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Andreas Neinhaus

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Andreas Neinhaus (Jg. 1963) ist seit 1997 als Redaktor bei «Finanz und Wirtschaft» tätig und schreibt über geld- und währungspolitische sowie konjunkturelle Fragen.

Articles by Andreas Neinhaus

Oh Inflation, du Knacknuss!

11 days ago

Monatlicher Erklärungsbedarf: EZB-Vizepräsident Luis de Guindos an einer Pressekonferenz. Foto: Reuters
Volkswirtschaften dies- und jenseits des Atlantiks stehen vor demselben Problem. Die Inflation ist tendenziell zu niedrig. Denn die meisten Notenbanken orientieren sich an einem mittelfristigen Zielwert für die optimale Inflationsrate. In der Regel liegt er bei 2%. Da die Teuerung tatsächlich beträchtlich tiefer ausfällt, verkünden die Zentralbanken in den USA, Euroland, Japan und auch der Schweiz ihre Bereitschaft, die Leitzinsen zu senken. Sie drucken mehr Geld, damit die Konsumentenpreise im eigenen Land zulegen und somit mehr Inflation entsteht. Aber so einfach ist das nicht. In der Realität stehen die Zentralbanken vor zwei unlösbaren Rätseln:
1. Warum ist die Inflation so

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Liquidität schlägt Wachstum

June 11, 2019

Viele Anleger achten nur auf die Liquiditätslage und übersehen die fundamentale wirtschaftliche Entwicklung. Foto: Pixabay (Pexels)
Die Aktienkursentwicklung gibt Rätsel auf. Letzte Woche fiel der ADP-Arbeitsmarktbericht in den USA viel schlechter aus als Analysten erwartet hatten. Starökonomen kommentierten, dass sich die Wirtschaft deutlich abschwäche. Die Reaktion der Börse: Die Kurse schossen in die Höhe.
Am gleichen Tag verringerte die Weltbank ihre Prognose für den Welthandel drastisch. Das Wachstum wird sich von durchschnittlich 4,1 Prozent im vergangenen Jahr auf 2,6 Prozent in diesem abflachen – ein voller Prozentpunkt weniger als die Ökonomen der Organisation noch im Januar vorhergesagt hatten. Es sei der schwächste Wert seit der Finanzkrise 2008/09, präzisieren sie. Die

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Ein Blick in die Dollar-Zukunft

May 10, 2019

Was passiert mit unserer Weltwährung? Lächelnder Benjamin Franklin auf der 100-Dollar-Note. Foto: iStock
Der Kursverlauf des Dollars überrascht wieder einmal viele Währungsanalysten. Sie gingen davon aus, dass die Aufwertung dieses Jahr zu Ende gehen würde. Der Dollar hat sich in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber den wichtigsten Währungen um 10% verteuert. Und der Anstieg geht weiter, obwohl US-Zentralbankchef Powell im Januar die Hoffnung auf immer höhere Dollarzinsen zerstörte. Inzwischen wird an den Märkten sogar über Zinssenkungen spekuliert, was die US-Währung eigentlich schwächen sollte. Aber das Gegenteil ist zu beobachten.
Um den unerklärlichen Wegen des Greenbacks auf die Spur zu kommen, hatte das Devisenresearch der Bank Morgan Stanley vor über zehn Jahren ein

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Die Schuldenbremse ist besser als ihr Ruf

April 30, 2019

Alles im Lot: Ueli Maurer verkündet als Finanzminister regelmässig Haushaltüberschüsse. (Foto: Peter Klaunzer / Keystone)
Die Lage der öffentlichen Haushalte in der Schweiz ist glänzend. 2017 schlossen sie zum dritten Mal in Folge mit einem Überschuss ab. 2018 und 2019 dürfte sich das gemäss Eidgenössischer Finanzverwaltung (EFV) kaum ändern. «Angesichts dieser positiven Lage können in den nächsten Jahren vor allem Bund, Kantone und Sozialversicherungen von einer Entschuldung ausgehen», schreibt die EFV in einer Mitteilung.
Quelle: EFV
Wie der Chart zeigt, hat der Bund seine Schulden seit 2003 von rund 120 auf unter 100 Milliarden Franken verringert – eine Erfolgsbilanz, die im Ausland ihresgleichen sucht. Das ist auch ein Ergebnis der Schuldenbremse, die im Jahr 2003 mit dem Ziel

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Die «Masters of the Universe» sind zurück

April 5, 2019

Im März schloss die EZB aus, die Minuszinspolitik vor 2020 zu beenden: Präsident Mario Draghi tritt in Frankfurt vor die Medien. Foto: Armando Babani (Keystone)
Es ist wie ein Déjà-vu: Zentralbanken haben sich wieder einmal aufgemacht, die Weltwirtschaft zu retten. Als 2008 die globale Finanzkrise ausbrach, wurden die Zentralbanken zu den Protagonisten der Wirtschaftspolitik. Sie streiften ihre traditionelle Rolle als Schiedsrichter ab, der möglichst neutrale Rahmenbedingungen garantiert.
Fortan spielten sie selbst aktiv mit. Dort, wo Regierungen, Banken und Unternehmen nicht den gewünschten Einsatz zeigten oder glücklos blieben, übernahmen die Zentralbanken. Sie zogen alle Register, brachen Tabus und manchmal auch die Regeln, nur um dem Spiel die erhoffte Wendung zu geben. Null- und

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Sind Reformen nun doch das richtige Rezept?

March 22, 2019

Heil oder Übel? Protest gegen Macrons Arbeiterreform im September 2017. (Foto: Keystone/Francois Mori)
Vor gut fünf Jahren löste eine Studie ein mittelgrosses Beben unter Politikberatern in Europa aus. Ökonomen wiesen wissenschaftlich nach, dass Wirtschaftsreformen in den hoch verschuldeten und stagnierenden Ländern Südeuropas nichts bringen. Dabei pochten doch Regierungsvertreter und Mainstream-Ökonomen seit langem darauf, dass Länder wie Italien, Griechenland und Spanien mehr Marktwirtschaft zulassen sollten. Sie müssten bürokratische Hindernisse abbauen und die Arbeitsmärkte flexibilisieren. Nur so würden sie wettbewerbsfähiger und wirtschaftlich dynamischer werden.
Andrea Raffo, Gauti Eggertsson und Andrea Ferrero widersprachen dieser Argumentation nicht grundsätzlich. Sie hatten

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Weiche und harte Landungen

March 5, 2019

Die US-Wirtschaft wächst seit längerem überdurchschnittlich: Jerome Powells Fed ist gefordert. Foto: Kevin Wolf (Keystone)
Der deutsch-amerikanische Ökonom Rudi Dornbusch schrieb 1998, kein Aufschwung sterbe eines natürlichen Todes. Stets mache ihm die Zentralbank den Garaus. In den markigen Worten des 2002 verstorbenen Dornbusch:
«None of the postwar expansions died of natural causes, they were all be murdered by the Fed.»
In den kommenden zwei Wochen werden alle wichtigen Zentralbanken darüber beraten, wie es geldpolitisch weitergehen soll. Die Europäische Zentralbank macht am Donnerstag den Anfang. Nächste Woche folgen die Währungshüter in den USA. Am 14. März tritt das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank zu seiner vierteljährlichen Lagebeurteilung zusammen.
Die Konjunktur

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Die Negativzinsen haben ausgedient

February 22, 2019

Das Festhalten an Negativzinsen ergibt keinen Sinn mehr: Die EZB in Frankfurt. (Foto: Keystone/Arne Dedert)
Fünf Jahre negative Leitzinsen sind genug. Am 4. Juni 2014 beschloss die Europäische Zentralbank, den Einlagesatz unter null auf –0,1% zu schieben. 2016 setzte sie ihn auf –0,4% fest. Damals herrschten andere wirtschaftliche Bedingungen als heute. Wenn gegenwärtig über Zinserhöhungen diskutiert wird respektive darüber, dass die EZB die Leitzinsen noch lange nicht erhöhen kann, sollten die Argumente nicht für die Negativsätze gelten. Eine Rückkehr auf null ist längst überfällig. Dieser Sachverhalt darf inhaltlich nicht in denselben Topf geworfen werden wie die Frage, ob Euroland Leitzinsen von 0,5%, 1% oder 2% verkraften kann.
Nominale Minuszinsen sind ein Anachronismus. Sie

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Folgt nun der umgekehrte Frankenschock?

January 25, 2019

An ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Kurs bestätigt. Das Wertschriftenkaufprogramm ist definitiv beendet. Fortan kauft sie netto keine zusätzlichen Anleihen mehr zu. Sondern sie ersetzt nur noch die bestehenden Papiere, die sie in ihrem Portefeuille hält. Läuft eine Anleihe aus, erwirbt sie mit den Mitteln vergleichbare Anleihen, mehr nicht. Der Unterschied: Bisher druckte sie zusätzlich Geld, um immer mehr Wertschriften zu kaufen. Nun hält die EZB per saldo die Liquidität im Euroraum stabil.
Dieser Ausstieg aus der «quantitativen Lockerung» (Quantitative Easing, QE) müsste den Franken eigentlich entlasten. Denn die EZB macht den Beschluss von vier Jahren rückgängig, der

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Folgt nun der umgekehrte Frankenschock?

January 24, 2019

Ihre Interventionen haben künftig wieder mehr Schlagkraft: Die Schweizerische Nationalbank. (Foto: Reuters/ Ruben Sprich)
An ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Kurs bestätigt. Das Wertschriftenkaufprogramm ist definitiv beendet. Fortan kauft sie netto keine zusätzlichen Anleihen mehr zu. Sondern sie ersetzt nur noch die bestehenden Papiere, die sie in ihrem Portefeuille hält. Läuft eine Anleihe aus, erwirbt sie mit den Mitteln vergleichbare Anleihen, mehr nicht. Der Unterschied: Bisher druckte sie zusätzlich Geld, um immer mehr Wertschriften zu kaufen. Nun hält die EZB per saldo die Liquidität im Euroraum stabil.
Dieser Ausstieg aus der «quantitativen Lockerung» (Quantitative Easing, QE) müsste den Franken eigentlich entlasten. Denn die EZB

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Die Stunde der Pessimisten

January 11, 2019

Düstere Aussichten: Deutschlands Industrieproduktion ist weiterhin rückläufig. (Foto: iStock)
Viel schlechter hätten die Wirtschaftsnachrichten zum Jahresbeginn nicht ausfallen können. Aus Deutschland wurde diese Woche gemeldet, dass die Industrieproduktion auch im November deutlich zurückgegangen ist. Sie sank um 1,9% gegenüber dem Vormonat. Bereits im Oktober wurde die Produktion zurückgefahren.
Damit schwindet die Chance auf ein gesundes Wachstum der deutschen Gesamtwirtschaft im Schlussquartal 2018. Konjunkturforscher hofften, dass der überraschende Rückgang des deutschen Bruttoinlandprodukts im dritten Quartal (Juli/August/September) rasch ausgeglichen würde. Es sank damals –0,2% gegenüber dem zweiten.
Nun warnen Ökonomen bereits vor einer «technischen Rezession» in Deutschland.

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Euro-Austritte finden keine Mehrheit

December 3, 2018

EU-Kritik Ja, Euro-Austritt Nein: Italiens Vizepremier Luigi Di Maio will die Einheitswährung nicht verlassen – ebenso wie die Mehrheit der Italiener. Foto: Ettore Ferrari (Keystone)
Italiens Haushaltsstreit mit der EU droht zu eskalieren. Die Europäische Kommission wird den übrigen Mitgliedsstaaten empfehlen, ein Defizitverfahren einzuleiten. Die Regierung in Rom lehnt bisher jedes Zugeständnis ab, das Haushaltsdefizit 2019 nicht ganz so hoch ausfallen zu lassen.
An den Finanzmärkten herrscht grosse Unsicherheit darüber, wie es weitergeht. Anleger ziehen Geld aus Italien ab. Die nächste Eurokrise scheint bevorzustehen. Marktkommentatoren mutmassen bereits über einen «Italexit». Italiens Populisten könnten es zum Äussersten kommen lassen und am Ende den Euro opfern, wird befürchtet.

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Der Ölpreis als Wirtschaftsseismograf

November 16, 2018

Im freien Fall: Zwei Händler beim Ölpreissturz an der Börse in New York. (Foto: Daniel Barry/Getty Images)
Ein Fass Rohöl der Qualität Brent kostet heute 65 US-Dollar und damit fast gleich viel wie am ersten Handelstag 2018. Zwischen diesen beiden Terminen vollführte der Ölpreis allerdings eine wahre Berg-und-Tal-Fahrt. Kein anderer wirtschaftlicher Indikator spiegelt so unmittelbar die Hoffnungen und Ängste, welche dieses Jahr sowohl Anleger als auch Wirtschaftsakteure umtreiben. Auch nicht der Dollar oder die Aktienkurse, denen normalerweise diese Rolle zugesprochen wird. Wie ein Seismograf zeichnet der Ölpreis offene und verborgene Risiken für die Weltwirtschaft auf.

Quelle: Thomson Reuters
Dabei startete die Weltwirtschaft mit Schwung ins neue Jahr. Nachdem 2017 die meisten

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Drei Strategien gegen Immobilienblasen

November 2, 2018

In Schweden sind die Immobilienpreise aufgrund der Negativzinsen stark angestiegen: Stadtzentrum von Stockholm. Foto: Mikael Sjoberg (Bloomberg, Getty)
Nationalbankpräsident Thomas Jordan hat diese Woche in einem Referat erläutert, warum Notenbanken auf ein und dasselbe Problem ganz unterschiedlich reagieren können. Er bezog sich dabei auf das Risiko eines globalen Handelskriegs. Angenommen, die Zölle steigen abrupt und heftig, argumentiert Jordan, «soll die Zentralbank in einer solchen Situation die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen, oder soll sie die Zinsen senken, um die wirtschaftliche Aktivität anzukurbeln?» Je nach Situation sei beides plausibel, lautet sein Fazit.
Genau dieses Dilemma müssen einige der führenden Zentralbanken bereits heute meistern, nur in einem

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Was kommt zuerst: Handel oder Entwicklung?

October 19, 2018

Das Exportgeschäft generiert immer weniger Arbeitsplätze: Textilfabrik in Bangladesh. (Foto: Getty Images)
Entwicklungsländer profitieren immer weniger von der Einbindung im Welthandel. Zu dieser Einschätzung gelangt Harvard-Professor Dani Rodrik in seiner neuesten wissenschaftlichen Arbeit, in der er sich mit globalen Wertschöpfungsketten befasst.
Global Value Chains (GVC) sind Lieferketten, bei denen verschiedene Produktionsstufen strategisch über die Welt verteilt werden. Sie prägen inzwischen den internationalen Handel. GVC sorgen dafür, dass Unternehmen in den entlegensten Ländern am Weltmarkt partizipieren und neue Technologien vielerorts Anwendung finden.
Rodrik weist allerdings nach, dass dieser Technologietransfer für die Entwicklungsländer kaum Produktivitätsfortschritte mit

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Rückenwind für die SNB

October 8, 2018

Die Nationalbank hat die Schweizer Zahlungsbilanz für das zweite Quartal veröffentlicht. Damit bietet sich erstmals die Gelegenheit, nachzuprüfen, ob die viel zitierten Europaängste Fluchtkapital ins Land gespült haben.

Auch ohne Intervention läuft alles in ihrem Sinne: Schweizer Nationalbank in Bern. Foto: Getty Images
Zur Erinnerung: Im März wurde in Italien ein neues Parlament gewählt, die den beiden Europagegnern und Anti-Establishment-Formationen Movimento 5 Stelle und Lega eine Mehrheit bescherten. Nach einigen politischen Querelen – u.a. das Veto des Staatspräsidenten gegen den designierten Wirtschaftsminister, der für einen Austritt Italiens aus dem Euro plädiert hatte und daraufhin «nur» als Europaminister

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Rückenwind für die SNB

October 8, 2018

Auch ohne Intervention läuft alles in ihrem Sinne: Schweizer Nationalbank in Bern. Foto: Getty Images
Die Nationalbank hat die Schweizer Zahlungsbilanz für das zweite Quartal veröffentlicht. Damit bietet sich erstmals die Gelegenheit, nachzuprüfen, ob die viel zitierten Europaängste Fluchtkapital ins Land gespült haben. Zur Erinnerung: Im März wurde in Italien ein neues Parlament gewählt, die den beiden Europagegnern und Anti-Establishment-Formationen Movimento 5 Stelle und Lega eine Mehrheit bescherten. Nach einigen politischen Querelen – u.a. das Veto des Staatspräsidenten gegen den designierten Wirtschaftsminister, der für einen Austritt Italiens aus dem Euro plädiert hatte und daraufhin «nur» als Europaminister ins Kabinett gelassen wurde – übernahmen sie am 1. Juni die

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Der Nationalbank sind die Hände gebunden

September 17, 2018

Das latente Aufwertungsrisiko des Frankens beschränkt ihren Handlungsspielraum: SNB in Bern. (Foto: Keystone/Gaetan Bally) – Click to enlarge
EZB-Präsident Mario Draghi konstatierte letzte Woche zufrieden, dass die aktuellen Turbulenzen in einzelnen Staaten auch dort bleiben und nicht andere Länder anstecken. Seine Kollegen in der Nationalbank, die diese Woche ihren geldpolitischen Entscheid fällen, dürften das etwas anders sehen. Der Franken bekommt jedes noch so kleine Beben in Euroland oder dessen Nachbarländern zu spüren. Auch zehn Jahre nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise respektive acht Jahre nachdem in Griechenland die Euro-Staatsschuldenkrise begann, hat sich daran nichts geändert. Der Franken-Euro-Kurs

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Der SNB sind die Hände gebunden

September 17, 2018

Das latente Aufwertungsrisiko des Frankens beschränkt ihren Handlungsspielraum: SNB in Bern. (Foto: Keystone/Gaetan Bally)
EZB-Präsident Mario Draghi konstatierte letzte Woche zufrieden, dass die aktuellen Turbulenzen in einzelnen Staaten auch dort bleiben und nicht andere Länder anstecken. Seine Kollegen in der Nationalbank, die diese Woche ihren geldpolitischen Entscheid fällen, dürften das etwas anders sehen. Der Franken bekommt jedes noch so kleine Beben in Euroland oder dessen Nachbarländern zu spüren. Auch zehn Jahre nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise respektive acht Jahre nachdem in Griechenland die Euro-Staatsschuldenkrise begann, hat sich daran nichts geändert. Der Franken-Euro-Kurs schlägt so sensibel aus wie die Nadel eines Seismografen.
So genügten die

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Der nautische Kurs der Nationalbank

July 2, 2018

Mit ihren Inflationsprognosen erinnert die SNB an die Absichtserklärung hinter einer Atlantiküberfahrt: Segelboot und Containerschiff auf der Weser vor Bremerhaven. Foto: Jörg Sarbach (Keystone)
Langsam bewegt sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) zurück zu einer normalen Geldpolitik. Sie hat zwar den Geldhahn immer noch weit geöffnet und hält die Leitzinsen so tief im Minus wie keine andere Zentralbank weltweit. Aber sie richtet ihre Geldpolitik nicht mehr allein am Franken-Wechselkurs aus und ordnet dem als andere unter. De facto ist sie zu ihrem Preisstabilitätsziel zurückgekehrt, wie es im Nationalbankgesetz vorgesehen ist.
Damit tritt die Inflationsprognose der SNB erneut in den Vordergrund. Mit ihr erfüllt die SNB nach eigener Darstellung einen doppelten Zweck: «Einerseits

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In Japan sind Lohnerhöhungen Pflicht

June 8, 2018

Der Lohn dafür ist ein Schrei ins Gesicht: Dieser Arbeiter muss einen Schimpansen einfangen, der aus dem Zoo in Sendai ausgebrochen ist. Foto: Kyodo News, AP, Keystone
Japan kämpft gegen ein wirtschaftliches Phänomen an, das mancher Wirtschaftsminister in der EU als Luxusproblem bezeichnen würde. Es gibt zu viele Stellen und zu wenige Arbeitskräfte. Die Arbeitslosenrate liegt so tief wie zuletzt vor einem Vierteljahrhundert. Und während in Ländern wie Italien oder Spanien sich manchmal Tausende von Kandidaten um zehn freie Stellen im Gesundheitswesen bewerben, müssen sich Arbeitgeber glücklich schätzen, wenn auf ihre Jobangebote überhaupt eine Antwort eingeht. Das Verhältnis zwischen offenen Stellen und Bewerbern ist landesweit auf 1,59 geklettert. Seit 1974 war dieses Missverhältnis

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In Italien tickt eine Zeitbombe

May 25, 2018

Wo Rauch ist, ist auch Feuer: Italien droht eine Rezession. Foto: Tony Gentile (Reuters)
Italiens chaotische Regierungsbildung lehrt die Märkte das Fürchten. Die Aktienkurse in Mailand fallen, die Anleihenrenditen steigen. Zuletzt hat sich auch noch der Franken zum Euro aufgewertet. Für manchen Beobachter erscheint das wie ein Déjà-vu: Bahnt sich die nächste Euroschuldenkrise an?
Diese Befürchtung ist übertrieben. Italien ist heute weniger anfällig für eine Zahlungskrise als vor sieben Jahren. Und zwar sowohl auf der Schuldner- als auch auf der Gläubigerseite. Warum? Beginnen wir mit dem Schuldner: der italienische Staat.
Die Sorge besteht, dass die höheren Marktzinsen die angespannte Haushaltslage sprengen könnten. Italien muss jedes Jahr rund 250 Milliarden Euro am Kapitalmarkt

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Italiens leere Steuerversprechen

May 11, 2018

Unterstützer von Lega-Chef Matteo Salvini an einer Wahlveranstaltung im Februar 2018. Foto: Reuters
Italiens Politiker werden nicht müde, den Wählern Steuergeschenke zu versprechen. Eine Einkommenssteuerreform, tiefere Steuersätze, eine «Flat Tax» oder grosszügigere Befreiungen für geringe Einkommen. In einem Land, dessen Bürger überdurchschnittlich viel Steuern zahlen, ist diese Taktik verständlich. Die durchschnittliche Steuerbelastung beläuft sich auf 43% des Bruttoinlandprodukts. Zum Vergleich: Die Schweiz bringt es auf 28%.
Aber Lega, Forza Italia, Fünf Sterne & Co. betreiben nur Augenwischerei. Denn in den kommenden Jahren geht es nicht darum, die Steuersätze zu senken. Vielmehr müssen alle Anstrengungen unternommen werden, damit die Steuern nicht noch höher steigen.
Der Grund

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Europas ungewöhnliche Zinswende

April 17, 2018

Wartet mit der Zinserhöhung ab: EZB-Präsident Mario Draghi. Foto: Arne Dedert (Keystone)
Österreichs Nationalbankchef Ewald Nowotny brach kürzlich das Tabu: Als erstes Mitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) sprach er konkret über Zinserhöhungen. Während seine Amtskollegen bislang auf Journalistenfragen ausweichend antworten, geht Nowotny in seinen Äusserungen ans Eingemachte. Er mutmasst über eine erste Anhebung um 0,2 Prozentpunkte sowie darüber, dass die EZB den «Einlagesatz» früher erhöhen könnte als den traditionellen Leitzins «Hauptrefinanzierungssatz».
Die Debatte über die Zinswende in Europa kommt damit ins Rollen. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir voraussichtlich viele unterschiedliche Versionen und Hypothesen darüber hören, wie Notenbanker das Ende der Tief-

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In Frankreich kostet eine politische Stimme 6 Euro

March 22, 2018

Hat er Frankreichs Kontrollsystem unterschätzt? Der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy wurde erneut in Gewahrsam genommen. (Foto: Reuters)
Der frühere französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy wurde diese Woche erneut in Polizeigewahrsam genommen. Es geht um mutmassliche finanzielle Unregelmässigkeiten im Wahlkampf 2007, der ihm den Weg in den Elysée-Palast ebnete. Libyens Ex-Diktator Ghadhafi soll Millionen in Sarkozys Wahlkampfkasse bezahlt haben. Bereits laufen Untersuchungen wegen Spendengeldern für die Wahlen im Jahr 2012, bei denen Sarkozy gegen den Sozialisten Hollande verlor. Damals soll er 20 Millionen Euro mehr ausgegeben haben, als gesetzlich erlaubt ist.
Frankreich zählt zu den Vorreitern in Sachen Wahlspenden-Kontrolle. Seit Jahrzehnten befasst sich der Gesetzgeber

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Trumps Zollkrieg – worum es wirklich geht

March 16, 2018

Donald Trump unterzeichnet, inmitten von Arbeitern aus der Stahlindustrie, ein Dekret über Importzölle auf Stahl und Aluminium. Foto: Leah Millis (Reuters)
Nächsten Freitag will Donald Trump Strafzölle gegen ausländische Importgüter einführen. Im Vordergrund stehen Stahl und Aluminium aus Europa und Asien, für die US-Abnehmer bis zu 25 Prozent mehr zahlen sollen. Das soll den Kauf importierter Waren drosseln und die heimische Produktion vor unfairer Konkurrenz schützen. So argumentiert der US-Präsident.
Allerdings wirft er die Begründung in der Praxis gleich wieder über den Haufen, denn er verfügt die Strafzölle nicht auf der Grundlage eines Dekrets gegen unfaire Handelspraktiken, Dumping oder Ähnliches. Sondern er wendet ein Gesetz aus den Zeiten des Kalten Kriegs an, das

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Ein Rückzug voller Gefahren

February 23, 2018

Hat die Normalisierung eingeleitet: EZB-Präsident Mario Draghi. (Foto: Reuters/Kai Pfaffenbach)
Nach dem Kurssturz an den Aktienbörsen ist die Unsicherheit gross: Wo lauert die nächste Gefahr? Im Mittelpunkt steht das Risiko, dass die Inflationsaussichten unterschätzt wurden. Die US-Konjunktur könnte sich überhitzen, die Teuerung aufflammen und daraufhin die Zinsen in die Höhe schiessen. Die Notenbank müsste dann viel stärker auf die Bremse treten als bisher.
Was in der Debatte über die Ursachen des Mini-Crashs allerdings zu kurz kommt: Nicht nur in einem möglichen Worst-Case-Szenario sind die Notenbanken für die Finanzmärkte zum Risikofaktor geworden, sondern auch wenn sie einfach so weitermachen wie bisher.
Das war einmal…
Die führenden Zentralbanken haben die Normalisierung

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Gewinner und Verlierer der tiefen Zinsen

January 26, 2018

Zu den Gewinnern gehört, wer sein Geld in Immobilien investiert hat: Musterhaus bei Nürnberg. Foto: iStock
Negativzinsen treffen auf wenig Gegenliebe. Die Banken klagen, dass sie sie viel Geld kosten. Ökonomen kritisieren, dass sie negative Anreize schaffen und Staaten genauso wie Private dazu verleiten, zu viele Schulden zu machen. Und der Durchschnittsbürger sorgt sich, dass er am Ende die Zeche zahlt: Denn seine Ersparnisse werfen keine Rendite mehr ab.
Diese letzte Kritik ist vor allem in Deutschland zu hören. Das erstaunt nicht. Deutschland ist der klassische Netto-Gläubiger. Die Privathaushalte, die Unternehmen und der Staat sparen dort mehr als sie sich verschulden. Der negative Effekt extrem tiefer Zinsen für die Ersparnisse ist somit grösser als der positive Effekt, dass

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Der Nutzen des Vergessens

December 18, 2017

In der Euphorie gehen die vergangenen Tiefschläge leicht vergessen: Ein Aktienhändler in Frankfurt während des Börsencrashs im Oktober 2008. Foto: Michael Probst (Keystone)
In diesen letzten Dezembertagen werden wir mit Jahresrückblicken und Ausblicken auf 2018 überhäuft. Wir lesen sie gerne. Schliesslich wollen wir alle wissen, was uns in den kommenden zwölf Monaten erwartet, und rufen uns gerne die wichtigsten vergangenen Ereignisse der Vergangenheit in Erinnerung.
Prognosen spielen für das Funktionieren der Märkte eine wichtige Rolle. Kauf- und Investitionsentscheide wären ohne sie kaum möglich. Denn in einem solchen Moment macht sich jeder Gedanken darüber, wie es weitergeht. Vorhersagen helfen, den Blick zu klären.
Aber wie steht es eigentlich um das Erinnern?
An den Börsen ist

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Zu Tode gespart

November 13, 2017

Kein Geld mehr für Bildung: Studenten protestieren im November 2011 in Rom gegen die Austeritätspolitik der Regierung. Foto: Guido Montani (Keystone)
Europas Wirtschaft ist wieder auf Wachstumskurs. Siebeneinhalb Jahre nach Ausbruch der Euroschuldenkrise werden selbst in Südeuropa neue Stellen geschaffen, investieren Unternehmen und blicken die Bürger zuversichtlicher in die Zukunft. Die Realität gleicht zunehmend jenem Szenario, das Befürworter eines harten Sparkurses ab 2010 zeichneten: auf eine schmerzvolle Umbauphase, in der jedes Land seine Staatsfinanzen in Ordnung bringt und die Wirtschaftsstrukturen modernisiert, würden sie anschliessend gestärkt hervorgehen und mittelfristig solide wachsen. An den Finanzmärkten spricht man kurzum von «short pain, long gain».
Ob sich diese

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