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Clemens Schneider

Clemens Schneider

Clemens Schneider, born in 1980, co-founded the educational project „Agora“ Summer Academy and the blog „Offene Grenzen“ („Open Borders“). From 2011 to 2014 he held a scholarship by the Friedrich Naumann Foundation and held responsible positions there organizing several seminars and conferences. He is active as blogger and speaker and is in constant contact with the young members of the pro-liberty movement.

Articles by Clemens Schneider

Äxte an der freien Gesellschaft

13 days ago

Photo: Wikimedia Commons (CC 0)
Denkmäler fallen. Für die einen die längst überfällige Bereinigungsmaßnahme, für andere geschichtsvergessener Vandalismus. Für alle könnte es allerdings ein guter Anlass sein, über unser Geschichtsverständnis nachzudenken. Was dabei herauskommt, schmeckt womöglich beiden Seiten nicht.
„Große Männer sind fast immer schlechte Männer.“
Heldenverehrung ist ein Problem. Der Historiker Lord Acton formulierte einmal: „Große Männer sind fast immer schlechte Männer.“ Wenn man lange genug gräbt, wird man eben nicht nur bei Leuten wie Karl dem Großen, Gustav Adolf und Metternich biographische Aspekte finden, die höchst problematisch sind. Auch bei Adenauer, Kennedy und Thatcher hat man schon mancherlei „Schmutzeleien“ ausmachen können. Machtpositionen haben meist nicht

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Europa ausnüchtern

May 22, 2020

Photo: Wikimedia Commons (CC 0)
Es ächzt und knirscht wieder im europäischen Gebälk. Die EU-Kommission und der deutsch-französische „Motor“ versuchen zu stabilisieren, wo es nur geht. Eine wichtige Stellschraube ist aber die Frage, wie wir über Europa sprechen und welche Erwartungen wir wecken. Da kann vieles gehörig schief gehen.
Das „Wir“ aus dem Nichts
Am Anfang stand die Französische Revolution. Bis dahin war man Bewohner des elsässischen Weisseburch gewesen und Untertan des französischen Königs. Man verkaufte seine Töpferwaren an der neugegründeten Residenz des Landgrafen von Hessen-Darmstadt in Pirmasens, zog zur Weinlese durchs Vorderösterreichische in das Gebiet der Freien Reichstadt Offenburg und bezog Stoffe vom Markt im badischen Karlsruhe, die dort über den Rhein aus Flandern

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Kurs halten für die Freiheit

April 24, 2020

Photo: ClemRutter from Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
In so turbulenten Zeiten, wie wir sie derzeit erleben, braucht man zum Navigieren unbedingt einen Kompass. Je dichter der Nebel und je unruhiger die See, umso wichtiger ist es, Kurs zu halten. Sieben Anregungen aus sieben Jahrzehnten Bundesrepublik. Leider ist im Augenblick jede einzelne dieser Selbstverständlichkeiten unter Beschuss.
Ordnungspolitik: Regeln gegen Willkür
Ludwig Erhard, Walter Eucken, Franz Böhm – diese Namen stehen für ein fundamentales Prinzip, das unser Land und zumindest in Teilen auch die Europäische Union geprägt hat – mit durchschlagendem Erfolg. Diese Väter unseres Wirtschaftsmodells waren abgestoßen von der Kungelei zwischen Staat und Unternehmen in den 20er Jahren. Und sie ließen sich nicht überzeugen von

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Solidarität – ein Begriff wird rehabilitiert

March 27, 2020

Photo: Victória Kubiaki from Unsplash (CC 0)
Solidarität ist im politischen Diskurs zu einem blutleeren Füllwort geworden, das in den meisten Fällen nur genutzt wird, um Wahlversprechen für Sondergruppen aufzuhübschen. Die derzeitige Krise kann vielleicht dazu beitragen, dass der Begriff wieder mit Leben gefüllt wird – wieder sein menschliches Antlitz bekommt.
Von wegen Entfremdung und Werteverfall
Solidarrente, Solidaritätszuschlag, Solidarisches Grundeinkommen … Kaum ein Politikbereich ist sicher davor, irgendwo noch das schmückende Beiwort Solidarität verpasst zu bekommen. Von der Finanz- über die Flüchtlings- bis zur Klimakrise wurde jeder Hilferuf und jeder Lösungsvorschlag mit diesem Begriff garniert. Und natürlich ist er auch in der Rhetorik dieser Tage wieder zu finden. Rainer Hank

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Wohlstand kann man nicht herbeizaubern

February 28, 2020

Photo: Wikimedia Commons (CC 0)
Strukturelle Probleme in der EU sollen wieder mit Geld zugeschüttet werden bis sie verschwinden. Diese Taktik aus der mittelalterlichen Alchemie bringt aber nichts. Wer den Menschen vor Ort wirklich helfen will, muss auf andere Mittel zurückgreifen. Dafür gibt es gute Beispiele.
Die Schwäbische Hausfrau und ihre Tochter
1,1 Billion Euro. Das ist die ungefähre Höhe des EU-Budgets für 2021 bis 2027, über die gerade verhandelt wird. Die Zahl klingt vollkommen unvorstellbar. Auch wenn sie etwas an Dramatik verliert, wenn man herunterbricht, was das für jeden EU-Bürger pro Tag bedeutet: nämlich einen Euro. Die Antagonisten im Kampf haben sich freilich tief eingebuddelt in ihre Verteidigungslinien. Dänemark, Niederlande, Österreich und Schweden stemmen sich mit

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Wo sind Erhards Prinzipien geblieben?

February 7, 2020

Photo: Eric Koch/Anefo from Wikimedia Commons (CC 0)
Wie steht es eigentlich um die Ordnungspolitik in Deutschland? Also eine Politik, die Rahmen setzt und nicht direkt in die Wirtschaftsabläufe eingreift. Walter Eucken und die Freiburger Schule stehen dafür, was die theoretischen Grundlagen betrifft. Eucken und seine Mitstreiter glaubten an die Marktwirtschaft und den Wettbewerb als Entdeckungsverfahren. Um dies zu gewährleisten schuf Eucken eine Ordnungsarchitektur, die er „Interdependenzen der Ordnung“ nannte. Es ging ihm darum, wirtschaftliche Macht durch Wettbewerb zu begrenzen. Euckens Sorge war, dass die Machtkonzentration in der Wirtschaft sonst die Politik zum Negativen verändert. Die einzige Macht, die Eucken akzeptierte, war die Macht des Konsumenten. Darin kommt Euckens

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Von der Jurisdiktion zur Juris-Fiktion

January 31, 2020

Photo: Wikimedia Commons (CC 0)
Viele westliche Demokratien haben in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Stärkung der Rolle der Judikative in politischen Fragen gesehen. Gerichte sprechen nicht mehr nur Recht, sie machen es auch – sie betreiben Juris-Fiktion. Dieser Trend droht, unser politisches System zu destabilisieren.
Die Abwicklung der Aufklärung
Jonathan Sumption ist ein klassischer und sehr sympathischer Vertreter der britischen Oberschicht: Mitglied der Conservative Party, Star-Anwalt, Richter am Obersten Gerichtshof und außerdem Autor eines fünfbändigen Standard-Werkes über den 100jährigen Krieg. Von ihm liegt jetzt ein kleines, höchst lesenswertes Büchlein vor unter dem Titel „Trials of the State – Law and the Decline of Politics“. Der Mann weiß, wovon er spricht. Und sein

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Diskursvergifter sind immer nur die anderen

January 3, 2020

Photo: Andre Hunter from Unsplash (CC 0)
Das Weihnachtsloch füllte sich schnell mit dem Lied von der Oma-Umweltsau, das der WDR uns unter den Weihnachtsbaum legte. Der Vorfall und die Reaktionen sind symptomatisch für die Glashaus-Arroganz einer Gruppe von Intellektuellen, die unfähig scheint, das Gefühl der eigenen moralischen Überlegenheit zu hinterfragen.
Im Angesicht der Unfehlbarkeit
Der WDR-Intendant Tom Buhrow hat recht: „In unserem Land ist etwas richtig krank“. Dass inzwischen Mord-Drohungen gegen die Macher des Umweltsau-Liedes ergehen, ist nicht zuletzt angesichts von Attentaten und tatsächlichen Morden an Amtspersonen, Leuten des „Establishments“, ein Alarmsignal Stufe Rot. Diese Straftaten sind das eine – und ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Das andere ist die massive

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Unser Potemkinsches Bildungssystem

November 29, 2019

Photo: William Murphy from Flickr (CC BY-SA 2.0)
Das Ziel von Bildung sollte eigentlich sein, Menschen dazu zu bringen, ihre Fähigkeiten und Leidenschaften bestmöglich entfalten und ausleben zu können. Ein Zertifikate-Fetisch und die Vergleichbarkeits-Ideologie führen dazu, dass genau das nicht erreicht wird.
Wenig Glanz in Deutschlands Lehranstalten
Die Berichte über Drittklässler, die kaum einen einfachen Satz zu Papier bringen können, häufen sich. Gerade macht ein Buch der österreichischen Pädagogin Doris Unzeitig Furore, die für einige Jahre versucht hatte, eine Berliner Grundschule auf Vordermann zu bringen. Die Berichte in dem Buch ähneln denen aus anderen Teilen des Landes. Und auch am anderen Ende der Bildungsbiographien findet man verzweifelte Erzählungen: Kurse, in denen keiner

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Als die Geschichte zu Ende ging

November 8, 2019

Photo: Werdersen from Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Das Ende der Geschichte, das 1989 angekündigt wurde, ist noch nicht gekommen. Und doch haben die Ereignisse damals die Welt zu einem sehr viel besseren Ort gemacht und uns gezeigt, was auf dem Weg dahin wichtig ist.
Jeans, Biermann, Punk und Kirchen haben die Mauer zu Fall gebracht
Als Francis Fukuyama im Sommer 1989 vom „Ende der Geschichte“ schrieb, musste er viel Prügel einstecken für seine vorgeblich blauäugige Darstellung. Die einen wiesen darauf hin, dass mit dem Ende des Kalten Krieges der Ausbruch des viel dramatischeren „Kampfes der Kulturen“ erst bevorstehe. Andere hielten seine Darstellung der Marktwirtschaft und der liberalen Demokratie für zu unkritisch. Und wieder andere wollten später in Ereignissen wie dem 11. September

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Wie sich der Bürger zum Ampelmann macht

October 18, 2019

Photo: patricia m from Flickr (CC BY-SA 2.0)
Paternalismus ist in demokratischen Staaten nicht unbedingt ein Instrument der Obrigkeit, um die Untertanen zu kontrollieren, sondern oft freiwillig gewählte Selbstbeschränkung. Dieses Phänomen ist mitunter gefährlicher für die Freiheit als der Versuch, eine Gesellschaft von oben zu ordnen.
Verbraucherschutz als PR-Gag
Nestlé hat schon im Juni beschlossen, dass sie mit dem System Nutri-Score eine Kennzeichnung ihrer Lebensmittel einführen werden, die es Verbrauchern auf einen raschen Blick ermöglicht, festzustellen, welchen Wert das Produkt für ihre Ernährung hat. Jetzt hat auch Ministerin Julia Klöckner den Weg frei gemacht für eine Verordnung, die das System in Deutschland einführen soll. Weder der Ernährungsgigant aus der Schweiz noch die

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Der Markt: die humane Art der Problemlösung

September 27, 2019

Photo: Atlas Network from Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Von steigenden Mieten bis zu steigenden Meeresspiegeln: überall erschallt laut der Ruf nach dem Eingriff der Politik. Der Ökonom James M. Buchanan, der am kommenden Donnerstag 100 Jahre alt geworden wäre, hat gezeigt, wie gefährlich romantische Vorstellungen über die Fähigkeiten und Integrität der Politik sind.
Abendland, Welt? Hauptsache Untergang!
„Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum – wie könnt ihr es wagen?“ In den emotionalen Worten der jungen Frau, für die sich gerade alle Welt interessiert, findet sich eine uralte Vorstellung davon, wie zerstörerisch Märkte, das Ökonomische, die Profitmaximierung

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Das Gift der Nostalgie

September 6, 2019

Photo: Wikimedia Commons (CC 0)
Für viele Ostdeutsche ist die Vergangenheit wieder ein Sehnsuchtsort. Die polnischen und griechischen Regierungen haben den Zweiten Weltkrieg wiederentdeckt. Und Kaisers Ururenkel möchte gern dessen Luxus-Bude in Potsdam zurückhaben. Dieser Blick zurück kann schnell zerstörerisch werden.
Instrumentalisierte Geschichte
Der Fall Hohenzollern ist in seiner Absurdität bereits von vielen ausreichend kommentiert worden. Hinter dem vielleicht legalen, aber eher nicht legitimen, Anspruch auf den Besitz der Urahnen sowie dem auf die Deutungshoheit über die mit der Landesgeschichte doch weitgehend identische Familiengeschichte liegt ein tieferes Phänomen. Letztlich ist es mangelndes Selbstbewusstsein. Wer als Architektin ein schönes neues Haus entwirft, als

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Kühle Köpfe fürs Klima

July 26, 2019

Photo: Tambako The Jaguar from Flickr (CC BY-ND 2.0)
Symbolpolitik hat noch selten zur Lösung eines Problems beigetragen. Auch bei der Suche nach Antworten auf die drängende Klimafrage muss gelten: es geht darum, das Ziel zu erreichen, nicht die Überlegenheit der eigenen Rechtschaffenheit zu demonstrieren.
„Aber ich hab es doch gut gemeint!“
Seit einigen Jahren verbreitet sich die Idee des „Effektiven Altruismus“. Derzeit geistert sie noch vorwiegend in philosophischen Kreisen herum und an einigen Universitäten, doch findet man inzwischen auch in der ein oder anderen Zeitung einen Beitrag dazu. Wenn dann das Morgen-Fernsehen mal etwas dazu sendet, könnte das Konzept realistische Chancen auf einen Durchbruch haben … Eines der Hauptargumente dieser Bewegung ist das berühmte Diktum „Gut

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Mit Werbeverboten zurück in die geordnete Gesellschaft

July 5, 2019

Photo: Bernd Schwabe in Hannover from Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Die Kanzlerin hat gesprochen. Sie ist „persönlich der Meinung“, dass es ein absolutes Werbeverbot für Tabak geben solle. Wer meint, es gehe dabei nur um die bösen Krankmacher, der irrt: zur Disposition steht auch das Verhältnis zwischen Bürger und Staat.
Mit postfaktischer Politik in die schöne neue Welt
Die Liste an Gründen, die sich gegen ein Tabakwerbeverbot anführen lassen, ist lang: ganz vorne gehört sicherlich dazu die Fragen nach der Mündigkeit des Verbrauchers und der Freiheit des Unternehmertums. Und wie so häufig bei staatlichen Eingriffen wird auch gar nicht erst groß nach Evidenz und Empirie geschaut, sondern man gibt sich damit zufrieden, dass man sich etwas ausgedacht hat, das sich schön ins Schaufenster

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Der selbstbestimmte Bürger muss mehr Wolf als Schaf sein

June 14, 2019

Photo: M L from Unsplash (CC 0)
Die politische Linke hat sich über die Zeit dem konservativen Menschenbild angepasst: Viele von ihnen glauben, dass der Einzelne kurzsichtig und eigensüchtig sei, weshalb es der ordnenden Hand des Staates bedürfe. Wenn sich Pessimismus und politischer Gestaltungswille treffen, wird es eng für die Sache der Freiheit.
Steuern, Verbote, Bürokratie? Das ist fortschrittliche Politik!
Der Niedergang der Sozialdemokratie in Deutschland und weltweit hat wilde Debatten losgetreten: Sollte man den „dänischen Weg“ gehen und gesellschaftspolitisch einen deutlichen Rechts-Schwenk vollziehen? Sollte das Thema Umwelt stärker auf die Agenda, um die grüne Konkurrenz einzudämmen? Oder doch lieber Industriepolitik? Eine Ausweitung des Wohlfahrtsstaates, um die Scharte der

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Dieser Artikel handelt nicht von Europa

May 24, 2019

Photo: Wikimedia Commons (CC 0)
Allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz haben die Parteien den Europawahlkampf wieder einmal so anregend gestaltet wie das Fernsehprogramm des Saarländischen Rundfunks um 4 Uhr morgens. Darum wenden wir uns doch lieber einer Wurzel des deutschen Dauerproblems Etatismus zu.
Eisen und Blut statt Demokratie und Zivilgesellschaft
Das 19. Jahrhundert war eine Hoch-Zeit der Selbstorganisation. Grundgelegt wurde das schon in den Jahrhunderten zuvor: Indem die Städte und das Bürgertum zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung gewannen, hatten Sie ihre Selbstverwaltung immer effektiver gegenüber den Feudalherren durchsetzen können. Etwas ähnliches geschah in einer zweiten Phase der Befreiung, als mit der Industriellen Revolution Handwerker und Arbeiter an Gewicht

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Wegmarken für den Marathon des Liberalismus

May 3, 2019

Photo: Uwe Häntsch from Flickr (CC BY-SA 2.0)
Bezogen auf meinen letzten Newsletter-Beitrag „Der Liberalismus muss wieder Marathon laufen lernen“, der am 23. April auch in der „Welt“ veröffentlicht wurde, gab es zahlreiche Rückmeldungen, wie die Erneuerung des Liberalismus denn konkret aussehen könnte. Deshalb sollen an dieser Stelle drei Beispiele angeführt werden.
Die vielleicht wichtigste Eigenschaft, die der Liberalismus von seinen Freunden fordert, ist die Bereitschaft, loszulassen – daran muss sich auch liberale Tagespolitik orientieren. „Wir müssen ins Unbekannte, ins Unsichere und ins Ungewisse weiterschreiten“, formulierte Karl Popper.
Liberale Politik: der Verzicht darauf, gestalten zu wollen
Bei Friedrich August von Hayek liest sich die Forderung so: „Der Mensch ist nicht Herr

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Der Liberalismus muss wieder Marathon laufen lernen

April 12, 2019

Photo: Andrea Leopardi from Unsplash (CC 0)
Das Problem des Liberalismus? Friedrich August von Hayek brachte es vor 70 Jahren auf den Punkt: „Nachdem die wesentlichen Forderungen des liberalen Programms erfüllt waren, vernachlässigten die liberalen Denker die Fortbildung der philosophischen Grundlagen; der Liberalismus hörte damit auf, ein lebendiges Problem zu sein, das zu geistiger Arbeit reizte.“
Erlösung von der Mühsal der Selbstverantwortung
Die Zahl der ideologischen Großprojekte, die derzeit weltweit in Angriff genommen werden, ist bemerkenswert. Nach den pragmatischen 90er Jahren und ihrem gemütlich desinteressierten Optimismus haben linke und rechte Kräfte ideologisch ordentlich aufgerüstet – flankiert durch islamistischen Terrorismus, Finanzkrise und Flucht und Migration. „Yes,

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Goliath im 21. Jahrhundert

March 15, 2019

Photo: Wikimedia Commons (CC 0)
Viele Ökonomen haben bereits darauf hingewiesen, dass die derzeit wieder beliebte Industriepolitik unsinnig, ja gefährlich ist. Neben den wirtschaftlichen Schäden gibt es aber auch politische und gesellschaftliche, die man nicht aus dem Blick verlieren sollte.
Die Kollektivismus-Epidemie ist zurück
Alles muss groß werden: Amerika, China, Europa, Brasilien … Die Kommunikation in diesen Tagen erinnert an das 19. Jahrhundert, als von Japan über Griechenland bis Großbritannien die Vorstellung einer starken Nation ins Zentrum des politischen Diskurses rückte. Der Bauer aus der Gegend von Metz und der Teppichhändler aus Nis mussten sich plötzlich als Franzosen und Serben begreifen, obwohl sie besser Deutsch oder Bulgarisch sprachen und mit Paris oder Belgrad

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Eliten-Moral statt Moral-Eliten

February 22, 2019

Photo: re:publica from Flickr (CC BY-SA 2.0)
Das Framing-Gutachten für die ARD, der Fall Relotius – die Medien scheinen außer Rand und Band. Wenn das Sendungsbewusstsein mit der Elite durchgeht, untergräbt sie langfristig den Zusammenhalt in einer Gesellschaft.
Eliten sind Teil der arbeitsteiligen Gesellschaft
Vorweg ein Lob der Eliten. Der Begriff ist unschön, aber das Phänomen, das er beschreibt, ist durchaus sinnvoll. Das liegt daran, dass wir in unserer modernen Zivilisation nach dem Prinzip der Arbeitsteilung arbeiten. Wenn wir ein köstliches Stück Torte haben wollen, gehen wir zum Konditor. Bei den anschließenden Zahnschmerzen suchen wir die Zahnärztin auf. Wenn unsere Badewanne leckt, rufen wir den Klempner. Und die Kosten dafür rechnet unsere Steuerberaterin aus unserer Steuerlast

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Wir sind die Guten

February 19, 2019

Photo: Stop TTIP (CC BY-SA 2.0)
Als 2014 die Energiewende stockt, weil keiner einen Strommast im Garten haben will, schreibt das Wirtschaftsministerium einen „Bürgerdialog Stromnetz“ aus, der Abhilfe schaffen soll. Gesprächstherapie als Schmiermittel für das Jahrhundertprojekt. Den Zuschlag bekommen die Hirschen Group, IKU GmbH und die DUH Umweltschutz-Service GmbH. 2,8 Millionen Euro pro Jahr. So viel fließt laut einer Sprecherin der DUH in das Projekt.
Im gleichen Jahr holt sich der neue Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen Staatssekretär: Rainer Baake. Was war dessen vorherige Aufgabe, von 2006 bis 2012? Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und zugleich Geschäftsführer der DUH Umweltschutz-Service GmbH. Und davor war er von 1998 bis 2005 Staatssekretär im

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NGOs sind automatisch die Guten? So einfach ist die Welt nicht

February 19, 2019

Photo: Stop TTIP (CC BY-SA 2.0)
Als 2014 die Energiewende stockt, weil keiner einen Strommast im Garten haben will, schreibt das Wirtschaftsministerium einen „Bürgerdialog Stromnetz“ aus, der Abhilfe schaffen soll. Gesprächstherapie als Schmiermittel für das Jahrhundertprojekt. Den Zuschlag bekommen die Hirschen Group, IKU GmbH und die DUH Umweltschutz-Service GmbH. 2,8 Millionen Euro pro Jahr. So viel fließt laut einer Sprecherin der DUH in das Projekt.
Im gleichen Jahr holt sich der neue Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen Staatssekretär: Rainer Baake. Was war dessen vorherige Aufgabe, von 2006 bis 2012? Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und zugleich Geschäftsführer der DUH Umweltschutz-Service GmbH. Und davor war er von 1998 bis 2005 Staatssekretär im

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Das Prinzip Panik

February 1, 2019

Photo: Kristopher Roller from Unsplash (CC 0)
Unsere Zivilisation lebt davon, dass es sehr viele Menschen gibt, die diese Welt zu einem besseren Ort machen wollen. Manche wählen dazu freilich Mittel, die mehr dem eigenen Ruhm nutzen als der Lösung. Das schlimmste unter diesen Mittel ist die Panik.
Panik entmenschlicht
„Ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“ – Mit dieser Aussage hat die junge Schwedin Greta Thunberg hochemotionale Debatten in der halben Welt angefacht. Greta hat Respekt verdient: sie setzt sich mit Leidenschaft und Engagement für eine Sache ein. Man wünscht sich, dass viele junge Menschen so viel Enthusiasmus mitbrächten. Irritierend ist freilich ihre Wortwahl. In was für einer Welt leben wir,

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Interview: „Pegida-Rhetorik – nur von der anderen Seite“

February 1, 2019

Dieses Interview erschien erstmals auf der Website der Wirtschaftswoche am 31.1.2019. Es wurde parallel zu einem Bericht über Kritik an NGOs geführt, der auch in der Print-Ausgabe vom 1.2.2019 erschienen ist. Das Interview führte Volker ter Haseborg.
Herr Schneider, Ihr Prometheus-Institut hat gerade eine Art NGO-Watch gestartet. Unter ngo.observer listen Sie auf, wieviel Geld etwa die Deutsche Umwelthilfe, der BUND oder Peta einnehmen und welche Kritik es an diesen Organisationen gibt. Warum tun Sie das?
NGOs genießen großes Vertrauen in der Bevölkerung, haben einen Nimbus als selbstlose und konstruktive Helfer. Allerdings haben wir eine Verschärfung des Diskurses in Deutschland festgestellt: Die Art und Weise, wie einige NGOs kommunizieren, ist nicht mehr angemessen.
Haben Sie Beispiele

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Was sagt die Beliebtheit von Privatschulen über unser Bildungssystem?

January 11, 2019

Die Zahl der Privatschulen ist in Deutschland in den letzten 25 Jahren von 3.232 auf 5.839 gestiegen, 9 Prozent aller Schüler besuchen hierzulande solche Schulen. Die Politik sollte einsehen, dass dies ein Misstrauensvotum gegen staatlich organisierte Bildung ist und den Rückzug antreten.
Ungleichheit durch Wettbewerbsverzerrung
DIW, die Zeit und der Spiegel deuten diesen Trend wenig überraschend als Ergebnis zunehmender sozialer Segregation. Und – noch weniger überraschend: die Ebert-Stiftung stellt in einer Studie fest, dass es keinen Unterschied zwischen den schulischen Leistungen an öffentlichen und privaten Schulen gibt. Mit derlei vorgefertigten Urteilen verschließt man sich den möglichen Chancen eines solchen Wandels, der ja

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Bildung ist nicht käuflich

December 14, 2018

Weil Bildung eine so zentrale Rolle im Leben des Menschen spielt, ist der Wunsch weit verbreitet, sie für alle möglichst gut zu organisieren. Das Problem ist, dass es sich dabei um höchst individuelle und persönliche Prozesse handelt, bei denen zentrale Fernsteuerung oft mehr schadet als nutzt.
Die Statistik-Illusion
Anna geht auf ein Gymnasium in NRW und Alex auf eines in Thüringen. Unter Berücksichtigung aller Statistiken müsste Anna sehr viel schlechter dran sein als Alex: NRW belegte 2015 den letzten Platz bei Bildungsausgaben und den vorletzten beim Bildungsmonitor, Thüringen hingegen belegt in beiden Kategorien den zweiten Platz. Freilich kommt in diesen Zahlen nicht zum Ausdruck, dass Annas Akademiker-Eltern genug verdienen, um

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Am Anfang der freiheitlichen Ordnung steht der Multilateralismus

November 23, 2018

Auch wer weder ein Freund des Migrationspaktes ist noch der WTO, wer weder die EU schätzt noch begeisterter Anhänger der WHO ist, sollte sich klar machen: Die derzeitige Abkehr vom Multilateralismus ist das Gegenteil von einem Befreiungsakt, auch wenn das Protektionisten und Nationalisten so darstellen.
Der Preis der Souveränität ist hoch
Beispiel Freihandel: Nachdem spätestens seit zwei Jahren die Doha-Runde als gescheitert gilt, haben sich viele Industrienationen und Schwellenländer wieder stärker dem Abschluss bi- und plurilateraler Abkommen gewidmet. TTIP, CETA und JEFTA sind die prominentesten Beispiele dafür, das Scheitern eines globalen Handelsabkommens durch Einzelabkommen auszugleichen. So erfreulich diese Aktivitäten sind –

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NGOs: Lauter weiße Ritter?

November 9, 2018

Von Prof. Dr. Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Leipzig und Mitglied des Kuratoriums von Prometheus, und Clemens Schneider.
Zivilgesellschaftliche Akteure tragen wesentlich dazu bei, die freiheitliche Ordnung unseres Landes mit Leben zu füllen. Damit stehen sie aber auch in einer besonderen Verantwortung. Dies gilt besonders für jene, die sich mit Fragen aus dem unmittelbaren Wirkungsbereich des Staates beschäftigen, die Nichtregierungsorganisationen (NGO).
Viele dieser NGOs leisten wertvolle Arbeit: sie bieten eine Plattform für Engagement, ermöglichen effektive Hilfe vor Ort, schaffen Aufmerksamkeit für gemeinsamen Handlungsbedarf und stellen sicher, dass Unterstützung auch dort ankommt,

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Der Staat muss sich steuerehrlich machen

November 2, 2018

Die Transparenz und Rechenschaftspflicht, die der Staat vom Bürger fordert, sollte er selber umso mehr vorleben. Eine Möglichkeit wäre, dass man deutlicher erkennen kann, wieviel Steuern man im täglichen Leben so zahlt.
Was das Preisschild verheimlicht
Wenn Sie ein Päckchen Butter für 2,19 € kaufen, zahlen Sie 15 Cent an Vater Staat. Und das ist nur die Mehrwertsteuer. Darüber hinaus haben der Produzent, die Zwischenhändler und der Supermarkt noch eine ganze Reihe anderer Steuern in diesen Preis hineingerechnet: Von der Gewerbesteuer, die der Milchbauer entrichtet, über die Stromsteuer, die der Zwischenhändler für den Betrieb seiner Kühlhäuser zahlt, bis zur Lohnsteuer, die der Supermarkt-Besitzer für seine Angestellten abführt.
Und

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