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Andreas Neinhaus

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Andreas Neinhaus (Jg. 1963) ist seit 1997 als Redaktor bei «Finanz und Wirtschaft» tätig und schreibt über geld- und währungspolitische sowie konjunkturelle Fragen.

Articles by Andreas Neinhaus

Was Populismus für die Wirtschaft bedeutet

14 days ago

Vorreiter des europäischen Populismus: Marine Le Pen und Geert Wilders. Foto: Robert Pratta (Reuters)
Der türkisch-amerikanische Ökonom Dani Rodrik hat die Ursachen der Globalisierungskritik untersucht und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis. Nicht dass heute populistische Parteien so sehr an Macht gewonnen haben und die Globalisierung verurteilen, sei überraschend, sondern die Tatsache, dass es erst jetzt dazu gekommen sei und nicht schon viel früher.
Rodrik lehrt als ordentlicher Professor politische Ökonomie an der Harvard-Universität in den USA. Er ist kein Globalisierungsgegner. Aber er stösst sich daran, dass die meisten seiner Kollegen zu einseitig die Vorteile betonten, die Kosten und Fehlentwicklungen indes unter den Tisch kehren. Vor 20 Jahren schrieb er im Buch «Has

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Die wahren Helden im US-Schatzamt

June 21, 2017

Könnte mit ihrem Vorhaben die Finanzmärkte ins Chaos stürzen: US-Notenbank-Chefin Janet Yellen. (Foto: Getty Images / Drew Angerer)
Seit vergangener Woche stehen die amerikanische Zentralbank und ihre Präsidentin noch stärker im Rampenlicht als zuvor. Janet Yellen kündigte an, ab diesem Jahr die riesige Bilanz zu verkürzen. Der «QE»-Prozess wird umgekehrt und die Zahl der Wertschriften im Zentralbank-Portfolio wird sinken.
Etwas Vergleichbares hat noch nie jemand gewagt. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mahnt im aktuellen Jahresbericht, das US-Fed sei weitgehend dafür verantwortlich, wie die globalen Finanzströme verlaufen. Ein falscher Schritt der Fed-Gouverneure – und die Finanzmärkte stürzen ins Chaos.
Diese Sicht der Dinge verkennt ein Detail: Das US-Schatzamt

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Alle gegen Deutschland

May 31, 2017

Symbol von Deutschlands Wirtschaftsmacht: Ein neuer BMW erhält im Werk Regensburg den letzten Schliff. Foto: Lennart Preiss (Keystone)
«The Germans are bad, really bad. Look at the millions of cars they sell in the US. It’s terrible. We’ll put a stop to that.» Donald Trumps Ausruf gegen die Exportweltmeister an seinem ersten Arbeitstreffen mit der EU in Brüssel vergangene Woche sorgt in deutschen Diplomatenkreisen für Entsetzen.
Trump hat sich – mal wieder – im Ton und in der Sachlage vergriffen. Dennoch sollte sich Deutschland nach der Brüskierung in Brüssel nicht in falscher Solidarität wiegen: Trump tritt mit seiner Kritik offene Türen ein – in der EU, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und bei vielen Ökonomen, die haupt- und nebenamtlich als Politikberater tätig sind. Nur

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Ungleichheit in China nimmt rapide zu

May 5, 2017

Die Bestverdienenden haben am meisten vom Wachstum profitiert: Luxuswagen vor Luxus-Wohnhäusern in der Provinz Hainan. Foto: Wang Zhao (AFP)
Seit seinem Bestseller «Das Kapital im 21. Jahrhundert» zählt der französische Wirtschaftsprofessor Thomas Piketty zu den bekanntesten Ökonomen. (Er war mehrfach Thema dieses Blogs, zum Beispiel hier und hier.) Piketty lehrt in Paris und widmet seine Forschung der Einkommensungleichheit. Seine These: Immer weniger Menschen profitieren von dem steigenden Wohlstand und dem Wachstum der Wirtschaft. Nachdem seine Forschung sich in den vergangenen fünf Jahren vor allem auf die USA und Europa konzentrierte, hat Piketty nun eine neue Studie veröffentlicht: Sie widmet sich Chinas Aufstieg zu einem der wichtigsten Player der Weltwirtschaft.
Abgedeckt wird der Zeitraum von 1978 bis 2015, in dem die Volksrepublik sich von einem planwirtschaftlichen Staat zu einer Marktwirtschaft wandelte. Piketty und seine Co-Autoren Gabriel Zucman von der Universität Berkeley und Li Yang von der Weltbank sprechen allerdings lieber von einer «mixed economy». Denn der öffentliche Sektor besitzt zwar heute einen kleineren Teil des Volksvermögens als früher, aber im Vergleich mit den modernen Industrieländern ist der Anteil immer noch deutlich grösser. Das zeigt die folgende Grafik.

Der Staat hält etwa 30 Prozent des Volksvermögens.

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Die Mär vom inflationsfreien Aufschwung

April 28, 2017

Unberechenbare Preisentwicklung: Noch ist unklar, ob sich die Situation normalisiert. (Bild: Reuters/ Edgar Su)
Die Weltwirtschaft erholt sich in raschen Schritten. Konjunkturauguren revidieren erstmals wieder ihre Wachstumsprognosen nach oben, ein Phänomen, das es seit bald zehn Jahren nicht mehr in dieser Form gegeben hat. Frühindikatoren, wie die Einkaufsmanagerindizes, fallen seit Monaten sehr kräftig aus. Selbst die Unternehmensinvestitionen – lange Zeit das grösste Sorgenkind der Wirtschaftsentwicklung – legen in vielen Ländern zu und tragen zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum bei.
Und was ist mit der Inflation? Auf den ersten Blick hat auch sie stark zugelegt. Im Euroraum beispielsweise sprang sie von nahe 0 Prozent auf 2 Prozent. In fast allen Industrieländern wird sie dieses Jahr deutlich höher liegen als letztes Jahr.
Das ist fast ausschliesslich den Rohstoff- und Energiepreisen zuzuschreiben. Rohöl hat sich kräftig verteuert, seit sich die Opec-Länder im November auf eine geringere Fördermenge verständigten und hierbei von Nicht-Kartellmitgliedern wie Russland unterstützt werden. Metalle kosten inzwischen ein Fünftel mehr als vor einem Jahr dank einer stabileren Nachfrage aus China und den USA. Nahrungsmittel haben sich ebenfalls auf breiter Front verteuert.

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Der letzte Schuss mit der Wunderwaffe

March 29, 2017

Mehr als Geldpolitik: Die Europäische Zentralbank – im Bild der Hauptsitz in Frankfurt – greift in die Kreditpolitik der Banken ein. Foto: Ralph Orlowski (Reuters)
Es ist eines der ungewöhnlichsten Instrumente, das sich Zentralbanken haben einfallen lassen: sogenannte gezielte Geldkredite («T-LTROs»).
Notenbanken versorgen die Wirtschaft mit Geld. Dies geschieht über die Banken, die zu diesem Zweck Konten bei der Notenbank unterhalten. Normalerweise bietet die Notenbank eines Landes einmal wöchentlich kurzfristige Liquidität zu einem bestimmten Zinssatz an. Banken können entscheiden, wie viel Geld sie sich zu diesem Preis und für den vorgeschlagenen Zeitraum beschaffen wollen. Sie müssen dann Wertschriften oder andere Sicherheiten als Deckung hinterlegen.
Die Liquidität, welche die Banken auf diese Weise aufgenommen haben, verkaufen sie anschliessend weiter. Zum Beispiel begeben sie Kredite an Unternehmen oder Privathaushalte. Das geschieht zu einem etwas höheren Zinssatz, damit sie daran Geld verdienen. Je tiefer der Zins, zu dem die Notenbank Geld ausleiht, desto günstiger kann eine Bank Kredite vergeben und desto mehr Unternehmen können es sich leisten, einen Kredit aufzunehmen, um zu investieren. Das bringt den Konjunkturmotor zum Laufen. So weit die Theorie.

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Sind reiche Menschen egoistisch?

March 22, 2017

Zuschauerinnen am White Turf in St. Moritz. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)
Forscher in den Niederlanden haben kürzlich ein interessantes Experiment durchgeführt, um einem hartnäckigen öffentlichen (Vor-)Urteil auf die Spur zu kommen: Sind reiche Menschen wirklich egoistischer als andere? Dazu wählten sie in einer mittelgrossen holländischen Stadt zwei Kategorien von Privathaushalten aus: solche mit einem durchschnittlichen Vermögen von 2,5 Millionen Euro und solche mit einem Vermögen von rund 27’000 Euro. Ihnen allen schickten sie einen Brief, der eine Glückwunschkarte von einem Grossvater an seinen Enkel enthielt. Zusätzlich befanden sich in den Umschlägen kleine Geldgeschenke. Entweder eine 5- oder 20-Euro-Note oder eine entsprechende Banküberweisungskarte über diesen Betrag, die allerdings nur von dem korrekten Empfänger eingelöst werden konnte. Die Umschläge waren leicht transparent, sodass sich von aussen erahnen liess, was die Post enthielt.
Die Sache hatte nur einen Haken: Die adressierten Briefe wurden absichtlich an die falschen Adressen geschickt.

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