Monday , July 22 2019
Home / Liberales Institut / Reiche: Sündenböcke für alle Probleme?

Reiche: Sündenböcke für alle Probleme?

Summary:
Der reichen Minderheit wird oft mit grosser Skepsis begegnet. Im besten Fall werden sie utilitaristisch als gute Steuerzahler toleriert. In vielen Ländern existieren hartnäckige Vorurteile gegenüber vermögenden Personen. Woher stammen die negativen Gedanken über Reiche? Wodurch genau entsteht Sozialneid? Und welche Rolle spielt die Kultur in der Einstellung zu reichen Menschen? Im Rahmen des LI-Gesprächs vom 4. März wurden diese Fragen vertieft diskutiert. In seiner Einführung hielt LI-Vizedirektor Olivier Kessler fest, Reiche würden heute — genährt durch eine populistische Dauerkampagne — für fast sämtliche Übel dieser Welt verantwortlich gemacht. Viele glaubten, sie hätten ein moralisches Recht dazu, sich an deren Eigentum grosszügig zu bedienen und es umzuverteilen. Das Gefühl

Topics:
Liberales Institut considers the following as important:

This could be interesting, too:

Cash News writes Iran heizt Spannungen in Golfregion mit Beschlagnahme von Tanker an

Cash News writes Zuger Taxifahrer fährt über Rad- und Fussweg sowie Treppe

Cash News writes Siemens-Chef: US-Präsidentenamt unter Trump verkörpert ‘Rassismus’

Cash News writes Unternehmer und Ex-YB-Präsident Ruedi Baer verstorben

Der reichen Minderheit wird oft mit grosser Skepsis begegnet. Im besten Fall werden sie utilitaristisch als gute Steuerzahler toleriert. In vielen Ländern existieren hartnäckige Vorurteile gegenüber vermögenden Personen. Woher stammen die negativen Gedanken über Reiche? Wodurch genau entsteht Sozialneid? Und welche Rolle spielt die Kultur in der Einstellung zu reichen Menschen? Im Rahmen des LI-Gesprächs vom 4. März wurden diese Fragen vertieft diskutiert.

In seiner Einführung hielt LI-Vizedirektor Olivier Kessler fest, Reiche würden heute — genährt durch eine populistische Dauerkampagne — für fast sämtliche Übel dieser Welt verantwortlich gemacht. Viele glaubten, sie hätten ein moralisches Recht dazu, sich an deren Eigentum grosszügig zu bedienen und es umzuverteilen. Das Gefühl moralischer Überlegenheit speise sich dabei unter anderem aus der falschen Darstellung der Wirtschaft als Nullsummenspiel. Dieses beliebte Bild suggeriere, Reiche hätten ihren Wohlstand nur auf Kosten der Armen erwirtschaften können. Doch in einer freien Marktwirtschaft, in der die Vertragsfreiheit gelte, würden in Wahrheit nur diejenigen reich, die ihren Mitmenschen auch einen Nutzen stifteten. Produkte und Dienstleistungen würden nur dann freiwillig gekauft, wenn sie für andere auch von Wert seien. Das sei ein klares Win-win-, und kein Win-lose-Geschäft.

In der Folge stellte Rainer Zitelmann, promovierter Historiker und Soziologe, Unternehmer und Buchautor, seine neue Studie vor. Die Erkenntnisse und Methoden der Forschung über Stereotype wandte er auf die Minderheit der Reichen an — ein Feld, womit sich die internationale Vorurteilsforschung bislang kaum befasst hat. Die Studie basiert auf der ersten international vergleichenden Befragung zur Einstellung der Bevölkerung zu Reichen in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und in den USA. Reiche sind dabei definiert als Personen, die neben einem eigenen Haus noch mindestens eine Million Euro besitzen. So habe man etwa gefragt, auf welche Gruppen es zutreffe, dass man mit öffentlicher Kritik besonders vorsichtig sein müsse. In fast allen untersuchten Ländern waren die Menschen der Meinung, bei Reichen sei es am unproblematischsten, öffentlich schlecht über sie zu sprechen. In sämtlichen Ländern fände es eine klare Mehrheit gerecht, die Steuern für Millionäre stark zu erhöhen, ohne die wirtschaftlichen Schäden einer solchen Massnahme zu betrachten. Gesetzliche Diskriminierungen im Steuerbereich seien ein verbreiteter Ausdruck einer einseitigen Sicht des Reichtums und des Wirtschaftserfolgs.

Die Studie brachte auch Überraschendes zutage, etwa, dass junge Amerikaner reiche Menschen ausgesprochen kritisch sehen, während junge Deutsche und Franzosen Reiche positiver betrachten als ältere. Die Studie sei auch deshalb wichtig, weil Reiche in der Geschichte oftmals als Sündenböcke ausgegrenzt, verfolgt und ermordet worden seien, so etwa in der Sowjetunion und in Kambodscha. Nicht nur in solchen Extrembeispielen gesellschaftlicher Krisen, auch in einer moderaten Form schadeten diese Vorurteile. Dies gelte etwa bei der nicht zutreffenden Analyse der Ursachen von Finanzkrisen, indem es sich vorurteilsbelastete Medienschaffende und Meinungsmacher zu einfach machten und die ganze Schuld jeweils einfach auf «die Reichen» und «gierige Manager» schoben. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die wahren Probleme ungelöst blieben und sich solche Krisen wiederholten.

Die darauffolgende Diskussion widmete sich unter anderem der Frage, was Reiche konkret tun könnten, um vorherrschenden Vorurteilen zu begegnen. Es wurde die Ansicht vertreten, die Reichen sollten dazu stehen, dass sie reich sind. Sie sollten diesen Umstand nicht zu vertuschen versuchen. Für produktiv erarbeiteten Reichtum müsse man sich nicht schämen, denn dieser sei eine Auszeichnung für eine ausserordentliche Leistung oder Fähigkeit. Weil die meisten Leute Reiche nur aus James Bond-Filmen und den antikapitalistisch orientierten Medien kannten, könnten sich Vorurteile leichter einnisten. Wenn Reiche öffentlich sichtbarer aufträten, könnten Vorurteile eventuell abgebaut werden. Zudem sei es eine schlechte Strategie, als Reiche für Steuererhöhungen einzustehen, um sich bei den Linksparteien einzuschleimen. Dies offenbare nur, dass man als Reicher selbst an die falsche Nullsummentheorie glaube. Das Gegenteil, nämlich Steuersenkungen auf hohe Einkommen oder der Verflachung der Progression, nützen der Gesellschaft wesentlich mehr.

Auch das öffentlichkeitswirksame Spenden für wohltätige Zwecke sei der falsche Weg, wenn es nur darum ginge, das eigene Image als Reicher aufzupolieren. Vielmehr gelte es, Aufklärungsarbeit zu leisten, um dem Nullsummenglauben breiter Bevölkerungsschichten zu begegnen, der eine der Hauptursachen für die moralische Ablehnung von Reichtum darstelle. Anstatt zu «spenden» solle man lieber «investieren». Dies schaffe nachhaltigere Ergebnisse wie zusätzliche Arbeitsplätze, höhere Einkommen und einen höheren Lebensstandard für breite Bevölkerungsschichten. Das Profitstreben sei per Definition gemeinnützig. Gerade so wichtig seien Investitionen in die Freiheit. Die Unterstützung marktwirtschaftlich-orientierter Think Tanks, die wichtige Aufklärungsarbeit leisteten, sei hier von besonderer Bedeutung.

Mehr zum Thema:

Das neu erschienene Buch von Dr. Dr. Rainer Zitelmann bestellen:
«Die Gesellschaft und ihre Reichen: Vorurteile über eine beneidete Minderheit»

4. März 2019

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *