Wednesday , April 26 2017
Home / Never mind the markets / Die Roboter kommen

Die Roboter kommen

Summary:
Nehmen uns die Roboter die Arbeit weg, oder schaffen sie neue Arbeit? Ein Arbeiter bei der Endmontage eines Industrieroboters. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (Keystone) Donald Trump verspricht, Amerika wieder «great» zu machen. Er verspricht, im Land neue Arbeitsplätze zu schaffen, Industriejobs in den von der Globalisierung gebeutelten Regionen von Michigan, Ohio, Indiana oder North Carolina. Seine bisherigen Äusserungen – von einem kohärenten «Programm» kann bislang immer noch nicht die Rede sein – richten sich vor allem gegen die Handelspartner der USA. China betreibe eine unfaire Handelspolitik, Deutschland ebenso, wettert Trump. Das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln und Jobs aus Mexiko zurückholen. Die personellen Besetzungen, die der Präsident in

Topics:
Mark Dittli considers the following as important: , , , , ,

This could be interesting, too:

Tobias Straumann writes Rätselhafte Grande Nation

Blog-Redaktion writes 900 Milliarden hoch: Europas zweiter Schuldenberg

Tyler Durden writes Saxo Warns Reflation Trade Ends In Q2 With “Healthy Correction”

Zürcherin writes „Inside Islam“: Der Moscheereport und die Angst vor der Wahrheit

Die Roboter kommen

Nehmen uns die Roboter die Arbeit weg, oder schaffen sie neue Arbeit? Ein Arbeiter bei der Endmontage eines Industrieroboters. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (Keystone)

Donald Trump verspricht, Amerika wieder «great» zu machen. Er verspricht, im Land neue Arbeitsplätze zu schaffen, Industriejobs in den von der Globalisierung gebeutelten Regionen von Michigan, Ohio, Indiana oder North Carolina.

Seine bisherigen Äusserungen – von einem kohärenten «Programm» kann bislang immer noch nicht die Rede sein – richten sich vor allem gegen die Handelspartner der USA. China betreibe eine unfaire Handelspolitik, Deutschland ebenso, wettert Trump.

Das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln und Jobs aus Mexiko zurückholen.

Die personellen Besetzungen, die der Präsident in Industrie- und Handelsfragen bislang vorgenommen hat – Peter Navarro als nationaler Handelsberater, Wilbur Ross als Handelsminister –, lassen schwierige Zeiten für den Freihandel vermuten. Die Ideen von Navarro und Ross haben wir in diesem Blogbeitrag bereits näher betrachtet.

Die Industriejobs bleiben verloren

Gewiss lässt sich berechtigte Kritik am bisweilen merkantilistischen Handelsverständnis der chinesischen oder auch der deutschen Regierung anbringen. Und tatsächlich hatte der Freihandel vor allem seit der Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation WTO im Jahr 2001 einen nachteiligen Effekt auf viele Regionen in den USA, wie die Ökonomen David Autor, David Dorn und Gordon Hanson in ihren Arbeiten dargelegt haben.

Dennoch: Wird es Trump gelingen, im grossen Stil wieder Industrie-Arbeitsplätze in den USA anzusiedeln?

Das ist höchst unwahrscheinlich. Der Grund dafür liegt nicht in der Globalisierung, sondern im Aufstieg der Robotik.

Der Einsatz von Industrierobotern ist an sich kein neues Phänomen, doch eine Reihe von Faktoren – dazu zählen immense Fortschritte in der Rechenleistung, der Sensorik sowie der Vernetzung von Maschinen – hat in den letzten Jahren eine Art «Tipping Point» verursacht und den Einsatz von Industrierobotern enorm beschleunigt.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung (Quelle: Bank of America Merrill Lynch):

Die Roboter kommen

Die Balken zeigen die Anzahl Industrieroboter, die global im Einsatz sind, in Millionen (rechte Skala). Es ist eindrücklich zu sehen, wie sich der Einsatz der Roboter ab dem Jahr 2010 deutlich beschleunigt – was sich gemäss Schätzungen in den kommenden Jahren fortsetzen soll.

Im Jahr 2010 waren weltweit eine Million Industrieroboter im Einsatz, im Jahr 2020 sollen es 2,5 Millionen sein.

Die blaue Kurve zeigt sodann die Anzahl Arbeitsplätze im US-Industriesektor, in Millionen (linke Skala). Der generelle Trend ist abwärts.

Natürlich lässt sich keine direkte Kausalität zwischen dem Aufstieg der Roboter und dem Sinken der Industrie-Arbeitsplätze beweisen, doch die gegensätzliche Entwicklung ist auffällig. Und auch wenn seit dem Tiefpunkt der Rezession von 2009 wieder einige Industriejobs geschaffen wurden, so spricht wenig dafür, dass die Anzahl Industriearbeitsplätze in den USA noch signifikant über 12 Millionen steigen kann.

Die Ökonomen der amerikanischen Bank of America Merrill Lynch, die diese Grafik erstellt haben, überschreiben sie denn auch treffend mit den Worten «You can’t build a wall to keep the robots out».

China hat Aufholbedarf

Der Aufstieg der Industrieroboter ist übrigens beileibe kein bloss auf die USA beschränktes Problem. Die folgende Grafik aus einem Bericht der EU-chinesischen Handelskammer in Peking zeigt die globale Verbreitung von Industrierobotern nach Ländern:

Die Roboter kommen

Konkret geht es um die Anzahl der installierten Industrieroboter pro 10’000 Arbeitern im jeweiligen Land.

Die internationalen Spitzenreiter in der Roboter-Durchdringung sind Südkorea, Singapur und Japan. Deutschland, Rang 4, kommt auf 301 Industrieroboter je 10’000 Arbeiter.

Die USA stehen mit 170 im Mittelfeld, ebenso die meisten Industrieländer Europas.

Eindrücklich: In China (ganz rechts in der Grafik) hat der Aufstieg der Roboter noch nicht einmal richtig begonnen – doch auch in der chinesischen Wirtschaft wird die Robotik kräftig vorangetrieben. Die chinesische Regierung hat Robotik in ihrem „Made in China 2025“-Strategieplan gar zu einer strategischen Priorität gemacht.

Wohin wird das führen? Die kurze Antwort: Wir wissen es nicht.

Gut möglich, dass dereinst im Zusammenhang mit Robotik viele neue, attraktive Arbeitsplätze entstehen.

Gut möglich aber auch, dass in den kommenden Jahren noch Millionen von Arbeitsplätzen verschwinden werden.

Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass bislang in der breiten Öffentlichkeit kaum ernst genommene Themen wie die Besteuerung von Robotern oder die Einführung von einem bedingungslosen Grundeinkommen in vielen Ländern in den kommenden Jahren wieder intensiv diskutiert werden.

0 0
Mark Dittli
Mark Dittli (* 1974) ist ein Schweizer Finanz- und Wirtschaftsjournalist. Er ist seit 2012 Chefredaktor von Finanz und Wirtschaft.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *