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Grossbritanniens wundersame Zinswende

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Geht es bald aufwärts für die Briten? Das Riesenrad London Eye. Foto: Hannah McKay (Reuters) Seit dem überraschenden Brexit-Entscheid fährt die britische Regierung einen politischen Schlingerkurs. Theresa May verlor ihre Mehrheit im Parlament. In der Konservativen Partei geht es drunter und drüber. Der Streit zwischen den Hardlinern und den Gemässigten ist nicht ausgestanden, wie sich am viertägigen Parteikongress diese Woche leicht sehen liess. In Brüssel stocken die Austrittsverhandlungen mit der EU. Eben erst stufte die Ratingagentur Moody’s die Bonität der Insel herab. Zum Glück gibt es die Bank of England. Die Notenbank des Königreichs wirkt in den politisch unsicheren Gezeiten bisher wie ein Fels in der Brandung. Aber auch damit ist es vorbei. Geldpolitisch sorgt sie inzwischen

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Grossbritanniens wundersame Zinswende

Geht es bald aufwärts für die Briten? Das Riesenrad London Eye. Foto: Hannah McKay (Reuters)

Seit dem überraschenden Brexit-Entscheid fährt die britische Regierung einen politischen Schlingerkurs. Theresa May verlor ihre Mehrheit im Parlament. In der Konservativen Partei geht es drunter und drüber. Der Streit zwischen den Hardlinern und den Gemässigten ist nicht ausgestanden, wie sich am viertägigen Parteikongress diese Woche leicht sehen liess. In Brüssel stocken die Austrittsverhandlungen mit der EU. Eben erst stufte die Ratingagentur Moody’s die Bonität der Insel herab.

Zum Glück gibt es die Bank of England. Die Notenbank des Königreichs wirkt in den politisch unsicheren Gezeiten bisher wie ein Fels in der Brandung. Aber auch damit ist es vorbei. Geldpolitisch sorgt sie inzwischen mehr für Verwirrung als für Klarheit. Der letzte Coup: Sie will im November den britischen Leitzins erhöhen.

Für sich genommen ist das nichts Aussergewöhnliches. Gegenwärtig denken auch die Notenbanken in den USA und im Euroraum darüber nach, die extrem expansive Politik der vergangenen Jahre zu drosseln. Aber in Europa und den USA gewinnt die Wirtschaft auch laufend an Fahrt. In Grossbritannien dagegen zeichnet sich das Gegenteil ab. Die Konjunktur beschleunigt sich nicht
mehr, sondern verliert an Tempo, angeführt von der Industrie und der Bauwirtschaft. Die Geschäftslage im für die britische Wirtschaft besonders wichtigen Tertiärsektor, zu Beispiel bei den Banken, hält sich noch, aber im September tauchten auch dort Signale einer Abschwächung auf.

Lockere Zügel

Konjunkturforscher sind sich einig, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr langsamer wachsen wird. Viele Unternehmen werden ihre Investitionen zurückfahren angesichts der grossen Unsicherheit, die den Brexit umgibt, der 2019 in Kraft treten soll. Nur über das Ausmass der Abschwächung wird noch diskutiert: von durchschnittlich 1,6 Prozent Wachstum in diesem Jahr auf 1,3 oder sogar nur noch 1 Prozent im nächsten.

Die Bank of England hat die aktuellen und künftigen Konjunkturrisiken in der Vergangenheit immer in den Vordergrund gestellt und die Zügel möglichst locker gelassen. Seit September hat sich das geändert. Notenbankchef Mark Carney und seine Kollegen drängen darauf, die Zinsen rasch zu erhöhen. Das sei notwendig, um den Anstieg der Inflation zu bremsen. Sie liegt knapp unter 3 Prozent und damit deutlich über dem mittelfristigen...

Andreas Neinhaus
Andreas Neinhaus (Jg. 1963) ist seit 1997 als Redaktor bei «Finanz und Wirtschaft» tätig und schreibt über geld- und währungspolitische sowie konjunkturelle Fragen.

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