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Unsere utopische Klimapolitik

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Von Treibhausgasneutralität bis Wachstumsstopp: Warum die formulierten Klimaziele kaum mehr etwas mit der Realität zu tun haben. Die Welt 2050: Nur noch erneuerbare Energien und keinerlei Wirtschaftswachstum? Foto: iStock Die wichtigste Botschaft meines 2019 erschienenen Buches «Der Wachstumszwang» lautet, dass heute existierende kapitalistische Wirtschaften ohne Wachstum nicht funktionieren. Und ein Wachstum des BIP wird ja in allen Ländern weiterhin angestrebt. Es stellt sich deshalb die Frage, inwieweit sich dieses Wachstum in grüne Bahnen lenken lässt. Erwünscht ist aus ökologischer Perspektive ein Wachstum, welches möglichst wenig Umweltschäden verursacht und zu keiner Erschöpfung natürlicher Ressourcen führt. Man möchte also eine Entkopplung des

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Von Treibhausgasneutralität bis Wachstumsstopp: Warum die formulierten Klimaziele kaum mehr etwas mit der Realität zu tun haben.

Unsere utopische Klimapolitik

Die Welt 2050: Nur noch erneuerbare Energien und keinerlei Wirtschaftswachstum? Foto: iStock

Die wichtigste Botschaft meines 2019 erschienenen Buches «Der Wachstumszwang» lautet, dass heute existierende kapitalistische Wirtschaften ohne Wachstum nicht funktionieren. Und ein Wachstum des BIP wird ja in allen Ländern weiterhin angestrebt. Es stellt sich deshalb die Frage, inwieweit sich dieses Wachstum in grüne Bahnen lenken lässt. Erwünscht ist aus ökologischer Perspektive ein Wachstum, welches möglichst wenig Umweltschäden verursacht und zu keiner Erschöpfung natürlicher Ressourcen führt. Man möchte also eine Entkopplung des Wirtschaftswachstums von Ressourcen- und Energieverbrauch sowie den CO2-Emissionen. Darüber besteht weitgehend Einigkeit. Eine ganz andere Frage ist aber, ob und wie dies überhaupt möglich ist.

Tatsächlich haben sich die Wirtschaften in den Industrieländern gemäss Statistiken zunehmend in diese Richtung entwickelt. In Deutschland und der Schweiz stagniert der Endenergieverbrauch in den letzten Jahren bei weiterem Wirtschaftswachstum. Und die CO2-Emissionen sind seit 1990 rückläufig. Aber das liegt auch daran, dass viele umweltschädliche Prozesse ins Ausland verlagert wurden. Addiert man in der Schweiz die durch Importgüter im Ausland verursachten Emissionen hinzu, belaufen sich die CO2-Emissionen pro Kopf auf mehr als das Doppelte. Wir müssen die Frage der Entkopplung deshalb auf globaler Ebene betrachten. Tun wir das, dann sehen wir, dass die globalen Treibhausgasemissionen weiter angestiegen sind. Allerdings hat sich das Wachstum seit der Finanzkrise 2008/09 verlangsamt, und die Wachstumsrate betrug 2010 bis 2017 noch 1,1 Prozent pro Jahr (IEA).

Aus diesen Zahlen geht somit hervor, dass auch auf globaler Ebene eine relative, aber keine absolute Entkopplung stattgefunden hat (siehe auch OECD, 2017). Um tatsächlich einen absoluten Rückgang von Verbrauch und Emissionen zu erreichen, wären also massive Anstrengungen notwendig.

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