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Krisenzeiten sind Experimentierzeiten

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Photo: Andrew Dawes from Flickr (CC BY-SA 2.0) „Einheitliche politische Maßnahmen“ zur Bekämpfung der Corona-Krise ist die Phrase der Stunde, die von Spitzenpolitikern aus Ländern, Bund und EU genutzt wird – egal ob links oder rechts. Zwar können wir nicht mit Gewissheit sagen, inwiefern „einheitliche politische Maßnahmen“ erfolgsversprechend sind. Auf jeden Fall aber marginalisiert der Fokus der Politik auf Einheitlichkeit die mutigen Akteure, die auf das Gegenteil von Einheitlichkeit setzen: kreative Geschäftsleute, solidarische Sozialunternehmer und smarte Wissenschaftler. Jeden Tag experimentieren sie mit dem Neuen, um die besten Lösungen für die Probleme der Corona-Pandemie zu finden. Insbesondere in Krisenzeiten darf die Politik nicht der Versuchung des Tunnelblicks „einheitliche

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Photo: Andrew Dawes from Flickr (CC BY-SA 2.0)

„Einheitliche politische Maßnahmen“ zur Bekämpfung der Corona-Krise ist die Phrase der Stunde, die von Spitzenpolitikern aus Ländern, Bund und EU genutzt wird – egal ob links oder rechts. Zwar können wir nicht mit Gewissheit sagen, inwiefern „einheitliche politische Maßnahmen“ erfolgsversprechend sind. Auf jeden Fall aber marginalisiert der Fokus der Politik auf Einheitlichkeit die mutigen Akteure, die auf das Gegenteil von Einheitlichkeit setzen: kreative Geschäftsleute, solidarische Sozialunternehmer und smarte Wissenschaftler. Jeden Tag experimentieren sie mit dem Neuen, um die besten Lösungen für die Probleme der Corona-Pandemie zu finden. Insbesondere in Krisenzeiten darf die Politik nicht der Versuchung des Tunnelblicks „einheitliche politische Maßnahmen“ erliegen, sondern muss aktiv die Mutigen unterstützen, die sich immer wieder aufs Neue ins Ungewisse stürzen, um Teile der Krise zu bewältigen oder sie uns so angenehm wie möglich zu machen. Krisenzeiten sind Experimentierzeiten.

WhatsApp, Skype, Zoom: Vielfalt schlägt Einfalt

Trotz des allgemeinen Fokus der Politik auf Einheitlichkeit, massiver Regulierungen des täglichen Lebens und des deutschlandweiten Kontaktverbots ist die Experimentierfreudigkeit der Unternehmen ungebrochen. Der Geschäftsführer des Consumer Choice Center Frederik C. Roeder betonte hier an anderer Stelle, welchen Wert diejenigen Unternehmen haben, die sonst „ganz oben auf der Liste der Politiker stehen, wenn es darum geht, sie zu besteuern, zu regulieren, zu verstaatlichen oder zu schließen.“ Das faszinierende ist aber nicht nur, dass Unternehmen durch ihre Güter und Dienstleistungen helfen, sondern in welcher Vielfältigkeit sie es tun: Wer seiner Großmutter zum Geburtstag gratulieren möchte, kann sie auf ihrem Handy mit einem WhatsApp-Video-Anruf kontaktieren, sie bei Skype anrufen, die Videokonferenz-Anbieter Zoom oder Microsoft Teams aufrufen, die Apple Software FaceTime nutzen oder – was bei einer Großmutter am wahrscheinlichsten ist – sich auf das gute, alte Festnetztelefon verlassen.

Wer sich etwas besonders Lustiges für die nächste Videokonferenz einfallen lassen möchte, lädt einfach mal ein Lama zur Konferenz ein. Seit vier Wochen bietet ein Wildtierschutzgebiet aus dem Silicon Valley den Service nun schon an, um verlorene Einnahmen durch die Corona-Maßnahmen auszugleichen. Die Experimentierfreude der Unternehmer macht sich bezahlt – hunderte Nachfragen nach Lamas in Videokonferenzen hat es schon gegeben und tausenden Menschen im erzwungenen Home-Office wurde ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Genau diese Kreativität und Experimentierfreude ist gefragt, um uns die Krise so vielfältig angenehm wie möglich zu machen.

Sozialunternehmer experimentieren zum Wohle der Schwachen

So lustig der kreative Lama-Service für die Angestellten von Unternehmen auch ist, richtet er sich doch an diejenigen, die sich die 100 Dollar leisten können. Doch viele haben momentan weniger Glück. Wenn man nur noch 60% des Einkommens durch Kurzarbeitergeld bezieht, den Job ganz verliert oder die Zuschüsse des Staates für das eigene Unternehmen nicht reichen, zwingt dies Menschen dazu, sich auf die helfende Hand der Zivilgesellschaft zu stützen. Problematisch wird es aber wenn die helfenden Hände gebunden sind:

370 Tafeln im gesamten Bundesgebiet haben ihre Lebensmittelausgabe vorübergehend eingestellt und müssen nun neue Wege finden, ihren Mitmenschen zu helfen. Und auch hier führt der Mut zum Experiment zu Lösungen. Durch die große Hilfsbereitschaft aus Teilen der Bevölkerung gelingt es den deutschen Tafeln immer besser und häufiger, neue Konzepte zur günstigen bzw. kostenlosen Lebensmittelausgabe zu etablieren. Von Lieferdiensten, über Lebensmittelausgaben im Freien oder das Vorpacken von Lebensmitteltüten experimentieren die Tafeln vor Ort, um die besten Lösungen zu finden, um ihren Mitbürgern weiterhin zu helfen.

Mit Versuch-und-Irrtum zum Impfstoff

Natürlich steht derzeit insbesondere auch die Suche nach einer medizinischen Lösung im Mittelpunkt der Arbeit von Ärzten und Forschern. Ähnlich wie bei Geschäftsleuten und Sozialunternehmern gibt es auch hier kein einheitliches Vorgehen, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Wege, sich experimentell zum Ziel zu tasten. Der Verband forschender Arzneimittelhersteller listet momentan 77 Projekte weltweit, die sich um einen Impfstoff bemühen. Während man vor der Krise noch erwartete, dass die Entwicklung eines Impfstoffes Jahrzehnte dauern würde, zeigen die Zwischenstände der unterschiedlichen Projekte, dass Corona-Impfstoffe schon an Freiwilligen erprobt werden oder die Projekte kurz vor dieser Etappe der Forschung stehen. Die unterschiedlichen Projekte, in verschiedenen Stadien ihrer Forschung nutzen eine Vielzahl komplexer Methoden, um einen Impfstoff zu entwickeln. Doch ist auch hier nicht klar, welcher dieser Stoffe das Rennen machen wird. Eins ist aber in jedem Fall sicher: Nur ein Prozess des experimentierenden Versuch-und-Irrtum wird uns zeigen, welche der vielfältigen Projekte uns den Weg zurück in eine gewisse Normalität ebnen wird.

Mut, Zuversicht und die Lust zum Experiment verdienen Unterstützung

Es werden auch zentralstaatliche, einheitliche Maßnahmen nötig sein, um die Krise durchzustehen und zu überwinden. Doch überschattet die laute Rhetorik der Politik die vielfältigen Anpassungen und Lösungen, die von kreativen Geschäftsleuten, sozialen Unternehmern und lösungsorientierten Wissenschaftlern ausgearbeitet werden. Neben cleveren einheitlichen Maßnahmen sollte die Politik mit Nachdruck Mut, Zuversicht und die Lust am Experiment unterstützen, indem sie Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft mehr Beinfreiheit verschafft: sei es durch den Rückbau von Bürokratie, damit Unternehmen sich auf die Lösung der eigentlichen Probleme konzentrieren können und Sozialunternehmern der Aufbau von Hilfsinitiativen erleichtert wird, oder durch Vereinfachung von Verfahrensschritten in der pharmazeutischen Forschung durch Deregulierung. Auf diese Weise nutzen wir nicht nur das Potenzial, das unsere Gesellschaft schon hat, sondern erleichtern auch einer neuen Generation von Lösungsfindern den Start in eine vielfältige Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft.

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