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Mathias Binswanger



Articles by Mathias Binswanger

Unsere utopische Klimapolitik

12 days ago

Von Treibhausgasneutralität bis Wachstumsstopp: Warum die formulierten Klimaziele kaum mehr etwas mit der Realität zu tun haben.
Die Welt 2050: Nur noch erneuerbare Energien und keinerlei Wirtschaftswachstum? Foto: iStock
Die wichtigste Botschaft meines 2019 erschienenen Buches «Der Wachstumszwang» lautet, dass heute existierende kapitalistische Wirtschaften ohne Wachstum nicht funktionieren. Und ein Wachstum des BIP wird ja in allen Ländern weiterhin angestrebt. Es stellt sich deshalb die Frage, inwieweit sich dieses Wachstum in grüne Bahnen lenken lässt. Erwünscht ist aus ökologischer Perspektive ein Wachstum, welches möglichst wenig Umweltschäden verursacht und zu keiner Erschöpfung natürlicher Ressourcen führt. Man möchte also eine Entkopplung des

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Negativzinsen, unser notwendiges Übel

24 days ago

Warum die Schweizer Negativzinspolitik trotz aller leidigen Nebenwirkungen bis auf weiteres unumgänglich ist.
Muss sich der EZB und deren zementierten Negativpolitik anpassen: SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Keystone/Anthony Anex
Negativzinsen in der Schweiz sind ein Sonderfall. Denn die Schweiz hat keine Negativzinsen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln oder um bedrohte Schuldner vor dem Zusammenbruch zu retten. Die Negativzinsen hierzulande haben nur einen einzigen Grund: Ein weiteres Erstarken des Schweizer Frankens soll verhindert werden. Dazu müssen Geldanlagen in der Schweiz genügend unattraktiv gemacht werden. Der Zins muss geringer sein als im Ausland und vor allem geringer als in der Eurozone. Und weil die Eurozone im Moment ebenfalls negative

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Negativzinsen, unser notwendiges Übel

26 days ago

Warum die Schweizer Negativzinspolitik trotz aller leidigen Nebenwirkungen bis auf weiteres unumgänglich ist.
Muss sich der EZB und deren zementierten Negativpolitik anpassen: SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Keystone/Anthony Anex
Negativzinsen in der Schweiz sind ein Sonderfall. Denn die Schweiz hat keine Negativzinsen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln oder um bedrohte Schuldner vor dem Zusammenbruch zu retten. Die Negativzinsen hierzulande haben nur einen einzigen Grund: Ein weiteres Erstarken des Schweizer Frankens soll verhindert werden. Dazu müssen Geldanlagen in der Schweiz genügend unattraktiv gemacht werden. Der Zins muss geringer sein als im Ausland und vor allem geringer als in der Eurozone. Und weil die Eurozone im Moment ebenfalls negative Zinsen

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Neue Berufe dank neuer Bürokratie

November 1, 2019

Alle Massnahmen zur Bürokratiebekämpfung führen letztlich zu noch mehr Vorschriften – aber auch zu neuen Arbeitsplätzen.
Sch… Bürokratie: Komplizierte Abläufe können einem die Freude an der Arbeit ziemlich vermiesen. Foto: iStock
Der Kampf gegen Bürokratie gehört zum Standardrepertoire zeitgenössischer Politik. Seit den 1990er-Jahren gab es ständig Versuche, den alten bürokratischen Staat durch einen modernen, wettbewerbs- und kundenorientierten Staat zu ersetzen. Im Rahmen des New Public Managements (NPM) sollte eine effiziente, schlanke und unbürokratische öffentliche Verwaltung mithilfe von privatwirtschaftlichen  Managementtechniken entstehen. Man ging davon aus, dass Staatsangestellten (Beamten) einfach die richtigen Anreize gesetzt werden müssen, damit sie

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Ein Freihandelsvertrag mit den USA? Wirklich?

October 18, 2019

Ungleiche Wirtschaftsmächte: Donald Trump und Ueli Maurer beim Treffen im Weissen Haus im Mai 2019. Foto: Keystone
In der Schweiz sind bilaterale Freihandelsabkommen en vogue. Das hängt damit zusammen, dass sie als wichtige Instrumente zur Exportförderung gelten. Neuestes Ziel ist ein Abkommen mit den USA, welche heute nach Deutschland die zweitwichtigste Exportnation für die Schweiz darstellen. Und wir erzielen mit den USA den höchsten Handelsbilanzüberschuss. Den Exporterlösen von rund 40 Milliarden Franken im Jahr 2018 standen Importe im Wert von «nur» 21 Milliarden gegenüber.
Dieser Handelsbilanzüberschuss beruht zu einem grossen Teil auf pharmazeutischen Produkten. 2018 machten diese rund 53 Prozent der Warenausfuhren in die USA aus. Ihr Anteil an den Exporten in die USA hat sich

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Die Schweiz auf dem Weg zur Klimaneutralität?

October 4, 2019

Die Klimakrise dominiert auch die politische Agenda: Klimaaktion auf dem Aletschgletscher. Foto: Keystone/Valentin Flauraud
In Fragen der Klimapolitik herrscht in der Schweiz zurzeit hektische Aktivität. Denn es sind bald Wahlen, und je nach Partei möchte man sich als Klimaretter oder Retter vor den wirtschaftsschädigenden Massnahmen der Klimaretter positionieren. Einen zusätzlichen Impuls hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga Ende August gesetzt, als sie verkündete, dass unser Land bis 2050 klimaneutral sein solle.
Damit verschärfte die Regierung ihr Klimaziel. Bis anhin wollte sie den Treibhausgasausstoss bis 2050 gegenüber 1990 um 70 bis 85 Prozent senken. Doch jetzt lautet die Devise: netto null. Das ist zwar erst eine Absichtserklärung ohne verbindlichen Charakter. Doch der

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Droht ein Wachstumsstopp?

September 20, 2019

Noch nie war die Geldpolitik der Zentralbanken so expansiv: EZB in Frankfurt. Foto: Reuters/Kai Pfaffenbach
In der Schweiz macht man sich gerne Sorgen auf hohem Niveau. Alle paar Jahre taucht deshalb auch die Furcht vor einer Rezession oder, noch schlimmer, vor einer säkularen Stagnation auf. Im zweiten Fall wären hohe Wachstumsraten nämlich definitiv Geschichte und die Rezession bald ein Dauerzustand.
Betrachtet man die Wachstumsraten in Westeuropa und Nordamerika seit den 50er-Jahren, kann man tatsächlich feststellen, dass die durchschnittlichen Wachstumsraten gesunken sind. Dies hat einige gegenwärtig bekannte US-Ökonomen wie Robert Gordon oder Larry Summers dazu verleitet, den Begriff der säkularen Stagnation wieder in die ökonomische Diskussion einzuführen.
Mit diesem Begriff

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Ärgern Sie sich (noch) über steigende Gesundheitskosten?

September 6, 2019

Erfolgsversprechend: Das Angebot der Pharmaindustrie und die Ärzte bestimmen die Nachfrage. Foto: iStock
Kaum eine Grösse wächst in der Wirtschaft mit so schöner Regelmässigkeit wie die Gesundheitskosten. Gemäss Comparis.ch sollen die Prämien für die Grundversicherung der Krankenkassen auch 2020 um weitere zwei bis drei Prozent steigen. Doch welche Faktoren garantieren diesen stetigen Anstieg der Kosten, welchen den Gesundheitsmarkt inzwischen zum sichersten und bedeutendsten Wachstumsmarkt der Schweiz gemacht haben?
Jenseits eines funktionierenden Marktes
Die Gründe sind letztlich leicht durchschaubar. Auf dem Gesundheitsmarkt besteht ein starker Anreiz zu kontinuierlicher Mengenausweitung. Und so werden Jahr für Jahr mehr und angeblich bessere Gesundheitsleistungen und -produkte in

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Wohneigentum wird unerschwinglich? Gut so!

August 23, 2019

Der Traum vom Eigenheim rückt in weite Ferne: Denn nur wenige können es sich noch leisten. Foto: Keystone/Alessandro Della Bella
Vor einigen Tagen gingen alarmierende Berichte durch die Schweizer Presselandschaft. Es hiess: Schweizer verdienen zu wenig Geld fürs Eigenheim. Da die Preise für Wohneigentum immer mehr steigen und gleichzeitig die Bestimmungen zur Vergabe von Hypothekarkrediten immer schärfer würden, könnten sich immer weniger Schweizer Wohneigentum leisten.
Alle diese Meldungen, die etwa im «Blick» oder in «20 Minuten» erschienen, bezogen sich auf eine Studie der Raiffeisenbank. Dort konnte man Folgendes lesen: In der Schweiz verlangen Banken normalerweise für einen Hypothekarkredit für selbst genutztes Wohneigentum, dass 20% des Kaufpreises aus Eigenmitteln finanziert

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Die EZB ist gefangen in einer geldpolitischen Fiktion

August 9, 2019

Nur das Inflationsziel vor Augen: EZB-Chef Mario Draghi informiert am 25. Juli 2019 über die aktuelle Zinspolitik. Foto: Ronald Wittek (Keystone)
Wie Mario Draghi Ende Juli angekündigt hat, spielt die EZB mit dem Gedanken, die Zinsen in naher Zukunft nochmals zu senken. Doch welche Überlegungen stecken eigentlich hinter der aggressiven Zinssenkungspolitik der EZB? Eine genauere Analyse des Verhaltens der EZB zeigt, dass Draghi und Konsorten sich seit Jahren eine Fiktion zurechtgezimmert haben und diese als Ausgangspunkt für ihre geldpolitischen Entscheide nehmen. Diese Fiktion geht von der Doktrin aus, dass die Wirtschaft im Euroraum nur dann gut funktioniert, wenn die Inflationsrate nahe bei 2 Prozent liegt. Deshalb muss die EZB dafür sorgen, dass die Inflationsrate nicht zu stark

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Sind grosse Banken auch grosse Klimasünder?

July 26, 2019

Aktivisten der Organisation Climate Justice blockieren am 8. Juli 2019 den Eingang der CS in Zürich. Foto: Keystone
Angesichts der aufflammenden Klimaproteste erscheint es diversen Organisationen und Unternehmen angebracht, sich etwas grüner zu positionieren. Auch den Grossbanken UBS und Credit Suisse ist es ein Anliegen, Klimafreundlichkeit auszustrahlen. Unmittelbarer Grund dafür ist eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie, welche die beiden Banken an den Pranger stellt. Gemäss Greenpeace haben die Credit Suisse und die UBS von 2015 bis 2017 insgesamt 12,3 Milliarden US-Dollar für Unternehmen bereitgestellt, die besonders dreckige, sogenannt extreme fossile Brennstoffe nutzbar machen.
Credit Suisse und UBS
Was aber sind, besonders dreckige, extreme fossile Brennstoffe?

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Die Schweiz – reich und damit glücklich?

July 12, 2019

Wer alles hat, der darf sich nicht beklagen. Foto: Bruce Mars (Pexels)
Gerade beginnen die Sommerferien, was viele von uns dazu verleitet, die Schweiz temporär in Richtung Ausland zu verlassen. Und wenn wir dann nach Tagen oder Wochen aus den Ferien zurückkommen, sind wir immer wieder überrascht, wie glücklich die Menschen hierzulande doch sind. Vom Bodensee bis an den Lac Léman sieht man lachende, fröhliche Gesichter.
Wirklich? Was ist denn das für ein Unsinn, werden sich jetzt die meisten Leserinnen und Leser zu Recht fragen. Lachende, fröhliche Gesichter und die Schweiz, das passt doch nicht zusammen? Doch eigentlich müsste es so sein. Wenn man den Statistiken glaubt, gehören die Schweizerinnen und Schweizer zu den glücklichsten Menschen der Welt. Gemäss dem jährlich erscheinenden

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Gibt es in kapitalistischen Wirtschaften einen Wachstumszwang?

June 17, 2019

«Kann der Kapitalismus weiterleben? Nein, meines Erachtens nicht!» Das ist die berühmte Aussage Joseph Schumpeters in seinem 1942 publizierten Buch «Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie». Allerdings hat sich Schumpeters Prognose wie andere Prognosen über das Ende des Kapitalismus als falsch erwiesen. Der Kapitalismus funktioniert nach wie vor bestens, und fast überall auf der Welt sind die …

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Der geplante Ausstieg der EZB aus den Anleihekaufprogrammen: Das Ende einer geldpolitischen Fiktion

July 5, 2018

Die EZB hat bekannt gegeben, aus ihrem grossen Wertpapierankaufsprogrammen auszusteigen, da die Inflationsrate im Euroraum wieder nahe bei den angestrebten 2 Prozent liege. Dieser Beitrag zeigt, dass diese Argumentation nicht überzeugend ist, da die 2 Prozent an sich wenig aussagekräftig sind.
Am 14. Juni
hat die EZB bekannt gegeben, dass sie Ende 2018 aus ihren grossen Wertpapierankaufsprogrammen
von gegenwärtig 30 Milliarden Euro pro Monat aussteigen will (ECB, 2018).[ 1 ]
Begründet
wird der Ausstieg damit, dass die Inflationsrate jetzt nahe bei den
angestrebten 2 Prozent liege und das Inflationsziel somit erreicht sei. Doch
warum sollte es für die Politik der EZB überhaupt von Bedeutung sein, ob die
Inflationsrate nahe bei oder unterhalb von 2 Prozent liegt?
Die Erklärung

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Internet frisst Wettbewerb

June 19, 2017

Das Aufkommen des Internets hat
schon zu vielen Illusionen verleitet. So glaubte man auch, dass Märkte dadurch
transparenter würden und immer effizienter funktionierten. Doch das wird Illusion
bleiben. In der digitalen Wirtschaft eröffnen sich für Grossunternehmen phantastische
Chancen, eine marktbeherrschende Stellung zu erobern und Markttransparenz zu
verhindern, wie dieser Beitrag zeigt.
Ein wirklich perfekt funktionierender
Markt, wo viele Anbieter dasselbe Gut in vollständiger Konkurrenz zueinander
anbieten, war für Unternehmen schon immer unattraktiv.[ 1 ]
Es ist geradezu ein
Kennzeichen der wirtschaftlichen Entwicklung, dass solche Märkte nach und nach
verdrängt werden. Am ehesten findet man sie noch in Entwicklungsländern, wo
unzählige kleine Händler einer neben dem

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Makroökonomische Modelle jenseits der Realität

December 8, 2016

Helfen die gängigen makroökonomische Modelle dabei, die Wirklichkeit zu erklären? Dieser Beitrag äussert Zweifel.
Stellen Sie sich
vor, dass ein Fluss zu gewissen Zeiten Hochwasser hat, welches sich jeweils nach
starken Regenfällen beobachten lässt.
Also, so würde man dem gesunden
Menschenverstand nach annehmen, ist der Regen eine wichtige Erklärungsursache
für das Hochwasser.  Doch angesehene
Wissenschaftler, die sich mit diesem Phänomen beschäftigen, behaupten etwas
ganz Anderes. Das Hochwasser, so lautet ihre Botschaft, werde durch zufällige
Schocks verursacht, die etwa auf plötzlich auftretende Sonnenflecken oder Meteoriteneinschläge
zurückzuführen seien. Ein Modell, welches mit diesen Annahmen arbeite, liefere
nämlich eine gute Beschreibung der Realität, während der Regen als Ursache
vernachlässigt werden könne.
Die eben
beschriebene wissenschaftliche Erklärung erscheint absurd, lässt sich aber in
analoger Weise in der ökonomischen Wissenschaft beobachten. Ersetzen wir
nämlich das Wasser des Flusses durch das Bruttoinlandprodukt, die Regenfälle
durch geldpolitische Änderungen und nehmen an, dass es sich bei den
Wissenschaftlern um Ökonomen handelt, dann haben wir eine ziemlich adäquate
Beschreibung eines wesentlichen Teils der heute in Forschung und Lehre
vertretenen Makroökonomie und dies insbesondere auch bei Zentralbanken (siehe
z.B. Linde et al. 2016).

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Geringes Wachstum der Arbeitsproduktivität in der Schweiz: ein Problem?

February 9, 2016

Die Arbeitsproduktivität in der Schweiz hinkt beinahe traditionell jener in Ländern wie Belgien, Deutschland, Frankreich oder der Niederlande hinterher. Gleichzeitig liegt das BIP pro Kopf höher als in fast allen europäischen Vergleichsländern. Dieser Beitrag stellt die Frage, wie ein auf den ersten Blick unproduktives Land wie die Schweiz so wohlhabend sein kann.
Betrachten wir die wirtschaftliche Entwicklung seit Beginn der siebziger Jahre, dann weist die Schweiz im Vergleich zu anderen Industrieländern das schwächste Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität auf. Diese Tatsache hat man beim Staatssekre­tariat für Wirtschaft (SECO) vor etwa zwanzig Jahren bemerkt und daraus ein Riesenthema gemacht. Die Erhöhung der Arbeitsproduktivität ist nämlich gemäss SECO "der Pfeiler der Wachstumspolitik" (siehe z.B. SECO, 2003) Also, so lautet seither der Tenor, muss dringend etwas getan werden, um das Wachstum der Produktivität wieder an­zukurbeln. So präsentierte der Bundesrat auch zu Beginn des Jahres 2015 einen Grundlagenbericht für die "Neue Wachstumspolitik", wo die Erhöhung der Arbeitsproduktivität im Zentrum steht (Bundesrat, 2015).
Tatsächlich können Länder wie Belgien, Frankreich, die Niederlande oder Deutschland inzwischen aus einer Arbeitsstunde mehr Wertschöpfung herausholen als wir (siehe OECD Productivity Database).

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