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Einmal etwas andere Gedanken zur Vollgeldinitiative

Summary:
Am 10. Juni 2018 stimmen wir über eine Grundsatzfrage ab, wie unser Geldsystem in Zukunft aussehen soll. Es geht letztlich um diese wichtige Fragestellung, ob wir in einem dienenden oder herrschenden Geldsystem leben wollen. Dabei kommen wir nicht darum herum, etwas über die geschichtlichen Zusammenhänge der Geldsysteme in den verschiedenen Zeitaltern aufzuzeigen. Das Geldsystem war nicht immer das Gleiche babylonisch-schuldbasierte seit angeblich 4000 Jahren, wie dies gerne von Anhängern des Schuldgeldsystems behauptet wird. Zuerst gab es das sogenannte „Primärgeld oder Primitivgeld“ in Form von Muschelschalen, Schneckengehäusen, Perlen oder Salz. Gold, Silber, Salz und Pfeffer waren übrigens noch lange Zeit anerkannte Ersatzwährungen (z.T. bis ins Mittelalter). Die alten Römer bezahlten

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Walter Wobmann considers the following as important:

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Am 10. Juni 2018 stimmen wir über eine Grundsatzfrage ab, wie unser Geldsystem in Zukunft aussehen soll. Es geht letztlich um diese wichtige Fragestellung, ob wir in einem dienenden oder herrschenden Geldsystem leben wollen. Dabei kommen wir nicht darum herum, etwas über die geschichtlichen Zusammenhänge der Geldsysteme in den verschiedenen Zeitaltern aufzuzeigen.

Das Geldsystem war nicht immer das Gleiche babylonisch-schuldbasierte seit angeblich 4000 Jahren, wie dies gerne von Anhängern des Schuldgeldsystems behauptet wird. Zuerst gab es das sogenannte „Primärgeld oder Primitivgeld“ in Form von Muschelschalen, Schneckengehäusen, Perlen oder Salz. Gold, Silber, Salz und Pfeffer waren übrigens noch lange Zeit anerkannte Ersatzwährungen (z.T. bis ins Mittelalter). Die alten Römer bezahlten ihren Soldaten ihren Sold in Form von Salz. Von dort her kam auch das Wort Salär. Die ersten Münzen gab es allerdings schon an Handelsplätzen im Altertum. Meistens hatten Handelsstädte und auch lokale Fürsten ein Münzprägerecht, ein sog. Münzregal. In einem Reich erteilte dies der Kaiser. Obwohl solche Rechte an Fürsten und Städte verliehen wurden, gab der Kaiser selbst noch eigenes Geld in Umlauf, welches dann als Reichsgeld galt und von den Händlern in lokale Währungen getauscht wurde. Eine Währung musste allerdings immer in einem gesunden Verhältnis zu den im Währungsgebiet produzierten Gütern und Dienstleistungen stehen. Wenn zuviel oder zuwenig davon vorhanden war, gab es Inflation oder Deflation. Und genau das war und ist auch heute noch die Aufgabe der Inhaber des Münzregals. Heutzutage ist es die Zentralbank, welche als Hüterin der Währung (Münzen und Banknoten) eines Landes waltet. Das Geld, das im Umlauf war, war keineswegs in allen Gesellschaften auf Schuldgeld aufgebaut, sondern vielerorts auf der Summe aller Wirtschaftsleistungen im entsprechenden Währungsgebiet, in einigen anderen Gesellschaften auf Gold. Und übrigens gab es im Mittelalter von 1150 bis 1450 ein total anderes Geldsystem im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (Brakteatensystem), welches mit dem heutigen Schuldgeldsystem nichts Gemeinsames hatte.

Genau in dieser Brakteatenzeit gab es eine kulturelle Blüte, in der die gotischen Kirchen gebaut wurden; gerade weil eben das Geldsystem ein anderes war als das heutige. Russland hatte bis zum Ende des 1.Weltkrieges eine goldgedeckte Währung, die nicht Schuldbasiert war, ebenso die meisten anderen kontinentaleuropäischen Staaten. Heute gelten auch andere Währungen (Euro, Dollar, Pfund, Rubel, Yuan) als Währungsreserven (bzgl. der eigenen Währung). Damit herrschte historisch betrachtet klar nicht immer dasselbe Geldsystem vor. Das FIAT-Moneysystem des Bankhauses Rotschild seit dem Federal-Reserve-Act in den USA im Jahre 1913 ist ein Betrug auf Kosten der Völker und Nationen. Dieses Prinzip des Federal- Reserve-Acts verbreitete sich über die anderen Zentralbanken auf die ganze Welt, insbesondere nach dem 2.Weltkrieg, wo der Dollar zur Weltleitwährung wurde (Bretton Woods-Institutionen). Demnach ist das Geldsystem nicht etwas, das vorgegeben „vom Himmel fällt“, sondern wurde immer in Gesellschaften (Königsreichen und Handelszentren) entwickelt, gemäss dem damaligen Bewusstseinsstand. Es ist entgegen anderslautenden Behauptungen von Menschen gemacht und kann demnach auch von Menschen wieder geändert werden.

In der alten Eidgenossenschaft hatte jeder Kanton seine eigene Währung. Dies änderte sich nur kurz unter Napoleons Besatzungszeit. Ab 1848, als die erste Bundesverfassung der Schweiz in Kraft trat, wurde die Währungspolitik Sache des Bundes. Er bekam das alleinige Recht, Münzen zu prägen. Da aber die damals entstandenen Geschäftsbanken eine profitable eigene Geldherstellung entdeckten, indem sie eigene Geldscheine druckten (Banknoten genannt), musste der Bund diesem Wildwuchs und Missbrauch Einhalt gebieten. Deshalb gab es 1891 eine Abstimmung, in der das Schweizervolk den Geschäftsbanken das Drucken von privaten Geldscheinen verbot und diese Aufgabe der neu gegründeten Schweizerischen Nationalbank (SNB) übertrug. Pikantes Detail: Bei der damaligen Abstimmung empfahlen der Bundesrat und das Parlament noch ein Ja zu dieser Vorlage, da sie die ungleiche Machtstellung der Geschäftsbanken noch erkannten und diese auch einschränken wollten.

Seit 1907 verleiht nun die SNB das Papiergeld an die Banken und es fliessen jährlich zwischen 1 bis 2,5 Mia. CHF Gewinn in die öffentlichen Kassen. Diese Münzen und Banknoten sind Vollgeld. Seither hat sich die Situation beim Gelderzeugen abermals geändert. Münzen und Banknoten machen heute nur noch ca. 10 % des gesamten im Umlauf befindlichen Geldes aus. Wieder haben die Geschäftsbanken eine profitable Geldherstellung entdeckt: Das Giralgeld. Dieses umfasst heute ca. 90% des gesamten Geldumlaufes. Dieses privat erzeugte Giralgeld ist kein gesetzliches Geld, sondern nur ein „Anspruch auf Geld“, was heisst, dass unsere Giralgeldkonten nicht sicher sind. Dieses privat erzeugte Geld kann sich „in Luft“ auflösen, dann nämlich wenn eine Finanzblase platzt. So geschehen in Zypern bei der letzten Finanzkrise. Dort wurde erstmals ein „Bail-In“ durchexerziert. Bei einem Bail-In greifen die Banken an die Guthaben ihrer Kunden, um sich in einem Krisenfall zu sanieren. Dies ist möglich, da die Guthaben Teil der Bankbilanz sind. Im Gegensatz zu einem Bail-In steht der Bail-Out, wo eine angeschlagene Bank beim Staat oder bei der Zentralbank „anklopft“, um sich „retten“ zu lassen. So geschehen bei der UBS 2008. Ich meine, dass beides (sowohl Bail-In als auch Bail-Out) unlauter ist.

Bei einer Annahme der Vollgeldinitiative würde auch das Buchgeld (Giralgeld) zu Vollgeld und dürfte nur noch durch die Nationalbank in Umlauf gebracht werden. Die Geschäftsbanken wären gezwungen, unsere Vollgeldkonti ausserhalb ihrer Bankbilanz zu führen. Im Weiteren würde so erstmals auch elektronisches Geld schuldfrei in Umlauf gebracht, was zur Folge hätte, dass dem Staat oder uns Bürgern im Laufe der Jahre viele Milliarden Franken zusätzlich zur Verfügung stehen würden (Geldschöpfungsgewinn oder Seigniorage genannt). Dieses zusätzliche Geld, durch die Zentralbank (SNB) schuldfrei in Umlauf gebracht, würde dem Staat zur Verfügung gestellt, der sich so entweder entschulden könnte oder aber damit wichtige Investitionen tätigen würde. Dieses Geld wäre dann im Umlauf und käme später als Kundeneinlage irgendwann auf ein Konto einer Geschäftsbank. Eine Geschäftsbank könnte dann nur noch mit dem vorhandenen Geld dieser Kunden Kredite vergeben und nicht wie vorher aus dem Nichts Geld schöpfen und „Luft- Kredite“ vergeben, so wie das heute geschieht. Diese künftigen Kredite wären also entweder durch Kundeneinlagen gedeckt oder aber die Nationalbank würde den Geschäftsbanken gegen einen kleineren Zins zusätzlich Geld zur Verfügung stellen, damit die Geschäftsbanken ihre Kredite decken können und auch liquid bleiben.

Bei diesem künftigen Zustand würde so dem Staat durch die Nationalbank schuldfrei Geld zur Verfügung gestellt, wenn die Geldmenge ausgeweitet werden muss. Dies jedoch würde durch die Nationalbank nur dann getätigt werden, wenn das gesamte Wirtschaftsvolumen (Güter und Dienstleistungen) sich erweitern würden (Wirtschaftswachstum). Diese neue Ausgangslage würde der Nationalbank erstmals wieder die Möglichkeit geben, die Geldmenge direkt zu steuern. Dies kann die SNB nämlich im heutigen Zustand nicht mehr, da diese nur das Bargeld herausgibt, das noch 10% der Geldmenge im Umlauf ausmacht, nicht aber das Giralgeld, das 90% des Geldumlaufs ausmacht. Bis jetzt konnte die SNB die Geldmenge nur indirekt steuern, nämlich über den Leitzins.

Dies würde sich durch die Annahme der Vollgeldinitiative ändern. Die SNB bekäme so die vollständige Kontrolle über die Geldmenge wieder in ihre Hand, was einerseits dazu führen würde, dass sie verantwortungsvoll die Geldmenge wieder selber steuern kann und es andererseits es eine klare Trennung zwischen Geldschöpfung und Kreditvergabe gäbe. Diese wichtige Gewaltenteilung im Geldwesen würde die jetzige Machtposition der Geschäftsbanken enorm verringern und diese wieder auf ihre eigentlichen Aufgabenbereiche (Bankgeschäfte: Zahlungsverkehr, Kreditwesen, Vermögensverwaltung, Börsengeschäfte) zurückführen. Die Geschäftsbanken wären dann Wirtschaftsteilnehmer wie alle Anderen auch und könnten nicht mehr Geld aus dem Nichts kreieren und aus diesem gleichzeitig Kredite gegen Zins verleihen. Durch Beendigung dieser Machtstellung wäre es auch vorbei, dass die Geschäftsbanken den Staat (mit too big to fail) erpressen könnten. Es müssten so keine Bankenrettungen mehr gemacht werden, da die Kundengelder der Vollgeldkonti nun zu Vollgeld würden und so nicht mehr verschwinden könnten. Bei einer Bankpleite könnte der normale Zahlungsverkehr unbeeinträchtigt weitergehen, ohne dass die Wirtschaft zum Erliegen käme. Und vor allem: Der Staat und damit die Allgemeinheit müsste sich nicht mehr so wie jetzt bei den Geschäftsbanken verschulden und damit in eine unangenehme Abhängigkeit geraten. Wichtige öffentliche Aufgaben könnten so (ungehindert von Schuldendruck) getätigt werden.

So wird das zusätzliche Geld künftig schuldfrei in Umlauf gebracht, was die gesamte Wirtschaft vom Wachstumszwang mindestens teilweise befreien würde. Da im heutigen Geldsystem, das auf Schuldgeldprinzip aufgebaut ist, fast sämtliches Geld mittels Schulden (Kredite) in Umlauf kommt, ist es für heutige Ökonomen und Finanzexperten fast nicht mehr möglich, sich ein Geldsystem vorzustellen, das nicht auf Schuldgeld aufgebaut ist. So abstrus es sich anhört, aber wenn im heutigen Geldsystem mehr Schulden getilgt werden, ist umso weniger Geld im Wirtschaftskreislauf, da Geld von getilgten Schulden verschwindet (Bilanzverkürzung bei Geschäftsbanken). So lange wir aber in einer Schuldenfalle sitzen, haben weder der Bürger noch der Staat die nötige Unabhängigkeit, das Geld in sinnvolle Projekte zu investieren. Gerade darum brauchen wir einen Paradigmenwechsel zu einem schuldfreien Geldsystem, das letztlich die Freiheit des Bürgers und die Unabhängigkeit und wahre Souveränität des Staates wiederherstellt bzw. uns von der Schuldsklaverei der Geschäftsbanken befreit. Übrigens: Die Vollgeldinitiative ist schon deshalb kein „Experiment mit ungewissem Ausgang“, weil im Jahre 1891 eine ähnliche Vorlage zur Wiederherstellung des Geldherstellungsregals durch den Bund ebenfalls angenommen und erfolgreich umgesetzt wurde.

Autorangaben

Walter Wobmann ist gläubiger Christ und war bereits zwei Mal Zürcher Stadtratkandidat der Schweizer Demokraten. Er wohnt im Zürcher Stadtkreis 11.

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