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Mark Dittli

Mark Dittli

Mark Dittli (* 1974) ist ein Schweizer Finanz- und Wirtschaftsjournalist. Er ist seit 2012 Chefredaktor von Finanz und Wirtschaft.

Articles by Mark Dittli

Die Roboter kommen

March 31, 2017

Nehmen uns die Roboter die Arbeit weg, oder schaffen sie neue Arbeit? Ein Arbeiter bei der Endmontage eines Industrieroboters. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (Keystone)
Donald Trump verspricht, Amerika wieder «great» zu machen. Er verspricht, im Land neue Arbeitsplätze zu schaffen, Industriejobs in den von der Globalisierung gebeutelten Regionen von Michigan, Ohio, Indiana oder North Carolina.
Seine bisherigen Äusserungen – von einem kohärenten «Programm» kann bislang immer noch nicht die Rede sein – richten sich vor allem gegen die Handelspartner der USA. China betreibe eine unfaire Handelspolitik, Deutschland ebenso, wettert Trump.
Das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln und Jobs aus Mexiko zurückholen.
Die personellen Besetzungen, die der Präsident in Industrie- und Handelsfragen bislang vorgenommen hat – Peter Navarro als nationaler Handelsberater, Wilbur Ross als Handelsminister –, lassen schwierige Zeiten für den Freihandel vermuten. Die Ideen von Navarro und Ross haben wir in diesem Blogbeitrag bereits näher betrachtet.
Die Industriejobs bleiben verloren
Gewiss lässt sich berechtigte Kritik am bisweilen merkantilistischen Handelsverständnis der chinesischen oder auch der deutschen Regierung anbringen.

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Die wichtigste Frage für die Börsen

March 17, 2017

Aktienmarkt im Rekordhoch: Skeptische Börsenhändler in New York. (Bild: Reuters/Brendan McDermid)
Die Aktienmärkte boomen. Am 6. März feierte die Börsenhausse Geburtstag: Seit nunmehr acht Jahren hat der amerikanische Aktienmarkt – gemessen am Leitindex S&P 500 – keine Korrektur von mehr als 20 Prozent durchlebt.
Die aktuelle Bullenphase ist damit die längste in der Geschichte des S&P 500 (hier mehr dazu). Die grosse Preisfrage ist nun freilich: Wie lange noch?
Die kurze Antwort: Das weiss niemand. Es ist unmöglich, die Wendepunkte an den Finanzmärkten vorherzusagen. Hoch bewertet ist der amerikanische Aktienmarkt schon lange – und in den vier Monaten seit der Wahl von Donald Trump ist er noch teurer geworden. Gemäss dem Yale-Ökonomen Robert Shiller sind amerikanische Aktien gegenwärtig so teuer wie letztmals zur Jahrtausendwende.
Aber auch hier gilt: Eine hohe Bewertung ist kein Grund für eine baldige Kurskorrektur. Die Märkte können sich jahrelang in einem über- oder unterdurchschnittlich bewerteten Zustand bewegen.
Der mögliche «Trigger» von der Zinsfront
Was es in der Regel braucht, um eine Trendwende herbeizuführen, ist ein Auslöser, ein «Trigger».
Und dieser könnte von der Zinsfront kommen: Nach jahrelanger, extrem lockerer Geldpolitik hat die US-Notenbank (Fed) nämlich beschlossen, die Zügel zu straffen.

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Der Bondmarkt-Wahnsinn

September 25, 2015

Beginnen wir mal mit einem Chart:

(Quelle: Bloomberg)
Sieht auf den ersten Blick nicht sehr spektakulär aus. Doch dieser Chart erzählt eine Geschichte. Eine Geschichte des Wahns.
Haben Sie schon einmal den Begriff «Race for Yield» gehört? Darunter ist die verzweifelte Suche nach Rendite zu verstehen, in die Investoren von der Null- und Negativzinspolitik der Notenbanken gedrängt werden (hier zum Thema Geldpolitik übrigens ein sehr lesenswertes Interview, das mein Kollege Christoph Gisiger mit dem US-Zinsspezialisten Jim Grant in New York geführt hat).
Im Grunde ist die Sache simpel: Wer mehr Rendite will, muss mehr Risiko in Kauf nehmen. Denn risikolose Rendite gibt es nicht mehr. Angenommen, Sie sind Anlagechef(-in) einer Pensionskasse oder eines Lebensversicherers und sind mit der Aufgabe betraut, ein grosses Obligationenportefeuille zu bewirtschaften: Wo finden Sie mehr Risiko?
Jagd nach Risiko: Die Investoren suchen verzweifelt nach höheren Renditen. (Flickr/Sam Valadi)

Typischerweise haben Sie zwei Stellschrauben, nämlich die Laufzeit und die Qualität respektive Bonität des Schuldners, der die Obligation ausgegeben hat.
Kurzum: Wer mehr Rendite will, muss am Bondmarkt mindere Qualität und/oder längere Laufzeiten kaufen.

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Schiffbruch in Athen

July 3, 2015

Hoffnungslos verhärtete Fronten: Demonstration in Athen zur bevorstehenden Referendumsabstimmung. (AFP/Aris Messinis)

Das «Chicken Game» ist eine simple Mutprobe: Zwei Autofahrer brausen frontal aufeinander los. Wer zuerst ausweicht, verliert. Jeder Spieler reizt dabei die Strategie aus, möglichst lange auf Kollisionskurs zu bleiben und darauf zu setzen, dass der andere rational handelt und sein Leben retten will.
Wenn jedoch beide auf rationales Verhalten des Gegners setzen, kommt es zum schlimmstmöglichen Ausgang des Spiels: zum Knall.
Genau das ist in den Verhandlungen zwischen der Regierung Griechenlands und der Eurogruppe sowie dem Internationalen Währungsfonds am letzten Wochenende geschehen. Die Vertreter der Eurogruppe sind mit ihrer Geduld am Ende und Athen gegenüber zu keinen weiteren Konzessionen bereit.
Das Referendum, das Griechenlands Ministerpräsident Tsipras in der Nacht auf Samstag völlig überraschend ankündigte, hat die Hoffnungen auf eine Einigung in letzter Minute zerstört.
Nun herrscht Eiszeit. Der IWF beharrt auf fristgerechter Zahlung einer fälligen Schuld, das Hilfsprogramm von EU, IWF und Europäischer Zentralbank wird nicht verlängert. Die EZB weitet ihre Liquiditätshilfen an die griechische Notenbank trotz einem Sturm auf die lokalen Finanzinstitute nicht aus.

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Die Ursünde der Eurozone

June 26, 2015

Man hätte ahnen können, was mit der Währungsunion passiert – wenn man den Ökonomen Wynne Godley gelesen hätte. Foto: Keystone

Es geschah vor fünf Jahren:
Am 18. Mai 2010 erhielt die Regierung Griechenlands 20 Milliarden Euro von der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Es war die erste Tranche des ersten Rettungspakets für den in Schieflage geratenen Staat, und die 20 Milliarden stellten sicher, dass Hellas seine finanziellen Verpflichtungen erfüllen konnte.
Wir wissen, was danach geschah: Eurokrise, zwei weitere Rettungspakete, ein Schuldenschnitt, Regierungswechsel, Ausschreitungen, Austerität, Misere, zähe Verhandlungen. Die Lage Griechenlands hat sich kein Jota verbessert.
Ebenfalls vor fünf Jahren:
Am 13. Mai 2010, fünf Tage vor der ersten Hilfszahlung an Athen, stirbt in der Kleinstadt Portadown in Nordirland ein Mann namens Wynne Godley. Er wurde 83 Jahre alt.
Was haben diese beiden Ereignisse, das erste Hilfspaket für Griechenland und der Tod von Wynne Godley, miteinander zu tun?
Direkt natürlich nichts.
Aber der nahezu zeitgleiche Ausbruch der Eurokrise und das Ableben Godleys im Mai 2010 können im Nachhinein geradezu als göttlicher Fingerzeig angesehen werden.
Wieso das? Ganz einfach: Godley war ein britischer Ökonomieprofessor, und er hatte eingehend vor den grundlegenden Konstruktionsfehlern der Eurozone gewarnt.

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