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Die EZB ist gefangen in einer geldpolitischen Fiktion

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Nur das Inflationsziel vor Augen: EZB-Chef Mario Draghi informiert am 25. Juli 2019 über die aktuelle Zinspolitik. Foto: Ronald Wittek (Keystone) Wie Mario Draghi Ende Juli angekündigt hat, spielt die EZB mit dem Gedanken, die Zinsen in naher Zukunft nochmals zu senken. Doch welche Überlegungen stecken eigentlich hinter der aggressiven Zinssenkungspolitik der EZB? Eine genauere Analyse des Verhaltens der EZB zeigt, dass Draghi und Konsorten sich seit Jahren eine Fiktion zurechtgezimmert haben und diese als Ausgangspunkt für ihre geldpolitischen Entscheide nehmen. Diese Fiktion geht von der Doktrin aus, dass die Wirtschaft im Euroraum nur dann gut funktioniert, wenn die Inflationsrate nahe bei 2 Prozent liegt. Deshalb muss die EZB dafür sorgen, dass die Inflationsrate nicht zu stark

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Die EZB ist gefangen in einer geldpolitischen Fiktion

Nur das Inflationsziel vor Augen: EZB-Chef Mario Draghi informiert am 25. Juli 2019 über die aktuelle Zinspolitik. Foto: Ronald Wittek (Keystone)

Wie Mario Draghi Ende Juli angekündigt hat, spielt die EZB mit dem Gedanken, die Zinsen in naher Zukunft nochmals zu senken. Doch welche Überlegungen stecken eigentlich hinter der aggressiven Zinssenkungspolitik der EZB? Eine genauere Analyse des Verhaltens der EZB zeigt, dass Draghi und Konsorten sich seit Jahren eine Fiktion zurechtgezimmert haben und diese als Ausgangspunkt für ihre geldpolitischen Entscheide nehmen. Diese Fiktion geht von der Doktrin aus, dass die Wirtschaft im Euroraum nur dann gut funktioniert, wenn die Inflationsrate nahe bei 2 Prozent liegt. Deshalb muss die EZB dafür sorgen, dass die Inflationsrate nicht zu stark unterhalb oder oberhalb dieses Wertes liegt.

Liegt die Höhe der Inflation deutlich unter 2 Prozent, wie das gegenwärtig mit 1,3 Prozent der Fall ist, dann droht, so wird behauptet, das Schreckgespenst einer Deflation: Schwach wachsende oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen beziehungsweise den Konsum aufzuschieben in der Erwartung, Güter und Dienstleistungen würden in Zukunft billiger werden. Eine solche Erwartungshaltung sorge deshalb für einen Rückgang der Nachfrage und führe zu einer Rezession.

Erst wenn die Inflationsrate sich der Marke von 2 Prozent annähere, könne garantiert werden, dass solche unheilvollen Deflationserwartungen gar nicht erst aufkommen. Also müssen die Zinsen weiter gesenkt werden, damit Deflationserwartungen wieder in Inflationserwartungen umschlagen.

Inflation ist kein Garant für Wachstum

Diese Argumentation ist aber in der Realität vollkommen irrelevant. Kaum jemand ausserhalb der EZB wird ernsthaft annehmen, dass Unternehmen mehr investieren, wenn die Inflationsrate statt bei 1 Prozent bei 2 Prozent liegt. Ob Unternehmen viel oder wenig investieren, hängt in erster Linie von den Erwartungen über den zukünftigen Gang der Wirtschaft ab. Inflations- oder Deflationserwartungen spielen hingegen eine unbedeutende Nebenrolle.

Die Kausalität ist vielmehr umgekehrt. Wenn die Wirtschaft boomt, dann beginnen oftmals auch die Preise zu steigen. Aber mit erwarteten Preisanstiegen Wachstum erzeugen zu wollen, setzt eine gehörige Portion an geldpolitischer Naivität voraus.

Die seit 2014 geltenden negativen Zinsen für Einlagefazilitäten bei der EZB haben deshalb auch nicht zu mehr Krediten an Unternehmen zur Finanzierung von Investitionen geführt. Die negativen Zinsen führten stattdessen zu einer Zunahme der Hypothekarkredite. Dort spielen kleine...

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