftslehre einführende Werke zu wörtlich, entsteht ein ernüchternder Eindruck vom Denken der Ökonomen. Die Vorstellung des Menschen als «Homo oeconomicus», auf dem die grundlegenden Modelle aufbauen, ist die eines rationalen, nutzenmaximierenden Egoisten: also jemand, der stets kühl berechnend seinen eigenen Vorteil zu steigern sucht. Diese simplen eingehenden Modelle besagen dann auch, dass eine Wirtschaft gerade dank solchen Figuren am meisten prosperiert.
Zu einem «Homo oeconomicus» passen keine Emotionen, eine sinnvolle ökonomische Rolle spielen sie in diesem einfachen Modell nicht. Im Gegenteil: Sie sind im ökonomischen Sinn irrational, weil sie schon definitionsgemäss nicht

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Die Eurozone bleibt instabil

December 11, 2017

Eine Finanzkrise ist auch heute wieder möglich: Die Skyline von Frankfurt. Foto: Kai Pfaffenbach (Keystone)
Vergleicht man den Eurokurs mit dem Dollar oder mit der Entwicklung des Bruttoinlandprodukts der Eurozone, könnte man auf die Idee kommen, die grundlegende Instabilität der Währungsunion sei überwunden.
Doch dafür gibt es keinen Grund. Weder die aktuelle Währungsentwicklung noch das Wirtschaftswachstum sagen etwas über die Qualität des Gebildes aus. Im Gegenteil: Dieser Fehler hat schon vor der Finanzkrise von 2008 dazu geführt, die Konstruktionsmängel des Euro zu verkennen. Dass Länder wie Griechenland, Spanien oder Irland hauptsächlich deshalb stark zugelegt haben, weil sie sich angesichts der Einheitswährung und den anfänglich damit verknüpften extrem tiefen Zinsen

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Die Ökonomie der Weihnachtsgeschenke

November 27, 2017

Beim Schenken geht es nicht nur um das Bedürfnis des Beschenkten. Foto: iStock
Auf den Einkaufsstrassen und in den Läden wird es enger. In der Vorweihnachtszeit steigt die Hektik und bei manchen die Verzweiflung, was sie denn nun für Geschenke kaufen sollen. Viele Läden machen in diesen Tagen das grösste Geschäft des Jahres.
Das bedeutet aber nicht, dass der weihnachtliche Kaufrausch aus wirtschaftlicher Sicht eine gute Sache ist. Der amerikanische Ökonom Joel Waldfogel hält ihn sogar für eine grosse Verschwendung, oder im Jargon der Zunft für einen «grossen Wohlfahrtsverlust» (Deadweight loss). Seine Argumentation findet sich in einem Artikel, den die renommierte «American Economic Revue» bereits im Jahr 1993 abgedruckt hat. Im Jahr 2011 erschien auch die deutsche Übersetzung von

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Die dunkle Seite der Tech-Macht

October 30, 2017

Spielt in einer eigenen Liga: Amazon-Chef Jeff Bezos. Foto: Shannon Stapleton (Reuters)
Grosse, weltumspannende Technologiekonzerne wie Google, Facebook oder Amazon machen unser Leben deutlich einfacher. Wir können in einem Umfang kommunizieren wie noch nie, und das kostengünstig, wenn nicht sogar gratis. Was könnte man da Schlechtes über solche Unternehmen sagen?
Man könnte zum Beispiel die Macht anprangern, die sie mittlerweile einnehmen. In der Kommunikationsbranche, aber auch weit darüber hinaus (die Medienbranche ist nur ein Beispiel) nehmen Tech-Giganten ein immer grösseres Gewicht ein – und dies auf Kosten ihrer Konkurrenten. Wegen ihrer Macht und ihres Erfolgs hat man diesen Unternehmen auch schon den Namen «Superstar-Firmen» gegeben. Den benützen wir hier.
Stärker als die

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Wie die Frauen das Demografieproblem mildern

October 16, 2017

Frauen können alles verändern: Durch ihre Arbeit machen sie die Überalterung teilweise sogar mehr als wett. Foto: iStock
Die Alterung der Gesellschaft ist eine der grossen Herausforderungen für die Zukunft, weil sie aller Voraussicht nach dazu führt, dass nur noch ein kleinerer Teil der gesamten Bevölkerung arbeitet und das Einkommen für die ganze Bevölkerung generieren muss. Das war in diesem Beitrag schon einmal Thema, wobei die folgende dort erklärte Formel die Zusammenhänge zusammenfasst:

Die Schlussfolgerung aus der Formel lautet:
Je kürzer die Arbeitszeit der Beschäftigten
und/oder je geringer der Anteil der Beschäftigten an der Arbeitsbevölkerung
und/oder je geringer der Anteil der Arbeitsbevölkerung an der Gesamtbevölkerung ist, desto …
… kleiner ist der Anteil gearbeiteter

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Schulen bauen reicht nicht

October 2, 2017

An manchen Tagen taucht der Lehrer gar nicht erst auf: Schule im Norden Ugandas. Foto: Ben Curtis (AP)
Die beste Art von Entwicklungshilfe müssten doch Investitionen in Schulen sein. Wenn Kinder dort Grundfähigkeiten wie Lesen und Schreiben erlernen, werden nicht nur ihre eigenen Möglichkeiten massiv ausgeweitet, eine Volkswirtschaft wird insgesamt deutlich effizienter. Ein breites Grundwissen ist überdies die Voraussetzung, dass sich nicht nur eine Minderheit Expertenwissen aneignen kann für eine breite Partizipation an den gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Vorgängen in einem Land. Das stärkt die gesellschaftlichen Institutionen und erschwert Missbrauch und Korruption.
Doch Investitionen in Schulen bewirken manchmal gar nichts. Das ist die erschreckende

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Die Wurzeln des Populismus

September 18, 2017

Der wahrgenommene oder befürchtete Abstieg zählt: Von Pegida organisierter Protest gegen Flüchtlingsunterkünfte in Freital bei Dresden, Juni 2015. Foto: Jens Meyer (AP, Keystone)
Die Globalisierung, der rasche technologische Wandel und die wachsende Ungleichheit in vielen Ländern werden gerne als Grund für den Zulauf der Populisten genannt. Beim Herstellen einfacher kausaler Zusammenhänge ist aber Vorsicht angebracht. Eine genauere Analyse ist notwendig, um die Entwicklung zu verstehen und um zu sehen, ob und welche Gefahren daraus erwachsen. Protektionismus oder Hindernisse in der technologischen Entwicklung sind keine Lösungen. Die Gesellschaften würden ärmer und die Verteilkämpfe noch schärfer, was die Populisten noch mehr unterstützen würde.
Wie Martin Sandbu in seinem «Financial

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Internationaler Kapitalverkehr: Weniger ist besser

September 4, 2017

Ungebundene internationale Kredite können eine Immobilienblase oder einen Bauboom auslösen: Foto: Julian Stratenschulte (Keystone)
Seit der Finanzkrise ist die Globalisierung in einer Hinsicht dramatisch zurückgegangen. Die Rede ist nicht vom Güterhandel oder von den weltweiten Wertschöpfungsketten, sondern vom grenzüberschreitenden Kapitalverkehr. Wie eine Studie des McKinsey Global Institute (MGI) vom August festhält, sind die grenzüberschreitenden Kapitalströme seit dem Jahr 2007 bis zum Jahr 2016 um rund zwei Drittel (65 Prozent) geschrumpft. Das ist eine gute Nachricht.
Die folgende Grafik von des MGI zeigt die Entwicklung der grenzüberschreitenden Kapitalströme im Zeitverlauf:
In den Jahrzehnten vor der Finanzkrise galt der freie Kapitalverkehr zwischen den Ländern noch als eine

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Eine Frage des Vertrauens

August 21, 2017

Nur wer dem Gegenüber vertraut, tätigt gerne gemeinsame Geschäfte. Das gilt für Einzelpersonen – und erst recht für Firmen. Foto: iStock
Viele bleibende Folgen wurden im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Finanzkrise vor 10 Jahren in den letzten Tagen genannt: Die hohe private und staatliche Verschuldung zum Beispiel, die extrem tiefen Zinsen oder die aufgeblasenen Notenbankbilanzen. Eine der wichtigsten Folgen fand dabei aber selten explizit Erwähnung: der enorme Vertrauensverlust in die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Institutionen und in die hergebrachten ökonomischen Überzeugungen, den die Krise zurückgelassen hat.
Verschiedene Untersuchungen wie jüngst ein Bericht der OECD bestätigen diesen Befund. Der Vertrauensverlust hat wesentlichen Anteil am Vormarsch der

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Beunruhigende Lehren aus Italien und Griechenland

June 28, 2017

Für einen symbolischen Euro übernommen: Banca Popolare di Vicenza, hier eine Mailänder Filiale. Foto: Luca Bruno (Keystone)
Was war das für ein Schwärmen, als noch zu Monatsbeginn die spanische Pleitebank Banca Popular von der Grossbank Santander übernommen wurde. «Europe reaches Mastery on Banks» – «Europa erreicht Meisterhaftigkeit bei den Banken» – titelte etwa der europhile «Financial Times»-Blogger Martin Sandbu seinen Beitrag zu dieser Lösung. Tatsächlich, alles lief, wie es sollte. Die Abwicklung der Bank ging – ganz wie von der europäischen Bankenunion vorgesehen – ohne Einsatz von Steuergeldern über die Bühne. Zur Kasse gebeten wurden Gläubiger und Aktionäre. Obwohl Santander die Bank für nur einen Euro übernahm, bleibt bei ihr auch das verbleibende Risiko. Um die durch die

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Beunruhigende Lehren aus Italien und Griechenland

June 28, 2017

Für einen symbolischen Euro übernommen: Banca Popolare di Vicenza, hier eine Mailänder Filiale. Foto: Luca Bruno (Keystone)
Was war das für ein Schwärmen, als noch zu Monatsbeginn die spanische Pleitebank Banca Popular von der Grossbank Santander übernommen wurde. «Europe reaches Mastery on Banks» – «Europa erreicht Meisterhaftigkeit bei den Banken» – titelte etwa der europhile «Financial Times»-Blogger Martin Sandbu seinen Beitrag zu dieser Lösung. Tatsächlich, alles lief, wie es sollte. Die Abwicklung der Bank ging – ganz wie von der europäischen Bankenunion vorgesehen – ohne Einsatz von Steuergeldern über die Bühne. Zur Kasse gebeten wurden Gläubiger und Aktionäre. Obwohl Santander die Bank für nur einen Euro übernahm, bleibt bei ihr auch das verbleibende Risiko. Um die durch die

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Kryptowährungen zur Lösung des Geldproblems

May 10, 2017

Auch gedruckt ist es kein richtiges Geld: Scheine für Bitcoins. Foto: Alexandra Wey (Keystone)
Bitcoin und andere Kryptowährungen können das Geld der Notenbanken nicht ersetzen. Allerdings gäbe es durchaus interessante Einsatzmöglichkeiten.
Im April hat sich das renommierte Peterson Institute for International Economics (PIIE) dem Thema Bitcoin angenommen. In einer Kurzstudie ist es der Frage nachgegangen, ob die digitalen Währungen eine Gefahr für die gängigen Währungen seien und damit auch für die Notenbanken, die sie überwachen sollen.
Die Antworten von PIIE-Autor Daniel Heller sind nicht neu. Hierzulande hat sie auch schon der emeritierte Wirtschaftsprofessor Ernst Baltensperger in einem Gastartikel in der NZZ niedergeschrieben. Die Antwort schon vorab: Bitcoin hat keine Chance, die gängigen Währungen zu ersetzen.
Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Etwas ganz anderes ist es nämlich, wenn die Notenbanken selbst eine solche Währung für ihre Geldpolitik nutzen würden. Gehen wir die beiden Argumente durch.
1.

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Wer beim Geldschöpfen wirklich kassiert

March 15, 2017

Profitables Geschäft: UBS-Filiale am Paradeplatz in Zürich. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)
Früher konnte ein Fürst für sein Untertanengebiet Münzen prägen. Damit konnte er für sich einen Profit herausschlagen. Dieser bestand aus dem Unterschied der Kaufkraft dieser Münzen und den Kosten, die er hatte, sie zu generieren. Weil nur ein Fürst dank seiner Macht Münzen prägen konnte, oder französisch der Seigneur, nennt man einen solchen Geldschöpfungsgewinn bis heute Seignorage.
In einer modernen Volkswirtschaft spielen Münzen allerdings eine untergeordnete Rolle und damit auch die Seignorage, die durch sie erzielt werden kann. Gemäss gängigen Vorstellungen sind es heute die Notenbanken, die das Geld schöpfen. Sie müssten daher auch den Löwenanteil an Seignorage verdienen – so könnte man meinen. Doch beides ist falsch. Weder schöpfen Notenbanken das meiste Geld, noch kassieren sie daher den Grossteil des Geldschöpfungsgewinns, der Seignorage. Eine neue Studie der Copenhagen Business School hat sich des Themas angenommen und erklärt anschaulich die Zusammenhänge.
Geschäftsbanken als wichtigste Geldschöpfer
Das Wichtigste vorweg: Den Löwenanteil der Seignorage verdienen nicht der Staat bzw. die Notenbanken, sondern die Geschäftsbanken.

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