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Eine Europäische Fußball-Superliga aus sportökonomischer Sicht

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In letzter Zeit häufen sich Berichte über eine geplante europäische Fussball-"Superliga". Dieser Beitrag untersucht die Debatte unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten mit einer Kosten-Nutzen-Analyse einer Teilnahme aus Sicht des FC Bayern München.[ 1 ] Ökonomische Analyse Laut der Enthüllungsplattform „Football Leaks“ und diversen Medienberichten nehmen die Planungen für diese „Superliga“ im europäischen Profifußball immer konkretere Züge an.[ 2 ] Nach Informationen des Spiegel sollen 16 Fußballklubs – aus Deutschland der FC Bayern München sowie Borussia Dortmund – diesbezüglich eine Absichtserklärung unterzeichnet haben. Nach bisherigen Informationen soll die Liga rein privatwirtschaftlich organisiert werden, was eine Umgehung der UEFA als Dachorganisation und zwangsläufig eine

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Florian Follert considers the following as important:

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In letzter Zeit häufen sich Berichte über eine geplante europäische Fussball-"Superliga". Dieser Beitrag untersucht die Debatte unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten mit einer Kosten-Nutzen-Analyse einer Teilnahme aus Sicht des FC Bayern München.[ 1 ]

Ökonomische Analyse

Laut der Enthüllungsplattform „Football Leaks“ und diversen Medienberichten nehmen die Planungen für diese „Superliga“ im europäischen Profifußball immer konkretere Züge an.[ 2 ] Nach Informationen des Spiegel sollen 16 Fußballklubs – aus Deutschland der FC Bayern München sowie Borussia Dortmund – diesbezüglich eine Absichtserklärung unterzeichnet haben. Nach bisherigen Informationen soll die Liga rein privatwirtschaftlich organisiert werden, was eine Umgehung der UEFA als Dachorganisation und zwangsläufig eine Aushebelung des Monopols der UEFA auf europäischer Ebene zur Folge hätte. Die Auswirkungen auf die Champions League als bisherige „Königsklasse“ des europäischen Vereinsfußballs sind nicht abzusehen, allerdings dürfte ein Fortbestehen des Wettbewerbs in der jetzigen Form ausgeschlossen sein.

Wenngleich Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG) beteuert, dass die Bayern zu ihrer Mitgliedschaft in der Fußball-Bundesliga und zu den europäischen Wettbewerben der UEFA stehen,[ 3 ] lohnt das Gedankenspiel, die Vor- und Nachteile einer Superliga abzuwägen.

Aus ökonomischer Sicht wird der FC Bayern München die Bundesliga zugunsten einer „Superliga“ nur dann verlassen, wenn der erwartete Nutzen dieser Handlung die korrespondierenden Kosten übersteigt.[ 4 ] Der FC Bayern München wird folglich als Nutzenmaximierer charakterisiert. Aufgrund der Erklärung Rummenigges zur Loyalität mit der Bundesliga, wird hier die Annahme getroffen, dass das Entscheidungskalkül auch die Kosten berücksichtigt, welche der Liga und dem Konsumenten des „Produkts“ Fußball entstehen, wenn der FC Bayern München die Bundesliga verlässt. Dies dürfte dann den Regelungen des deutschen Aktiengesetzes entsprechen, wonach der Vorstand einer AG in erster Linie den Aktionären verpflichtet ist, sofern sich durch etwaige Reputationsverluste in Zukunft höhere Kosten für die Aktiengesellschaft ergäben[ 5 ] . Dieses Verhalten entspricht im Übrigen der angenommenen Nutzenmaximierung, lassen sich doch die Berücksichtigung von Interessengruppen oder moralisches Handeln in das ökonomische Verhaltensmodell integrieren,[ 6 ] denn auch soziale Anerkennung stiftet dem Individuum einen Nutzen.[ 7 ] Zudem wird vereinfachend angenommen, dass ein Ausstieg aus der Bundesliga vertragsrechtlich problemlos möglich ist.

Der erwartete Nutzen

Aus Sicht des FC Bayern München kann durch den Einstieg in eine „Superliga“ ein breiterer Einkommensstrom generiert werden als dies bei Verbleib in der Bundesliga möglich wäre. Durch attraktivere Gegner wird nahezu jedes Spiel zu einem Spitzenspiel. Nimmt man eine entsprechende Nachfrage nach internationalem Spitzenfußball bei den Konsumenten an, führt dieses neue Angebot c.p. zu höheren Einnahmen auf Seiten des FC Bayern München durch Fernsehgelder und Kartenpreise. Bereits hier wird deutlich, dass die Anhänger des Fußballs ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Faktor im Entscheidungskalkül der Verantwortlichen sein werden. Ohne eine entsprechende Nachfrage nach dem Produkt „Fußball“ lassen sich keine Einzahlungen generieren und keinem der Beteiligten entsteht ein Nutzen. Die Zahlungsbereitschaft für Spitzenfußball ist demnach die entscheidende Determinante im Kalkül.[ 8 ] Auch im Vergleich zu den europäischen Wettbewerben, welche durch die UEFA organisiert werden, lassen sich durch die private Organisation und Vermarktung einer „Superliga“ höhere Einzahlungen generieren als unter dem Monopol des europäischen Fußballverbands.[ 9 ] Der ökonomische Effekt[ 10 ] dürfte daher eines der Hauptargumente für die Verantwortlichen des Vereins sein, sich konkrete Gedanken über die neue Liga zu machen. Sie setzen damit voraus, dass es eine entsprechende Nachfrage nach dieser „Superliga“ und ihren Spielen gibt und weiterhin, dass diese Liga im Wesentlichen komplementär zur bisherigen Fußballbundesliga ist, zumindest, dass sie durch die Liga mehr neue Einkommensströme generieren können als sie in der Fußballbundesliga verlieren (Opportunitätskosten). Dabei kann die UEFA nur „im Spiel“ als Organisator einer „Superliga“ bleiben, wenn sie die „Superliga“ zu konkurrenzlos günstigen Kosten für die teilnehmenden Vereine organisiert und ihre Rechte an dieser Liga im Verhältnis zu teilnehmenden Vereinen weitgehend freiwillig reduziert.

Ein Nutzen kann aber auch auf Seiten der Fans ausgemacht werden: Durch die neue Spielklasse könnte dem Konsumenten hochklassiger Vereinsfußball auf internationalem Niveau an 34 Spieltagen im Jahr geboten werden. Da auch die nationalen Ligen bestehen bleiben, steigt das Angebot an Fußball. Aus sportpolitischer Perspektive ist ebenfalls ein Nutzen aus der Entscheidung erkennbar. Der FC Bayern München stellt einen Großteil der deutschen Nationalspieler. Durch die Einführung einer europäischen Spitzenliga ergäbe sich für diese Nationalspieler die Möglichkeit, Woche für Woche gegen internationale Spitzenspieler anzutreten, sodass angenommen werden kann, dass auch die Nationalmannschaft in sportlicher Hinsicht von dieser Niveausteigerung profitieren könnte. Ein weiteres Argument für den Einstieg in eine neue Liga kann darin gesehen werden, dass sich der Wettbewerb innerhalb der Bundesliga verschärfen würde. Die Dominanz des FC Bayern München wird oftmals zum Anlass genommen, der Bundesliga eine gewisse Langeweile zu unterstellen. Hinsichtlich der Produktion internationalen Spitzenfußballs – das werden auch Anhänger anderer Vereine einräumen können – besteht im deutschen Fußball eine Monopoltendenz. Aus Monopolen resultiert per definitionem eine Einschränkung des Wettbewerbs. Dies kann auch in der Fußball-Bundesliga bezogen auf die deutsche Meisterschaft beobachtet werden, was von Anhängern oftmals kritisiert wird. Ähnliche Monopolisierungstendenzen sind auch in anderen europäischen Ligen, bspw. in Frankreich oder Italien erkennbar. Der Titelkampf dürfte wesentlich ausgeglichener und abwechslungsreicher werden, sofern der FC Bayern München die Bundesliga verlassen würde, was zu einer größeren Spannung und letztlich zu einer höheren Zufriedenheit bei den Konsumenten führen könnte.

Die erwarteten Kosten

Allerdings stehen diesen Nutzen auch Kosten gegenüber. Ein Einstieg in eine „Superliga“ könnte dem FC Bayern München in seiner Außenwirkung schaden, da bei den Konsumenten des Fußballs der ohnehin bestehende Eindruck einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der sich der Klub aus München einer europäischen Elite eher zugehörig fühlt als der deutschen Bundesliga, noch verstärkt werden könnte. Dies könnte zu einer Entfremdung von den Fans führen.[ 11 ] Zudem können Kosten auf Seiten der Bundesliga befürchtet werden: Der FC Bayern München ist ein Publikumsmagnet. Dies führt dazu, dass die Mannschaft aus München auch für die übrigen Bundesligavereine einen Wert besitzt, da das heimische Stadion auch bei kleineren Vereinen mit geringerer Nachfrage auf Seiten der Konsumenten mindestens bei einem Spiel pro Saison ausverkauft sein wird, wenngleich die Siegchancen der Heimmannschaft eher gering sind.[ 12 ] Zudem interessieren sich viele Anhänger gerade aus dem Grund für die Bundesliga, weil die Bayern internationale Spitzenspieler in ihren Reihen halten, was zu einem besonderen Interesse der Zuschauer und Medien führt. Dieses Merkmal der Bundesliga würde freilich entfallen, was zu Kosten auf Seiten der anderen Vereine führen könnte. Es ist denkbar, dass die Verhandlungsposition gegenüber Fernsehsendern oder Sponsoren durch den Rückzug des Ligaprimus geschwächt würde. Auf Seiten der Fußballanhänger dürfte ferner negativ zu Buche stehen, dass die geplanten Spiele der „Superliga“ wohl zum Teil unter der Woche stattfänden und die Reiseentfernungen deutlich größer sein würden als in der Bundesliga, was bislang nur für die vergleichsweise wenigen Spiele in europäischen Wettbewerben der Fall ist. Somit würde das Angebot an „Bayern-Fußball“ für den Konsumenten künstlich verknappt, da die Restriktionen sich veränderten und die Hürden, ein Spiel des Lieblingsvereins zu sehen, sich erhöhten. Nicht zuletzt würde eine Superliga die Champions League verwässern, möglich wäre sogar ihr Aus. Allenfalls würde sie zu einem Wettbewerb zweiter Klasse verkommen, was die Anreizwirkung für die übrigen Vereine mindert.

Unternehmerische Entscheidung unter Unsicherheit

Letztlich liegt die Entscheidung, ob der FC Bayern München in eine europäische Liga einsteigt – und zu welchen Konditionen – beim Vorstand der FC Bayern München AG und ist eine individuelle unternehmerische Entscheidung, die von außen nur schwer beurteilt werden kann. Tendenziell dürften aus sportökonomischer Sicht insbesondere die ökonomischen Vorteile überwiegen. Allerdings sind zukünftige unternehmerische Entscheidungen stets der Unsicherheit unterworfen,[ 13 ] sodass eine „a priori“-Beurteilung schwierig ist. Der Vorstand der FC Bayern München AG muss also unter „dem Schleier der Ungewissheit“[ 14 ] und unter Unsicherheit entscheiden. Von außen ist nicht erkennbar, welchen Wert der Vorstand den erwarteten finanziellen Nutzen der „Superliga“ beimisst, zumal der Klub bereits finanziell hervorragend aufgestellt ist.[ 15 ] Allerdings ist es für ein modernes Fußballunternehmen nicht abwegig, dass es versucht, die finanziellen Vorteile zu maximieren. Negative Auswirkungen auf andere Vereine bzw. die ganze Liga darf der Vorstand der FC Bayern München AG aus aktienrechtlicher Perspektive nur dann berücksichtigen, wenn dies künftig – bspw. durch Reputationsverluste – zu Kosten für die FC Bayern München AG führen könnte, da der Vorstand in erster Linie der AG und damit mittelbar den Aktionären verpflichtet ist.

Die Effekte einer solchen Entscheidung können erst ex post beobachtet werden, sodass es eine mögliche Variante wäre, erst einmal testweise an einer europäischen Liga teilzunehmen. Eine Rückkehroption in die nationale Liga sollte bestehen bleiben, um einen Teil der Unsicherheit zu reduzieren. Ob die Deutsche Fußballliga diese Möglichkeit gewähren würde, hängt wohl nicht zuletzt von der Verhandlungsmacht des FC Bayern München ab.

Sollte es zu einer nach nordamerikanischen Vorbild organisierten Superliga kommen,[ 16 ] bleibt abzuwarten, ob dies die Zielfunktionen der Fußballunternehmen nachhaltig verändert. Während in den nordamerikanischen Sportligen der wirtschaftliche Erfolg der Klubs im Vordergrund steht,[ 17 ] ist im europäischen Fußball bislang eine Maximierung des sportlichen Erfolgs besonders wichtig.[ 18 ]

Möglicherweise wird bei der Beurteilung der Kosten und Nutzen eines Einstiegs in die „Superliga“ insbesondere die erwartete Nachfrageveränderung auf Seiten der Konsumenten die ausschlaggebende Rolle spielen, denn auch auf dem Fußball-Markt regieren letztlich Angebot und Nachfrage, sodass schließlich „die Fans […] das letzte Wort [haben]“[ 19 ] .

Dieser Beitrag ist in einer längeren Version bereits im Wirtschaftsdienst[ a ] erschienen.


©KOF ETH Zürich, 29. Mär. 2019

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