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Lohnzurückhaltung und geringere Gesamtnachfrage

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Seit den späten 1970er Jahren ist der Anteil der Löhne sowohl in den Industrieländern als auch in den Entwicklungsländern zurückgegangen, während die Gewinnquote gestiegen ist.Tatsächlich ist die Lohnquote laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in 91 von 133 Ländern gesunken.Auch die Daten von IWF und der OECD zeigen einen ähnlichen Trend, bekräftigt Karl-Petter Thowaldsson in einem ...

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Seit den späten 1970er Jahren ist der Anteil der Löhne sowohl in den Industrieländern als auch in den Entwicklungsländern zurückgegangen, während die Gewinnquote gestiegen ist.

Tatsächlich ist die Lohnquote laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in 91 von 133 Ländern gesunken.

Auch die Daten von IWF und der OECD zeigen einen ähnlichen Trend, bekräftigt Karl-Petter Thowaldsson in einem lesenswerten Eintrag auf dem WEF-Portal.

Die Folgen sind wachsende Einkommensungleichheit, geringere Gesamtnachfrage und langsameres Wachstum der Arbeitsproduktivität.

Die Lohnzurückhaltung lastet also auf dem Wirtschaftswachstum, wie mehrere Studien belegen. 

Lohnzurückhaltung und geringere Gesamtnachfrage

Anteil der Löhne am BIP, Graph: WEF, Jan 2018


Wie wird aber das BIP angetrieben, wenn die Löhne nicht mehr zum Wachstum beitragen?

Es gibt möglicherweise zwei Wege. 

Der erste ist die Verschuldung: Die privaten Haushalte verschulden sich, um den Konsum zu stützen. Die Schattenseite ist, dass die Schulden steigen und Blasen in den Anlagemärkten (einschliesslich Immobilien) verursachen.

Der zweite ist das Exportgeschäft: Das BIP-Wachstum wird durch die Netto-Exporte vorangetrieben, v.a. durch die Unterdrückung der Löhne. Die anderen Länder werden an die Wand gefahren. Mit der Kürzung der Lohnstückkosten wird zudem auch die Arbeitslosigkeit exportiert. 

Die beiden Wege sind symbiotisch, wie der Autor der Analyse darlegt. Der erste hängt von Netto-Kapitalzuflüssen ab, um den schulden-getriebenen Konsum zu stützen, während der zweite von Netto-Kapitalabflüssen und einem Leistungsbilanzüberschuss abhängt.

Beide Strategien sind auf lange Sicht nicht nachhaltig. 

Wie können aber anständige Löhne wiederhergestellt werden?

Viele Ökonomen argumentieren, dass der technologische Fortschritt und die Globalisierung die Schlüsselfaktoren für die sinkende Lohnquote sind. Das bedeutet, dass wir nichts tun können, um die Situation zu ändern.

Jüngste empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass die schwächere Verhandlungsposition (weaker bargaining position) der Arbeitnehmer die wichtigste Erklärung für den fallenden Lohnanteil ist.

Das ist teilweise eine Folge des technologischen Wandels und der Globalisierung, aber auch der Deregulierung der Finanzmärkte, des Rückgangs des Wohlfahrtstaates und einer sinkenden gewerkschaftlichen Dichte.

Die Schlussfolgerung ist, dass es absolut möglich ist, den Lohnanteil durch die richtige Politik wiederherzustellen:

Mit starken Gewerkschaften, Bereitstellung von Ausbildungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer und eines sozialen Sicherheitsnetzes können die negativen Auswirkungen anderer Faktoren ausgeglichen werden, wie die nordischen Länder beweisen.



PS: 

Alan Krueger und Eric Posner schreiben in einem lesenswerten Artikel ("Corporate America is suppressing wages for many workers") in NYTimes, dass Unternehmen in Amerika die Löhne für viele Arbeitnehmer unterdrücken.

Der Grund sei die "Monopson-Macht" (monopsony power), d.h. die Fähigkeit des Arbeitgebers, die Löhne unter dem effizienten oder vollkommen wettbewerbsfähigen Niveau der allgemeinen Vergütung zu halten.

Unternehmen haben nicht nur über ihre Verbraucher, sondern auch über ihre Arbeitnehmer eine Verhandlungsmacht. Arbeitnehmer akzeptieren niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen, weil es für sie nur wenige alternative Beschäftigungsmöglichkeiten gibt oder weil der Wechsel von Arbeitsplätzen kostspielig ist. M.a.W. konkurriert auf dem Arbeitsmarkt effektiv eine kleine Anzahl von Arbeitgebern um die Arbeitskräfte.









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