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Chefvirologe: „Es gibt evolutionär keinen Weg zurück zu einem tödlicheren Virus“

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Nach Ansicht des Essener Virologie-Professors Ulf Dittmer stellt die Omikron-Variante eine große Chance für die Menschheit dar. Mit Omikron könnte sich die SARS-CoV-2-Pandemie auf das Niveau der saisonalen Influenza-Infektionen begeben. Allerdings sieht der Wissenschaftler aufgrund massiver Infektionen eine Gefahr auf unsere Infrastruktur zukommen. Von einer vierten Booster-Impfung zum jetzigen Zeitpunkt hält Dittmer jedoch nichts.

Die derzeit in Deutschland grassierende Corona-Variante Omikron gibt Grund zur Hoffnung. Die nach dem 15. Buchstaben im griechischen Alphabet benannte Mutation trat zuerst im November 2021 in Südafrika und in Botswana auf. Die Infektiösität von Omikron ist nochmals höher als die der hochinfektiösen Delta-Variante, die erstmals in Indien auftrat. Während Delta im tiefer gelegenen Lungengewebe zu schweren Erkrankungen führen kann, befällt Omikron eher die oberen Atemwege. Dies führt offenbar zu milderen Verläufen, aber auch explodierenden Infektionszahlen.

Ab Omikron immer milder?

Professor Ulf Dittmer, Leiter des virologischen Instituts des Universitätsklinikums Essen, nährt die Hoffnung, dass mit Omikron ein entscheidender Wendepunkt in der Pandemie gekommen ist: „Es gibt evolutionär keinen Weg zurück zu einem tödlicheren Virus“, meinte Dittmer in „19 – die Chefvisite“, der Video-Podcast-Reihe der Universitätsmedizin Essen (UME).

Laut dem Viren-Experten setze sich Omikron in den oberen Atemwegen fest, um sich besser verbreiten zu können. Für das Virus sei dies ein Vorteil, den es nicht mehr aufgeben werde. Die Folge seien weniger Todesfälle. Damit habe sich Omikron an den Verlauf einer Influenza-Welle „schon sehr angenähert“, so Dittmer, denn die um sich greifende Mutation befalle auch Geimpfte und Geboosterte, heißt es in einer Pressemitteilung zur Sendung.

Delta hätte Leichenberge hinterlassen

Zur Ansicht, dass es nun wohl scheint, dass die Impfgegner nun wohl behaupten könnten, „am Ende recht gehabt zu haben“, sagte Dittmer: Ohne den Impfschutz „hätten wir bei der Delta-Variante Leichenberge und dramatische medizinische Situationen gesehen“.

„Delta war ein absolut tödliches Virus“, so Dittmer, „sicherlich das schlimmste Virus, was wir in der Pandemie gehabt haben“.

Gefahr für die Infrastruktur

Von Omikron erwartet Dittmer eher, dass sich vielleicht noch infektiösere Varianten entwickeln, die dann aber nur noch im Nasen-Rachen-Bereich sich ansiedeln. Entwarnung könne man derzeit aber nicht geben. Der Experte erwartet, dass sich in den nächsten Monaten „ganz viele Menschen infizieren und kurzzeitig krank sind“. Es könne auch dazu kommen, dass die zentralen Infrastrukturen ausfallen, die Krankenhäuser, Wasser- und Stromversorgung. „Solche Szenarien laufen in den USA schon ab“, so Dittmer. Das seien die Aufgaben und Probleme der nächsten Monate.

Aktuell hält Dittmer jedoch nichts von einer vierten Impfung. Damit solle man bis vor dem Winter warten, um hauptsächlich die Risikogruppen zu schützen – „sehr analog zur Grippeimpfung“. Sinnvoll sei laut dem Essener Chefvirologen eine vierte Impfung auch nur mit „an Omikron angepassten Impfstoffen“.

Besser nicht speziell gegen Omikron impfen

Von einer solchen angepassten Impfung gegen Omikron warnte indes kürzlich der belgische Virologe Geert Vanden Bossche, der früher bei der Gates-Stiftung, für große Pharmaunternehmen in der Impfstoffentwicklung und Infektionsforschung sowie im Ebola-Programm der Global Alliance for Vaccines and Immunization (GAVI) tätig war.

Nachdem Vanden Bossche bereits im Frühjahr 2021 vor den Impfungen warnte und dass sich dadurch noch viel infektiösere Varianten bilden würden, sieht der Forscher Omikron nun als Glücksfall, „eine sehr gute Gelegenheit“, zwar hochinfektiös, aber mild im Verlauf. „Es ist wichtig zu erkennen, dass Omikron in der Tat mehr oder weniger als abgeschwächter Lebendimpfstoff dient und dass dies eine einzigartige Gelegenheit ist“, so Vanden Bossche. Man werde nach einem bedeutenden Anstieg der Infektionsfälle einen raschen Rückgang der Welle und der Krankheitsfälle haben.

Wenn man jetzt gegen Omikron impfe und das Virus damit einem großen Immundruck aussetze, nehme man der Bevölkerung die Möglichkeit, durch die Freisetzung der natürlichen Antikörper eine Herdenimmunität aufzubauen und die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass man Varianten fördere, die einen anderen Zugang zur Zelle hätten als den bisherigen Weg, den die Impfstoffe abzudecken versuchen. Vanden Bossche warnte diesbezüglich vor „katastrophalen Folgen“.

Omikron gegen Totalitarismus

Auch manche Politiker sehen in Omikron eine Chance. Die ehemalige Bundesfamilienministerin der CDU, Kristina Schröder, erhofft sich von Omikron einen Durchbruch in der Krise, wenn man es zulässt. Sie hoffe, dass auch Politiker und Wissenschaftler, die bisher der No-Covid-Ideologie anhingen, diese gedankliche Offenheit hinbekämen. Schröder meinte, sie sei keine Expertin, es gebe aber eine entsprechende internationale Debatte in Wissenschaft und Politik.

Gegenüber der „Bild“ zeigte sich Schröder jedoch auch skeptisch, ob man in Deutschland das auch umsetzen könne. Laut der Ex-Ministerin säßen im Expertenrat der Bundesregierung einige Wissenschaftler, die sich schon früher als Anhänger der radikalen No-Covid-Ideologie bekannt hätten. Das sei genau das Gegenteil dessen, eine milde Variante des Virus zuzulassen. Man würde ansonsten die Freiheitsrechte der Menschen für viele Jahre massiv einschränken. Sie halte das letztlich für eine „totalitäre Ideologie“.



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