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Neueste Artikel in der Ökonomenstimme

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Articles by Neueste Artikel Ökonomenstimme

Die Bundesbank erklärt den Geldmultiplikator für falsch und das Geld aus dem Nichts für richtig

11 days ago

Im Monatsbericht April 2017 erklärt die Bundesbank "Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess" und kommt zu dem Schluss, "dass die Kreditvergabe grundsätzlich ohne vorherige Zuflüsse von Kundeneinlagen stattfinden kann". Diese revolutionäre Einsicht wird die Universitäten zwingen, neue Lehrbücher in Makroökonomie anzuschaffen, wie dieser Beitrag zeigt.

Die Lehrbücher der Makroökonomie stehen schon seit Jahrzehnten unter Druck, da Zentralbanker, Banker und andere Finanzmarktakteure die Theorie des Geldmultiplikators und auch die Theorie der Zentralbank mit dem Instrument Geldmenge ablehnen. So steht etwa in dem Lehrbuch "Makroökonomik" von Gregory Mankiw (1993, S. 607): "Wir wollen nun davon ausgehen, dass Banken einen Teil ihrer Einlagen zur Vergabe von Krediten verwenden, z.B. an Familien, die sich ein Haus kaufen wollen, oder an Unternehmen, die in neue Gebäude oder Ausrüstungen investieren wollen". Banken sind demnach Intermediäre, die Ersparnisse in Form von Einlagen einsammeln und weiterverleihen an die, die kreditfinanziert Investitionen tätigen wollen.

Die Bundesbank sieht das in dem oben genannten Artikel grundlegend anders.

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Die Effekte von energiepolitischen Massnahmen aus Sicht der Unternehmen

11 days ago

Energiepolitik kann den Einsatz von grünen Energietechnologien stimulieren, ohne gleichzeitig die nationale oder internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu reduzieren, wie dieser Beitrag zeigt.

Das klassische Argument gegen energiepolitische Massnahmen sind die damit erwarteten höheren Produktionskosten (Anschaffung von teureren Maschinen/Fahrzeugen, höhere Wartungskosten, aufwendigeres Genehmigungsverfahren etc.) und der damit mögliche Wettbewerbsverlust der heimischen Wirtschaft.[ 1 ] Diesen höheren Kosten stehen jedoch auch potenzielle Kosteneinsparungen gegenüber, denn Marktversagen kann dazu führen, dass Unternehmen keine optimalen Entscheidungen treffen. Porter und Van der Linde (1995) argumentieren in einem viel zitierten wissenschaftlichen Artikel, dass Marktinterventionen gar zu besseren Entscheidungsergebnissen führen können. Ausgehend vom Artikel von Porter und Van der Linde (1995), werden in der ökonomischen Literatur die Effekte der Umweltpolitik in zwei Schritte unterteilt (Jaffe und Palmer 1997). In einem ersten Schritt wirkt Politik auf den Einsatz von grünen Technologien (schwache Porter-Hypothese). In einem zweiten Schritt wirkt der von der Politik ausgelöste Einsatz grüner Technologien auf die Performance der Firmen (starke Porter-Hypothese).

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Wahlumfragen: Konzeptionelle Probleme der Datenbereitstellung und Vertrauenskrise

18 days ago

Wahlumfragen liefern Orientierungshilfen vor Wahlen, so auch bei den eben erfolgten Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Sie sollen objektiv über die Erfolgsaussichten der Kandidaten Auskunft geben. Inwieweit sie diesen Anspruch erfüllen, ist jedoch zweifelhaft, wie dieser Beitrag zeigt.

Wahlen sind ein entscheidendes Instrument der Gestaltung der politischen Machtverhältnisse in Demokratien, d.h. freie und geheime Wahlen sollen den wahlberechtigten Bürgern eines Landes die Möglichkeit bieten, Parteien und Kandidaten entsprechend ihrer subjektiven Präferenzen unabhängig von der Einflussnahme anderer Akteure zu bestimmen. Soweit die Idealvorstellung einer Demokratie, die von mündigen Bürgern ihre politische Legitimation von Herrschaft über die Gesellschaft mittels Parlament und Regierung herleitet. Die Kommunikation zwischen Parteien und ihren Kandidaten mit den wahlberechtigten Bürgern ist daher ein zentrales Element der Gestaltung der politischen Machtverhältnisse einer Gesellschaft.

Wahlumfragen, die fortlaufend zu zukünftig stattfindenden Wahlen in den Medien veröffentlicht werden, liefern dabei wichtige Orientierungshilfen von potentiellen Wählern.

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Energiestrategie 2050: Implikationen für private Haushalte

19 days ago

Das Schweizer Stimmvolk entscheidet am 21. Mai 2017 über das revidierte Energiegesetz. Das Gesetz umfasst vier Bereiche: Senkung des Energieverbrauchs, Förderung der Energieeffizienz, Förderung erneuerbarer Energien und Ausstieg aus der Kernenergie. Dieser Beitrag diskutiert die entstehenden Kosten für die privaten Haushalte und zeigt, inwiefern diese durch Investitionen in Solaranlagen zum Ausbau der Solarenergie beitragen können.

Die öffentliche Diskussion um die Implementierung der Energiestrategie führt verstärkt die Kostenbelastung der Haushalte ins Feld. Dabei liegen die prognostizierten Werte mit 40 CHF bis 3‘200 CHF pro Jahr und Haushalt weit auseinander. Während die untere Schätzung nur die Zusatzkosten der geplanten Erhöhung der Netzzuschläge im Zuge der Gesetzesrevision berücksichtigt (vgl. UVEK, 2017a), ergibt sich der obere Wert durch eine Aufteilung der geschätzten Gesamtkosten der Energiewende von 200 Mia. CHF auf die Haushalte.[ 1 ] Der vorliegende Beitrag besitzt keinen Anspruch, die Gesamtkosten zu beziffern, sondern diskutiert ausschliesslich die Implikationen der erhöhten Netzbeiträge. Die Vorlage des Bundesrates sieht konkret vor, dass für die Finanzierung der Energiestrategie 2050 der Netzzuschlag[ 2 ] von derzeitig 1,5 Rp./kWh auf 2,3 Rp./kWh erhöht wird, was zu einem Subventionsvolumen von insgesamt 480 Mio. CHF/Jahr führen soll (UVEK, 2017a).

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Arbeitslosigkeit und Präsidentenwahlen in Frankreich

22 days ago

Am Sonntag wählt Frankreich einen neuen Präsidenten. Eine Analyse der französischen Präsidentschaftswahlen in den Jahren 2007, 2012 und 2017 zeigt, dass Arbeitslosigkeit eine starke Erklärungskraft für den Stimmanteil des Front National hat und auch für den Stimmanteil aller Globalisierungsgegner zusammen. Darüber hinaus tragen aktuelle und vergangene Veränderungen in der Arbeitslosigkeit dazu bei, Änderungen im Stimmanteil für den Front National bei Präsidentschaftswahlen zu erklären.

In den letzten Jahren haben populistische und oft fremdenfeindliche Parteien und Politiker große Wahlerfolge verzeichnet. Sorgen über Einwanderung und Wut gegen die Globalisierung spielten eine entscheidende Rolle für die knappe Mehrheit, die die Gegner der britischen Mitgliedschaft in der Europäischen Union im Brexit Referendum erreichten sowie bei Donald Trumps Wahl zum Präsidenten der USA. Im Allgemeinen haben populistische Parteien, welche Einwanderung, Globalisierung oder die Europäische Union und oft alle drei ablehnen in einigen europäischen Ländern große Gewinne erzielt. In der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen gewannen Kandidaten, die Globalisierung und oft sogar Frankreichs Mitgliedschaft in der Europäischen Union kritisieren, fast die Hälfte der Stimmen.

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Konjunkturanalyse: Die Sache mit der Vorratshaltung

24 days ago

Die Lager, auch bekannt als "Vorratshaltung" der Unternehmen, spielen eine wichtige Rolle im Konjunkturzyklus. Sie können im Konjunkturverlauf prozyklisch oder antizyklisch auf die Konjunkturschwankungen wirken. Die Messung der Vorratsveränderungen erweist sich in der Praxis allerdings als schwierig, wie dieser Beitrag mit Schweizer Daten zeigt.

Die Vorratshaltung ist ein wichtiger Faktor im Konjunkturzyklus.[ 1 ] Sie kann je nach Verhalten der Unternehmen die Konjunkturschwankungen dämpfen oder verstärken. Dass die Wachstumsbeiträge aus der Variablen "Vorratshaltung" beachtlich sein können, beweisen die vorliegenden Daten des SECO für das Jahr 2016. Abbildung 1 zeigt die jährlichen realen Wachstumsbeiträge der Vorratshaltung (einschliesslich statistischer Abweichungen) zum BIP der Schweiz. Im Jahr 2016 trug die "Vorratshaltung" das dritte Jahr in Folge negativ zur gesamtwirtschaftlichen Nachfrageentwicklung bei. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ist das Minus im Jahr 2016 sogar besonders ausgeprägt. Bestätigt sich die erste Schätzung des Vorratsbeitrags[ 2 ] , wäre der Wert auch im historischen Vergleich markant, in den vergangenen 20 Jahren war kein so grosser (negativer oder positiver) Beitrag der "Vorräte" zu verzeichnen.

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Der Brexit als Chance für eine nachhaltigere Ausrichtung des EU-Budgets

April 26, 2017

Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU entschwindet der zweitgrößte Zahler ins EU-Budget. Bereits beginnt das Lamento darüber, wie der Ausfall kompensiert werden soll. Stattdessen böte der "Brexit" die Chance auf eine fundamentale Reform der Strukturen von Ausgaben und Einnahmen der EU, wie dieser Beitrag zeigt.

Die Diskussion über die Implikationen des bevorstehenden Brexit für das EU-Budget im Vorfeld der anstehenden Verhandlungen über den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der EU für die Periode 2021 bis 2027 fokussiert fast ausschließlich auf einige wenige Zahlen:[ 1 ] insbesondere auf das künftige Volumen des EU-Budgets und die nationalen Beiträge, die die EU-Staaten nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs – als zweitgrößtem Zahler in das EU-Budget – aus der EU zu erwarten haben. Vor allem die zehn Nettobeitragszahlerländer scheinen sich eher gegen steigende Beitragszahlungen zu positionieren. Unmittelbar ist diese Reaktion nachvollziehbar, da es – wie eine aktuelle Schätzung von Haas/Rubio (2017) zeigt – um nicht unerhebliche Beträge geht (vgl. Tabelle 1): So hätte etwa Deutschland jährlich zusätzliche Nettobeitragszahlungen von bis zu 3.543 Millionen € zu erwarten, auf Frankreich kämen zusätzlich bis zu 1.465 Millionen € und auf Österreich bis zu 394 Millionen € hinzu.

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Die Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens durch eine Flat Tax

April 18, 2017

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ließe sich über Steuern finanzieren, wie dieser Beitrag zeigt. Dadurch ließe sich die Armut in Deutschland drastisch reduzieren. Allerdings müsste die Einkommenssteuer völlig neu gestaltet und sonstige Steuern sowie die Beiträge zur Sozialversicherung und die auf dieser Grundlage gewährten Leistungen weiterhin gezahlt werden.

Der Armutsbericht der Bundesregierung löst in Deutschland in schöner Regelmäßigkeit eine heiße Debatte darüber aus, wie man dieses soziale Problem lösen könnte. Die Debatte hat den unleugbaren Vorteil, die soziale Fantasie der tonangebenden Vertreter der Elite zu beflügeln. Ein Nachteil besteht darin, dass die Vielfalt der Konzeptionen eine Einigung verhindert und die Diskussionen darum meistens folgenlos bleiben. Eine einfache und effektive Lösung des Problems böte das bedingungslose Grundeinkommen (BGE). Über das Armutsproblem hinaus gibt es Dutzende von guten Gründen pro-BGE, aber eben mindestens auch ein ganz entscheidendes Argument dagegen: die Finanzierbarkeit. Bislang war der Autor auch dieser Meinung (Quaas/Thieme 2013). Einige Finanzierungsvorschläge kann man von vornherein aussortieren: Eine 50-prozentige Mehrwertsteuer wäre extrem unsozial und angesichts benachbarter Märkte mit geringerer Besteuerung auch nicht besonders realistisch.

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Eine deutsche Rentenbank – Ausweg aus der Zahlungsbilanzkrise?

March 22, 2017

Die Target-Forderungen der Deutschen Bundesbank haben im Januar mit 800 Mrd. Euro ein neues Allzeit-Hoch erreicht. Doch Anlass für eine öffentliche Debatte war dieser klare Hinweis auf das Zahlungsbilanzungleichgewicht in Europa nicht. Dieser Beitrag beleuchtet einen bereits in der Vergangenheit aus verschiedenen Richtungen vorgebrachten Lösungsansatz der Ungleichgewichte in Europa neu und entwickelt ihn weiter.

Das Grundprinzip der Zahlungsbilanzmechanik, dass Überschüsse in der Leistungsbilanz über die Kapitalbilanz (Kapitalexporte) oder Devisenbilanz (Gold- und Devisenimporte) ausgeglichen werden (LB-Defizite vice versa) und die Summe dieser Bilanzen die Zahlungsbilanz (ZB) ergibt, wird hier nicht näher erläutert. Die ZB ist ex definitione immer ausgeglichen. Trotzdem ist im Folgenden immer dann von ZB-Ungleichgewichten die Rede, wenn der ZB-Ausgleich eines Landes nur durch strukturellen Auf- oder Abbau von Gold-, Devisen- oder Target-Positionen der Notenbank möglich war.
Zahlungsbilanzungleichgewichte in der deutschen Geschichte
In der Wirtschaftsgeschichte wurden Zahlungsbilanzungleichgewichte meist über Gold oder Devisentransfers zwischen den beteiligten Notenbanken ausgeglichen.

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Wirtschaftspolitik und der Aufstieg des Populismus – So einfach ist es nicht!

March 16, 2017

Populisten und populistische Parteien dominieren die politische Agenda und die Schlagzeilen in vielen westlichen Industriestaaten. Doch wovon sprechen wir überhaupt bei Populismus und was kann getan werden, um seinen weiteren Aufstieg aufzuhalten? Dieser Beitrag macht eine Auslegeordnung.

Eine Welle des Populismus fegt über Europa und Nordamerika hinweg.[ 1 ] Das Jahr 2016 hielt gleich zwei außergewöhnliche Wahlergebnisse bereit: Erstens, in Form des Brexits am 24. Juni; und zweitens, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Die Kräfte der Offenheit, Toleranz, Vielfalt, Multikulturalität und Globalisierung wurden von dieser Welle erschüttert, überfordert und versuchen vergeblich, sie zu begreifen.

Der Brexit und die Wahl Trumps sind lediglich angelsächsische Manifestationen eines europaweiten Phänomens. In Frankreich wird Marine le Pen vom Front National bei der Präsidentschaftswahl 2017 wahrscheinlich sehr gut abschneiden und hat sogar Chancen auf einen Wahlsieg, während Geert Wilders Freiheitspartei (Partij voor de Vrijheid – PVV) in den Niederlanden mit einem Anti-Islam Programm und EU-Austrittsforderungen weitere Wählerstimmen für sich gewinnen konnte. In Italien hat die Lega Nord durch ihre migrationsfeindliche Haltung wieder an Relevanz gewonnen, während die 5-Sterne Bewegung auf der linken Seite des politischen Spektrums zunehmend einflussreicher wird.

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Immigration und Flüchtlingskrise: Ist Europa der Herausforderung gewachsen?

March 14, 2017

Der Migrationsdruck auf Europa hat zwar etwas nachgelassen, doch er wird auch in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit hoch bleiben. Die massive Immigration schürt Ängste und treibt viele Wähler in die Hände von Populisten. Umso wichtiger ist eine stärkere europäische Kooperation in der Flüchtlingspolitik, wie dieser Beitrag zeigt.

Unruhen im Nahen Osten und Nordafrika führen zu einer großflächigen Vertreibung der dortigen Bevölkerung in Nachbarländer und zu Flüchtlingsströmen nach Europa.[ 1 ] Dies wird in Abbildung 1 veranschaulicht.

Abbildung 1: Asylerstanträge

Obwohl diverse Maßnahmen den Zustrom von Flüchtlingen im Jahr 2016 in die EU ein Stück weit eindämmten, bleiben die zugrundeliegenden Probleme bestehen und es besteht aus humanitären Gründen weiterhin Migrationsdruck nach Europa.

Die Anzahl der vertriebenen Menschen ist enorm und zeugt von schwerem menschlichem Leid. Bedauerlicherweise sind großflächige Vertreibungen von Menschen aufgrund von Kriegen und Naturkatastrophen regelmäßig in verschiedensten Teilen der Welt zu beobachten. Im europäischen Kontext ist hier der Bosnienkonflikt in den 1990er Jahren zu nennen. Aktuell scheint die Situation jedoch eine andere zu sein. Der Konflikt in Bosnien folgte dem Fall des Eisernen Vorhangs und wurde allgemein für ein europäisches Dilemma gehalten.

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Die Prägung politischer Einstellungen durch das Fernsehen – Evidenz aus Ostdeutschland

March 10, 2017

Haben freie Medien im Hinblick auf die politischen Einstellungen und das Wahlverhalten einen Einfluss? Ja, wie dieser Beitrag anhand eines Vergleichs von ostdeutschen Gemeinden, die vor der Wiedervereinigung keinen Zugang zu Westfernsehen hatten, mit jenen Gemeinden, in denen Westfernsehen empfangbar war, zeig. Die Stimmenanteile sowohl links- als auch rechtsextremer Parteien bei den Wahlen ist seit der Wiedervereinigung bei ersteren signifikant höher. Gleichzeitig ist die Wahlbeteiligung in Gemeinden ohne Westfernsehempfang deutlich geringer.
Einleitung
Medieninhalte werden von totalitären Regimen manipuliert, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen.[ 1 ] Die Einschränkungen der Pressefreiheit und die Zensur der medialen Berichterstattung in Nordkorea, China und der Türkei sind Beispiele hierfür. Auch in demokratischen Ländern wird den Medien ein großer Einfluss auf die öffentliche Meinung zugeschrieben. Die Bedeutung sog. „Fake News“ für das Erstarken populistischer Bewegungen und Parteien in westlichen Demokratien wird in der aktuellen Diskussion als gravierend eingeschätzt. Während es in obigen Beispielen vor allem um den kontemporären Zusammenhang zwischen Medieninhalten und der öffentlichen Meinung geht, fokussieren wir langfristige Effekte medialer Inhalte auf politische Einstellungen.

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Großbritannien und der EUexit – Das Volk gegen die EU

March 10, 2017

Der Brexit steht symptomatisch für das Unbehagen vieler BürgerInnen gegenüber der EU. Allerdings bietet er auch eine Chance, die EU weiterzuentwickeln, wie dieser Beitrag zeigt.

Die meisten Interpretationen, einschließlich des bis heute besten politischen Narrativs dafür warum das Vereinigte Königreich für den Brexit gestimmt hat, schreiben das Ergebnis des britischen Referendums britischen Besonderheiten und Eigenarten zu.[ 1 ] Dazu zählen eine seit langem bestehende Ambivalenz gegenüber der EU, interne Streitigkeiten der regierenden Conservative Party und der Zerfall der Labour Party (Shipman, 2016). Aber ist der Brexit auch symptomatisch für ein grundlegendes Problem der EU? Ist er nur eine Manifestation des europaweiten populistischen Aufbegehrens? Wenn ja, wie sollte damit umgegangen werden?

Skepsis oder Feindseligkeit gegenüber der EU lässt sich in den meisten EU-Staaten finden, wobei das Vereinigte Königreich besonders euroskeptisch ist (vgl.  Abbildung 1). Personen, die sich selbst zu den höheren sozialen Schichten zählen, halten in den meisten Ländern die EU-Mitgliedschaft eher für etwas Positives als ihre weniger privilegierten Mitmenschen. Dies gilt jedoch nicht im Vereinigten Königreich, wo sich der Brexit schon 2015 im Eurobarometer klar abzeichnete. Auch in Italien und Polen zeigen sich leicht abweichende Ergebnisse.

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Sollten Infrastrukturinvestitionen Teil eines Konjunkturprogramms sein?

March 10, 2017

Infrastrukturinvestitionen waren ein Hauptbestandteil der in der Rezession von 2009 verabschiedeten Konjunkturprogramme. Es ist jedoch bis heute unklar, ob Infrastrukturinvestitionen tatsächlich geeignet sind, kurzfristig Arbeitsplätze zu schaffen. Infrastrukturprojekte haben lange Planungs- und Bauphasen, weshalb Arbeitnehmer möglicherweise erst eingestellt werden, wenn die Rezession schon lange vorbei ist. Dieser Beitrag zeigt, dass ein gut konzipiertes Infrastrukturinvestitionsprogramm die Arbeitslosigkeit schnell und kostengünstig senken kann.

In der jüngsten Krise von 2008/09 waren Investitionen in Infrastruktur ein wesentlicher Bestandteil von Konjunkturprogrammen weltweit. Zum Beispiel wurden im Rahmen des US-amerikanischen Konjunkturprogramms $105 Mrd. in neue Straßen und die Renovierung von Gebäuden investiert. Das deutsche Konjunkturpaket II sah insgesamt €13,3 Mrd.  für neue Infrastrukturprojekte vor.

Jedoch diskutierten damals viele Experten, ob Infrastrukturinvestitionen tatsächlich ein wirksames Instrument antizyklischer Fiskalpolitik sein können oder ob das Geld nicht lieber in Steuersenkungen fließen sollte (Becker, 2009, Summers, 2008). Die Befürworter argumentierten, dass Investitionen in die Infrastruktur eine doppelte Dividende schaffen: Sie generieren direkt neue Arbeitsplätze und erhöhen gleichzeitig das zukünftige Wachstumspotential der Ökonomie.

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Zwischen Hoffnungsträger und Spielverderber: Der Beitrag von Dienstleistungen zum Produktivitäts­wachstum

March 3, 2017

Auf was ist das geringe Produktivitätswachstum in den Industrieländern der letzten Jahrzehnte zurückzuführen? Handelt es sich dabei um ein reines statistisches Artefakt? Keineswegs, wie dieser Artikel zeigt. Und aufgrund des zunehmenden Anteils von produktivitätsschwachen Dienstleistungssektoren an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung dürften sich die niedrigeren Produktivitätswachstumsraten fortsetzen.[ 1 ]

In den entwickelten Volkswirtschaften der Welt ist die Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität seit den 1970er Jahren tendenziell rückläufig.[ 2 ] Über die Ursachen des sich abschwächenden Produktivitätsfortschritts und mögliche Gegenmaßnahmen wurden seitdem zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, die aber bislang noch zu keinem eindeutigen Ergebnis geführt haben. Dienstleistungen stehen auf der Liste der möglichen Faktoren weit oben. Aufgrund ihres relativ geringen Produktivitätswachstums in Verbindung mit ihrem gleichzeitig wachsenden Wert­schöpfungs­anteil gelten sie einerseits als „Spielverderber“ für den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt. Andererseits werden in wachsendem Maße gerade in Dienstleistungen große Hoffnungen für eine Wiederbelebung des allgemeinen Produktivitätswachstums gesetzt.

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Das Niedrigzinsumfeld vergrößert die Schere zwischen Arm und Reich

March 1, 2017

Niedrige Sparzinsen sind nicht zwingend schlecht für das Geldvermögen. Entscheidend ist, wie dieses insgesamt angelegt ist. Hier zeigen sich große Unterschiede zwischen "Arm" und "Reich". Tendenziell verschlechtern sich niedrige relativ zu hohen Einkommen aufgrund ihrer Vermögensstruktur und der geringeren Flexibilität ihres Finanzvermögens, wie dieser Beitrag zeigt.

Verluste der Sparer infolge der Niedrigzinspolitik sind in aller Munde, die Nominalzinsen insbesondere auf Bankeinlagen sind auf einem historisch niedrigen Niveau. Aber diese Verluste können zum Teil durch eine rückläufige Inflation und damit steigende Kaufkraft kompensiert werden. Außerdem, und bisher wenig beachtet, können niedrigere Sparzinsen durch höhere Erträge auf andere Anlagen oder niedrigere Kreditzinsen ausgeglichen werden. Die Zusammensetzung des Geldvermögens und der Verbindlichkeiten entscheidet, wer gewinnt oder verliert. Tendenziell verschlechtern sich niedrige relativ zu hohen Einkommen aufgrund ihrer Vermögensstruktur und der geringeren Flexibilität ihres Finanzvermögens. Unter der Annahme einer gegebenen Vermögensstruktur des Jahres 2010/2011 ist die durchschnittliche reale Rendite des Netto-Finanzvermögens seit Ende 2008 bei den 10 Prozent Reichsten gestiegen, während sie bei den 20 Prozent Ärmsten gesunken ist.

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Firmen – Die Gewinner der Personenfreizügigkeit

February 27, 2017

Viele Unternehmer in der Schweiz sagen, dass die Personenfreizügigkeit für den Erfolg ihres Unternehmens zentral sei. Doch hat die Personenfreizügigkeit die Firmen tatsächlich grösser, produktiver und innovativer gemacht? Ja, wie dieser Beitrag zeigt: Die Firmen wurden grösser und innovativer, einige wurden auch produktiver. Sie entschieden sich aufgrund der Personenfreizügigkeit sogar, vermehrt in der Schweiz zu produzieren.

Fast drei Jahre nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative (MEI) hat das Schweizer Parlament den "Inländervorrang light" beschlossen. Künftig müssen Firmen den regionalen Arbeitsämtern offene Stellen melden, die Berufe betreffen, in denen es viele ansässige Arbeitslose gibt. Eine entscheidende Frage bei der Diskussion zur Umsetzung der MEI war, welchen Einfluss die Wiedereinführung von Zuwanderungsbeschränkungen auf die Firmen in der Schweiz hätte. Aussagen von Schweizer Firmen suggerieren, dass diese Auswirkungen erheblich wären. In einer Umfrage von BAK Basel meint die Hälfte aller Firmen, dass europäische Fachkräfte für den Erfolg der Firma wichtig sind; ein Viertel der Unternehmen ist sogar überzeugt, dass Arbeitskräfte aus der EU für ihren Erfolg unersetzlich sind.

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Selbstanzeigen bei Steuerhinterziehung – eine gute Idee?

February 23, 2017

Selbstanzeigen ermöglichen es Steuerflüchtigen, ihre Steuern nachträglich zu entrichten; dabei bleiben sie entweder ganz straffrei oder müssen nur mit deutlich gesenkten Strafen rechnen. Dieser Beitrag nutzt Daten aus Deutschland und den USA, um die Vor- und Nachteile von steuerlichen Selbstanzeigen zu untersuchen. Es zeigt sich, dass die Möglichkeit zur Selbstanzeige zwar die Bereitschaft zur Steuerhinterziehung erhöht, aber gleichzeitig die Verwaltungskosten der Steuerbehörden deutlich senkt.

Zwischen 2010 und 2013 wurden in Deutschland über 67.000 Selbstanzeigen wegen Steuerhinterziehung abgegeben. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern können reuige Steuersünder Selbstanzeigen abgeben: Österreich, Kanada, Norwegen und Schweden bieten beispielsweise die Möglichkeit einer straffreien Selbstanzeige; in anderen Ländern werden stark reduzierte Strafen angewandt. Einige Länder, wie z.B. die USA, Frankreich oder Griechenland, haben in den letzten Jahren Selbstanzeigenprogramme eingeführt. Insgesamt bieten fast alle entwickelten Länder die Möglichkeit zur einer strafmindernden oder straffreien steuerlichen Selbstanzeige.
Vorteil von Selbstanzeigen
Sollte ein Staat Steuersündern die Möglichkeit zur Selbstanzeige geben? Ziel der entsprechenden Programme ist, das Steueraufkommen zu erhöhen.

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Konzentration der Innovationstätigkeit in Deutschland nimmt zu

February 21, 2017

Seit Jahren weisen die Investitionen in Innovationen und Forschung und Entwicklung (FuE) in Deutschland einen ansteigenden Trend auf. Mit 157,4 Milliarden Euro in 2015 sind sie auf ein Rekordniveau gestiegen. Gleichzeitig verteilen sich die Innovationsausgaben auf immer weniger Akteure. Die Innovatorenquote, also der Anteil der Unternehmen, die überhaupt in Innovationen investieren, sinkt stetig. Dadurch steigt die Ungleichheit in der Innovationstätigkeit deutscher Unternehmen. Dieser Beitrag diskutiert mögliche Gründe für diese Entwicklung.

Die Ausgaben für die Entwicklung und Einführung innovativer Produkte, Dienstleistungen und Prozesse nehmen weltweit zu. Laut dem EU Industrial R&D Scoreboard stiegen die FuE-Ausgaben der hundert forschungsstärksten Unternehmen von 198,4 im Jahr 2003 auf 269,4 in 2015 (+86 Prozent). Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft um 59 Prozent. Rund ein Drittel der Unternehmen in Deutschland messen der Einführung neuer oder verbesserter Produkte und Dienstleistungen eine hohe Bedeutung für die Umsetzung ihrer Unternehmensziele bei. Gleichzeitig scheinen jedoch immer mehr Unternehmen den Anschluss an diese Entwicklung zu verlieren. Der Anteil der Unternehmen, die überhaupt in FuE und Innovationen investieren, nimmt stetig ab. Im Jahr 2003 betrug die Innovatorenquote, d.h.

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Steueroasen gegen den Rest der Welt

February 16, 2017

Steueroasen vermindern den globalen Steuerertag und schaden damit vor allem den ärmeren Ländern, wie dieser Beitrag zeigt.

In verschiedenen Ländern sind die Unternehmenssteuersätze im freien Fall. So ist in Australien gerade ein weitreichende Senkung aufgegleist, Donald Trump und Theresa May haben ihre Absicht erklärt, die USA und das Vereinigte Königreich entsprechend zu positionieren, und am 12. Februar 2017 wurde in der Schweiz über eine von Regierung und Parlament beschlossene "Unternehmenssteuerreform III" abgestimmt. Auf Druck des Auslands sollten anstößige Privilegien für im Ausland erzielte Gewinn durch (noch nicht) "verpönte" ersetzt und dazu die Unternehmenssteuersätze generell gesenkt werden, um das durch die Privilegien generierte ausländische Steuersubstrat in der Schweiz zu halten. In den letzten Wochen hat das Thema hier hohe Wellen geschlagen. Die Stimmbevölkerung hat die Vorlage letztlich mit knapp 60% abgelehnt, vor allem wohl, weil hohe Steuerausfälle befürchtet wurden.

In der Debatte ging aber fast völlig unter, dass die bestehenden und mit der beabsichtigten Reform angepassten Steuerprivilegien deshalb international "verpönt" sind, weil sie dem Rest der Welt Steuereinnahmen für dort ausgeübte Wirtschaftsaktivitäten vorenthalten.

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Arbeitsmarktwirkungen von Lohnspreizung: Höhere Ungleichheit schadet

February 15, 2017

Die Frage nach der Wirkung von Ungleichheit ist theoretisch nicht direkt beantwortbar. So könnte Ungleichheit die Anreize und damit den Arbeitsmarkt stärken oder die Entwicklungsmöglichkeiten der Geringverdiener, etwa in der Bildung, behindern. Dieser Beitrag zeigt, dass die seit den 1990er Jahren gestiegene Lohnungleichheit in Deutschland der Beschäftigung und der Produktivität geschadet hat.

Seit den 1990er Jahren haben sich nicht nur über lange Zeit die Reallöhne in Deutschland schwach entwickelt, ebenso nahm die Lohnungleichheit deutlich zu. Vor diesem Hintergrund wurde auch die Debatte um die Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns geführt. Gründe für die Entwicklung werden unter anderem in der Globalisierung, dem technologischen Wandel und der sinkenden Tarifabdeckung gesehen.

Die Zahlen zur Arbeitslosigkeit und Beschäftigung zeigen über die vergangenen zwölf Jahre einen kräftigen Arbeitsmarktaufschwung in Deutschland. Im Zeichen größerer Arbeitskräfteknappheit steigen die Löhne mittlerweile wieder stärker. Auch der Trend bei der Lohnungleichheit ist gebrochen, seit einigen Jahren geht sie wieder etwas zurück (vgl. Weber 2015, 2016, Möller 2016). Abbildung 1 zeigt diese Entwicklung anhand des Gini-Koeffizienten, des bekanntesten Ungleichheitsmaßes (vgl. Infokasten 1).

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War was? – Eine Replik zur Mindestlohndebatte

February 8, 2017

Karl Brenke hat in seinem Beitrag War was? Zwei Jahre gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland darauf hingewiesen, dass die Mindestlohn-Einführung keine negativen (auch keine positiven) Effekte hatte. An dieser Stelle folgt eine Replik von Fank Westermann, der argumentiert, dass es für eine Entwarnung noch zu früh ist.

Die Einführung des Mindestlohns in Deutschland im Januar 2015 ist aus wissenschaftlicher Sicht eines der interessantesten natürlichen Experimente der Bundesrepublik. Kaum ein Thema hat die wirtschaftspolitische Diskussion so geprägt und die Volkswirte an Universitäten und Forschungsinstituten mit Gutachten und Expertisen beschäftigt.

Eine der besten Prognosen zur Auswirkung des Mindestlohns auf die Beschäftigung stammte z.B. von Thum und Ragnitz (2007) vom ifo Dresden. Auf Basis der Daten des statistischen Bundesamtes sowie einer Literatur-Analyse zu Schätzungen der Arbeitsnachfrageelastizität nahmen sie eine Überschlagsrechnung vor, die zunächst für die jeweiligen Lohnstufen die prozentuale Änderung der Löhne berechnete und anschließend, über alle Lohnstufen aggregiert, eine Abschätzung der Verluste an Arbeitsplätzen vornahm. Die Ergebnisse lagen – je nach Höhe des Mindestlohns – in einem Bereich von ca. 360.000 bis zu 1.9 Millionen Arbeitsplätzen.

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Die Finanzkraft von Zentralbanken im internationalen Vergleich

February 1, 2017

Die Finanzen von Zentralbanken und insbesondere jene der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gerieten in jüngster Vergangenheit vermehrt in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 bescherte der SNB einen Buchverlust, der das Eigenkapital deutlich schmelzen liess. Andere Zentralbanken haben eine lange Historie von negativem Eigenkapital. Doch wie definiert sich die Finanzkraft von Zentralbanken und wie steht die Schweiz im internationalen Kontext da? Dieser Beitrag gibt eine Orientierungshilfe.

Im Zusammenhang mit der expansiven Geldpolitik vieler Zentralbanken wird immer mehr über die Rolle und Bedeutung des Eigenkapitals debattiert. Im Zuge der Finanzkrise sah sich SNB-Präsident Thomas Jordan im September 2011 veranlasst, ein Grundsatzreferat zur Frage "Braucht die Schweizerische Nationalbank Eigenkapital?" zu halten. Die Frage spitzte sich im Januar 2015 weiter zu, als die Schweizerische Nationalbank nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses über Nacht rund 50 Milliarden Franken Buchverluste in Kauf nehmen musste. Abbildung 1 zeigt auf, dass die wechselkursabhängigen Fremdwährungsengagements der SNB zu grossen Schwankungen des Eigenkapitals führten. Dabei korreliert das Eigenkapital stark mit dem CHF/EUR Wechselkurs (r = 0,62).

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War was? Zwei Jahre gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland

January 27, 2017

Die geplante Einführung des gesetzlichen Mindestlohns hatte in Deutschland zu heftigen Diskussionen geführt. Zwei Jahre nach der Einführung lässt sich festhalten: Passiert ist bisher nicht viel, weder in positiver noch in negativer Hinsicht.

Vor zwei Jahren wurde in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn eingeführt. Die Reform war heiß umstritten. Ihre Gegner befürchteten Arbeitsplatzverluste in großem Umfang. Ihre Befürworter wollten den vermeintlich immer mehr ausufernden Niedriglohnsektor zurückdrängen und mit "sozial gerechten" Löhnen dafür sorgen, dass die Arbeitsentgelte für den Lebensunterhalt ausreichen, so dass nicht mehr aufstockenden Sozialleistungen bezogen werden müssen. Wenngleich der Mindestlohn mittlerweile nicht mehr im Vordergrund des wirtschaftspolitischen öffentlichen Interesses steht, bietet es sich dennoch an zu prüfen, was aus den mit der Reform verbundenen Erwartungen geworden ist.

Was die Beschäftigungseffekte anbelangt, kann sich die Untersuchung lediglich auf einschlägige Zeitreihen der amtlichen Statistik stützen. Individualdaten von Arbeitgebern über deren personalpolitische Reaktionen auf die Reform sind leider nicht verfügbar. Die amtlichen Statistiken zeigen saisonbereinigt einen Bruch bei der Entwicklung der Zahl derjenigen Personen, die ausschließlich einem Mini-Job nachgehen.

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Verlierer(-regionen) der Globalisierung in Deutschland: Wer? Warum? Was tun?

January 16, 2017

Die Globalisierung hat starken Gegenwind, wie die jüngsten Wahlen und Abstimmungen weltweit zeigen. Meist wird dabei Globalisierung undifferenziert als Globalbegriff für alle negativen wirtschaftlichen Entwicklungen verwendet. Die Schwierigkeit besteht darin, deren Effekte auf einzelne Regionen genauer zu bestimmen. Dieser Beitrag untersucht am Beispiel Deutschland (alte Bundesländer), welche Regionen von der Globalisierung profitiert haben und welche negativ betroffen sind.

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und die Brexit-Entscheidung in Großbritannien weisen ein klares gemeinsames Muster auf.[ 1 ] Entscheidend war in beiden Fällen das Votum der Globalisierungsverlierer außerhalb der urbanen Zentren. Die Welt starrt nun gebannt auf die nächsten Wahlen. Zuerst die Präsidentschaftswahl in Frankreich und auch die deutsche Bundestagswahl ist nicht mehr allzu fern. Wird sich das Muster dort wiederholen? Wird sich auch hier die globalisierungsfeindliche Provinz gegen die kosmopolitischen Metropolen durchsetzen und kommt die Ära des freien Welthandels damit zu einem jähen Ende?

Diese Fragen sind eng verknüpft mit den regionalen Arbeitsmarkteffekten des Außenhandels. In diesem Beitrag untersuchen wir, wer hierzulande die Gewinner- und Verliererregionen sind und ob Deutschland anders von der Globalisierung betroffen war als andere Länder.

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Bevölkerungsalterung und Staatsverschuldung

January 13, 2017

Es besteht Einigkeit darüber, dass sich die Bevölkerungsalterung massiv auf die Staatsverschuldung der industrialisierten Staaten auswirken wird. Allerdings hat die ökonomische Zunft der Frage, inwiefern sich die Bevölkerungsalterung schon heute auf die Staatsverschuldung auswirkt, bislang relativ wenig Beachtung geschenkt. Dieser Beitrag zeigt, dass es bisher keine Anzeichen für einen Einfluss der Bevölkerungsalterung auf die Staatsverschuldung gibt, was freilich nicht bedeutet, dass dies so bleiben wird.
Die demographische Herausforderung
Die Bevölkerungsalterung ist eine der größten Herausforderungen, die absehbar auf die Industrienationen zukommt. Sie alle leiden unter einer massiven Alterung der Bevölkerung (Abbildung 1), die sich aus steigender Lebenserwartung, noch mehr aber aus fallenden Geburtenraten ergibt (Weil, 2006; Birg, 2015). Sie profitieren derzeit aufgrund niedriger Gesamtlastquoten noch von einer Atempause (Weil, 1997). Hieraus resultiert eine demographische Dividende, solange wenig Junge nachkommen, die Babyboomer-Generation aber noch Teil der Erwerbsbevölkerung ist. Sobald sie jedoch aus dem Erwerbsleben ausscheidet, werden die Folgen der Bevölkerungsalterung für die öffentlichen Haushalte sicht- und spürbar werden.

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Finanzmarktentwicklung zum Nutzen von Entwicklungsländern

January 10, 2017

Die Liberalisierung der Finanzmärkte ist seit der Finanzkrise 2007/2008 in Misskredit geraten. Entwicklungsländer hängen allerdings erheblich vom Zugang zu entwickelten Finanzmärkten ab, um ihren enormen Bedarf an Finanzierung für Investitionen zu decken.

Die Deregulierung der Finanzmärkte gilt vielfach als Hauptursache für den Ausbruch der Finanzkrise. Darüber wird manchmal übersehen, welch wichtige Rolle entwickelte Finanzmärkte für die Wirtschaft zu spielen haben, ganz besonders für die armen Länder, um deren Entwicklung zu unterstützen. Die dringend benötigten Investitionen in diesen Ländern erfordern viel Kapital – gut ausgebaute Finanzmärkte können helfen, diesen Kapitalbedarf zu decken.

Generell brauchen Finanzmärkte Tiefe, Zugang, Effizienz und Stabilität, um die ökonomische Entwicklung wirkungsvoll unterstützen zu können (Weltbank 2016): Tiefe bedeutet, dass Finanzmärkte und Finanzinstitutionen eine ausreichende Größe aufweisen.  Zugang bezieht sich auf das Ausmaß, in welchem die Wirtschaftssubjekte Finanzdienstleistungen nutzen können und auch tatsächlich nutzen. Effizienz heißt, dass Finanzinstitutionen in der Lage sind, Finanzmittel erfolgreich zu vermitteln und Finanztransaktionen zu erleichtern. Und Stabilität bezieht sich auf eine geringe Volatilität der Finanzmärkte und eine hohe Krisenfestigkeit der Institutionen.

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Schrumpfende Städte in Deutschland: Ursachen und Strategien zur Bewältigung der Probleme

December 30, 2016

Die weltweite voranschreitende Urbanisierung täuscht darüber hinweg, dass in Europa und insbesondere in Deutschland viele Städte schrumpfen. Doch Schrumpfen ist nicht gleich Schrumpfen, wie dieser Beitrag zeigt.

Auf globaler Ebene ist zu beobachten, dass die Urbanisierung mehr und mehr voranschreitet. Dennoch leidet weltweit rund jede sechste Stadt – in Europa sogar jede dritte – unter Bevölkerungsverlust. Es gibt viele Ursachen, die hierzu beitragen: Neben rein demographischen Aspekten, wie der Alterung der Bevölkerung, einer niedrigen Fertilitätsrate oder einer zu geringen Einwanderung, sind auch der Trend zur Suburbanisierung, die stetig voranschreitenden post-industriellen Transformationsprozesse oder auch Kriege sowie Naturkatastrophen zu benennen. Alle diese Veränderungen und Probleme ziehen gravierende Konsequenzen nach sich, die dazu führen, dass sich die betroffenen Städte einer (kostspieligen) Unterauslastung ihrer Infrastruktur und dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit von lokal ansässigen Unternehmen gegenübersehen.

In der wissenschaftlichen Diskussion wird in vielen Fällen der Bevölkerungsrückgang als einziger Indikator für schrumpfende Städte herangezogen (vgl. Rink et al. 2012 oder Hospers 2014).

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Open Science: Das neue Gold von Wissenschaft sind Forschungsdaten

December 16, 2016
oko

Daten sind das Gold der empirischen Ökonomik. Doch wird dieses Gold richtig gelagert? Das ZBW-Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft ist an verschiedenen Initiativen beteiligt, um Forschungsdaten im Sinne der "Open Science" zur Verfügung zu stellen.
Forschungsdaten sind aktuell das zentrale Thema in der bundesdeutschen Wissenschaftspolitik zum Thema digitaler Wandel. So fordert beispielsweise der Rat für Informationsinfrastrukturen in seinem Positionspapier "Leistung aus Vielfalt" niedrigschwellige Services für Wissenschaftler, vernetzte Infrastrukturen für Forschungsdaten sowie Forschung zu den sich wandelnden Realitäten im Wissenschaftssystem. Während andernorts noch an weiteren Stellungnahmen und Empfehlungen gearbeitet wird, befasst sich die ZBW bereits jetzt ganz konkret mit der Umsetzung von Forschungsdaten-Projekten.

1 Niedrigschwellige Services für Wirtschaftswissenschaft­ler/innen
Die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft hat bereits 2014 gemeinsam mit anderen Partnern einen Wegweiser zu Forschungsdaten in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften erstellt: "Auffinden. Zitieren. Dokumentieren". Der Ratgeber ist mit über 6.000 Downloads eine populäre Handreichung für Ökonomen – speziell für den wirtschaftswissenschaftlichen Nachwuchs – wenn es um den Umgang mit Forschungsdaten geht.

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Die Nebenwirkungen der expansiven Geldpolitik nehmen zu

December 7, 2016

Das Eurosystem kauft seit mehr als einem Jahr Staatspapiere der Mitgliedsstaaten. Während die Wirkung auf die Inflation weitgehend ausgeblieben ist, nehmen die Nebenwirkungen zu. Dieser Artikel illustriert anhand der zunehmenden Kapitalflucht innerhalb und außerhalb Europas die damit verbundenen Risiken.

Seit September 2015 kauft die Europäische Zentralbank Staatspapiere der Mitgliedsstaaten. Parallel verfolgt sie schon seit 2009 eine Vollzuteilungspolitik, bei der die Banken für hinterlegte Sicherheiten in beliebiger Höhe Kredite bei der Zentralbank aufnehmen können. Sie stellt den Märkten damit Liquidität zu Verfügung, um das Finanzsystem zu stabilisieren und Deflationsgefahren vorzubeugen.

Doch leider kommt das Geld noch immer nicht dort an, wo es gebraucht wird. Dies wird deutlich, wenn man die aktuelle Entwicklung der TARGET2-Salden betrachtet, die den Teil der Liquidität messen, der für Transaktionen mit dem Ausland verwendet wird. Hans-Werner Sinn und Timo Wollmerhäuser vom Münchner ifo Institut wiesen bereits vor 5 Jahren auf diese Salden hin und interpretierten die explosive Entwicklung in 2011/12 als Zeichen einer innereuropäischen Zahlungsbilanzkrise.
Innereuropäische Kapitalflucht
Sollte z.B.

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