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Lasst uns einfach mal in Ruhe

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Photo: Randy Heinitz from Flickr (CC BY 2.0) Regeln sind wichtig für das Zusammenleben. Doch viele zentral aufgestellte Regeln behindern unsere Fähigkeit zur Kooperation. Man sollte das Individuum einfach mal in Ruhe lassen. Besser 80 Millionen Bundestrainer, als 600 Super-Nannys im Bundestag Es ist vollkommen natürlich, dass wir unsere Erfahrungen gerne teilen. Menschen geben gerne Tipps, freuen sich gehört zu werden, und sind in der Regel ziemlich überzeugt von der eigenen Art und Weise Dinge zu tun. Im Grunde wird jeder hin und wieder Opfer des eigenen Gottkomplexes. Abends auf dem Sofa vor der Tagesschau, überzeugt von der Unfähigkeit der Bundesregierung. Oder im Fußballstadion, mindestens ebenso überzeugt von der absoluten Untauglichkeit des Trainers. Wir können eben alles besser. Was

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Regeln sind wichtig für das Zusammenleben. Doch viele zentral aufgestellte Regeln behindern unsere Fähigkeit zur Kooperation. Man sollte das Individuum einfach mal in Ruhe lassen.

Besser 80 Millionen Bundestrainer, als 600 Super-Nannys im Bundestag

Es ist vollkommen natürlich, dass wir unsere Erfahrungen gerne teilen. Menschen geben gerne Tipps, freuen sich gehört zu werden, und sind in der Regel ziemlich überzeugt von der eigenen Art und Weise Dinge zu tun. Im Grunde wird jeder hin und wieder Opfer des eigenen Gottkomplexes. Abends auf dem Sofa vor der Tagesschau, überzeugt von der Unfähigkeit der Bundesregierung. Oder im Fußballstadion, mindestens ebenso überzeugt von der absoluten Untauglichkeit des Trainers. Wir können eben alles besser. Was im Alltag nicht weiter schlimm ist, das führt in der Politik zu einer verhängnisvollen Regeldichte. Ein Plädoyer dafür, den Menschen einfach mal in Ruhe zu lassen.

Was wir vergessen haben: Regeln können auch abgeschafft werden

Regeln sind unheimlich langlebig. Einmal eingeführt wird man sie nur schwer wieder los. Einerseits gewöhnen wir uns schnell daran, Verantwortung in bestimmten Bereichen abzugeben. Andererseits gewöhnen sich Entscheidungsträger schnell daran, Verantwortung – und damit Macht – über die Entscheidungen anderer Menschen zu haben. Hinzu kommt: Jede Beschränkung hat auch ihren Profiteur, der alles dafür tun wird, seinen (Wettbewerbs)-Vorteil nicht zu verlieren. Steht also eine Regel zur Debatte, überschlagen sich Politiker aller Strömungen all zu häufig mit gut gemeinten Verbesserungsvorschlägen.

In der Folge wirbt die linke Seite der Debatte für Preiskontrollen und Umverteilung, und die Konservativen versuchen verzweifelt ihr ganz persönliches Menschenbild zu erhalten. Und der Liberale? Fest überzeugt von seinen Prinzipien, wirbt er für marktwirtschaftliche Reformen. Es mag überraschen, aber auch Letzteres ist nicht immer richtig. Sicher, marktwirtschaftliche Institutionen führen fast ausnahmslos zu besseren Ergebnissen. Das gilt aber häufig nur so lange, wie die Institutionen organisch wachsen können und an die Bedürfnisse und Präferenzen der Individuen angepasst sind. Es ist nicht schwer, Beispiele dafür zu finden, wie schnell von außen aufoktroyierte Institutionen scheitern können. Der „Washington Consensus“, die Entwicklungsstrategie der Weltbank in den 1980er und 1990er Jahren, hat beispielsweise trotz ökonomisch solider Vorschläge nie zu den gewünschten Ergebnissen geführt.

Liberalismus ist nicht gleich Marktfundamentalismus

Leider verfällt auch „der Liberale“ zu häufig in einen fehlgeleiteten Institutionenfundamentalismus: Vor lauter Schaum vor dem Mund und Ärger über die Uneinsichtigkeit des politischen Gegners, verliert er das wahre Ziel aus den Augen. Womit wir wieder beim Gottkomplex wären. Es sollte nicht darum gehen, die Welt nach den eigenen (perfekten) Vorstellungen zu formen. Es gibt nicht die eine richtige Lösung für alle Probleme – das eine richtige System, das quasi automatisch zu Wohlstand führt. Liberale Gemeinschaften können mannigfaltig in ihrer Ausgestaltung sein. Das eine, was unerlässlich für ein friedliches und produktives Zusammenleben ist, ist das Individuum. Und das Individuum sollte immer im Mittelpunkt liberaler Politik stehen, nicht die eine bestimmte Zusammenstellung von Institutionen.

Die Frage sollte also sein, wie sich das Individuum am besten entfalten kann und nicht wie die eigens erdachte Spielzeugwelt am besten umgesetzt werden kann. Regeln sind nicht zwangsläufig etwas Schlechtes, aber je weiter entfernt vom Individuum sie gemacht werden, desto mehr behindern sie es in dessen Möglichkeit zu Kooperation und Entfaltung. Und das ist das Problem. Nicht nur, dass wir vergessen haben wie man Regeln wieder außer Kraft setzt, sie werden auch immer zentraler und entfernter von ihrem Regelungsobjekt entwickelt. Schon die auf Landesebene gestaltete zentrale Schul- und Bildungspolitik schränkt Schulen stark in ihrer Gestaltungsfreiheit ein. Der bundesweite sogenannte „Verbraucherschutz“ schafft die absurde Idee eines perfekten, gesunden und, ohne Schutz von außen, komplett hilflosen Standard-Deutschen. Und ja, letztlich ist das wunderbare Freiheitsprojekt der Europäischen Union auch deshalb bei Vielen in Verruf geraten, weil die Brüsseler Behörden, im Streben nach Vereinheitlichung, eine nie gesehene Regulierungswut an den Tag legen.

Der Mensch ist auf eindrucksvolle Weise zur Selbstorganisation in der Lage

Die Geschichte der Menschheit ist vor allem auch eine Geschichte der Kooperation. In kleinen und sinnvoll gegliederten Einheiten ist das Individuum dazu in der Lage, gemeinsame Lösungen für Probleme zu finden. Solche Lösungen sind angepasst an die lokalen Begebenheiten und die Präferenzen der Betroffenen. Wo immer Menschen aufeinandertreffen, entwickeln sie eigene Regeln für die Kooperation: sei es in der Firma, in der Schule, im Dorf, im Stadtteil, in der Nachbarschaft oder im lokalen Sportverein. Die Lösung der meisten „Probleme“, die in Wiesbaden, Berlin oder Brüssel identifiziert werden, ist weitaus besser in diesen kleinen Organisationseinheiten und nah am betroffenen Individuum angesiedelt, als in fernen Parlamenten und Behörden – den guten Absichten zum Trotz. Dafür ist es notwendig, dass wir alle das Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten zur Problemlösung zurückgewinnen. Und es ist notwendig, das Individuum einfach mal in Ruhe zu lassen.

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