Tuesday , September 17 2019
Home / Never mind the markets / Die Nullzinspolitik hilft vor allem dem Staat

Die Nullzinspolitik hilft vor allem dem Staat

Summary:
Wenn Länder kostenlos Kredite aufnehmen können, weckt das Begehrlichkeiten. Doch es gibt auch Risiken. Manche fordern mehr Investitionen in die Infrastruktur, solange der Staat gratis Kredite aufnehmen kann: Baustelle am Bahnhof Luzern. Foto: Alexandra Wey (Keystone) Null- und Minuszinsen sind ein Geschenk für Schuldner. Wer einen Kredit aufnimmt oder sich Geld leiht, zahlt in einem solchen Umfeld gar nichts oder wird sogar dafür bezahlt. Die Politik führender Zentralbanken – in der Schweiz, im Euroland, in Japan usw. –, die Leitzinsen bei oder unter null zu halten, hilft also vor allem jenen, die mehr ausgeben als sie verdienen. Und das sind in erster Linie die Staaten. Denn die Hälfte der ausstehenden Anleihen und Schuldtitel wurde von Regierungen emittiert.

Topics:
Andreas Neinhaus considers the following as important: , , , , ,

This could be interesting, too:

Markus Diem Meier writes Die liberale Marktwirtschaft hat ein Problem

Mathias Binswanger writes Ärgern Sie sich (noch) über steigende Gesundheitskosten?

Andreas Neinhaus writes Warum der Dollar der Welt nicht guttut

Friedrich Dominicus writes Guter Staat – böser Staat

Wenn Länder kostenlos Kredite aufnehmen können, weckt das Begehrlichkeiten. Doch es gibt auch Risiken.

Die Nullzinspolitik hilft vor allem dem Staat

Manche fordern mehr Investitionen in die Infrastruktur, solange der Staat gratis Kredite aufnehmen kann: Baustelle am Bahnhof Luzern. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Null- und Minuszinsen sind ein Geschenk für Schuldner. Wer einen Kredit aufnimmt oder sich Geld leiht, zahlt in einem solchen Umfeld gar nichts oder wird sogar dafür bezahlt. Die Politik führender Zentralbanken – in der Schweiz, im Euroland, in Japan usw. –, die Leitzinsen bei oder unter null zu halten, hilft also vor allem jenen, die mehr ausgeben als sie verdienen. Und das sind in erster Linie die Staaten.

Denn die Hälfte der ausstehenden Anleihen und Schuldtitel wurde von Regierungen emittiert. Gemäss Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich waren Ende 2018 von insgesamt 85,8 Billionen Dollar Verbindlichkeiten der Industrieländer 42 Billionen Staatspapiere.

Gratis Schulden machen

Regierungen können in diesen aussergewöhnlichen Zeiten also viel Geld einsparen. Nie war es günstiger, sich neu zu verschulden. Deutschland und die Schweiz legen Anleihen am Markt auf und müssen für das aufgenommene Geld keine Zinsen zahlen. Tatsächlich werden viele Papiere am Markt sogar negativ verzinst. Interessanterweise hat diese einmalige Situation bislang kaum zusätzliche politische Begehrlichkeiten geweckt. Institutionelle Vorkehrungen wie die Schuldenbremse wirken. In beiden Staaten halten die Regierungen an ihrer haushaltspolitischen Disziplin fest.

Allerdings wird in Deutschland seit kurzem kontroverser über das Haushaltsziel «schwarze Null» diskutiert. Es werden zusätzliche Schulden gefordert, um Infrastrukturinvestitionen und ein Klimawandelpaket zu finanzieren. Dahinter steht die berechtigte Überlegung, dass öffentliche Ausgaben auch das Wachstumspotenzial und den Wohlstand fördern können und dann einen volkswirtschaftlichen Nutzen haben.

Aber wer neue Staatskredite beschliesst, sollte sich keiner Illusion hingeben: Staatliche Schulden werden am Ende der Laufzeit so gut wie nie getilgt, sondern nur über den Verkauf neuer Anleihen refinanziert. Dann muss allenfalls auch wieder ein höherer Zins als 0 Prozent für die Finanzierung bezahlt werden. Der Schuldenberg wächst  und damit die finanzielle Last künftiger Generationen.

Wie die Schuldenquote sinkt

In diesem Dilemma befinden sich hoch verschuldete Staaten. Dennoch schaffen die extrem tiefen Marktzinsen auch hier finanzielle Erleichterung. Sie sorgen dafür, dass die Kosten, um die bestehenden...

Andreas Neinhaus
Andreas Neinhaus (Jg. 1963) ist seit 1997 als Redaktor bei «Finanz und Wirtschaft» tätig und schreibt über geld- und währungspolitische sowie konjunkturelle Fragen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *