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Importzölle: Im Auftrag des Teufels oder Wirtschaftsmodelle im Konflikt

Summary:
US Präsident Donald Trump hat am Donnerstag Strafzölle auf Stahl (25%) und Aluminium (10%) angekündigt und per Twitter mitgeteilt, dass Handelskriege gut und leicht zu gewinnen sind. Die protektionistische Massnahme der US-Administration hat weltweit eine harsche Kritik ausgelöst. Die Aktienmärkte haben mit Kursverlusten darauf reagiert. Die WTO ist besorgt. Und die EU wehrt sich.Heiner Flassbeck, der ...

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US Präsident Donald Trump hat am Donnerstag Strafzölle auf Stahl (25%) und Aluminium (10%) angekündigt und per Twitter mitgeteilt, dass Handelskriege gut und leicht zu gewinnen sind. 

Die protektionistische Massnahme der US-Administration hat weltweit eine harsche Kritik ausgelöst. Die Aktienmärkte haben mit Kursverlusten darauf reagiert. Die WTO ist besorgt. Und die EU wehrt sich.

Heiner Flassbeck, der ehem. Chefvolkswirt der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung der UNCTAD legt in einem Rundfunk-Interview nahe, zunächst einmal zur Kenntnis zu nehmen, dass die USA und Europa sich bezüglich des Handels in einer völlig anderen Situation befinden. 

Europa hat riesige Überschüsse, die in erster Linie die deutschen Überschüsse sind, und die USA haben Defizite seit 30 Jahren.

Flassbeck deutet auf die Lohnzurückhaltung in Deutschland als einen auslösenden Faktor hin, die vor 15 Jahren dazu geführt hat, dass Deutschland extrem wettbewerbsfähig geworden ist, und zwar unter dem Schutz des unterbewerteten Euro.

Importzölle: Im Auftrag des Teufels oder Wirtschaftsmodelle im Konflikt

US-Handelsdefizit, Graph: Paul Krugman, NYTimes, March 3, 2018


Zur Erinnerung: Hans-Werner Sinn hat vor genau einem Jahr in seiner Kolumne ("Eine Antwort auf die Vorwürfe von Präsident Trump") bei Project Syndicate festgehalten, dass Deutschland seine Waren extrem günstig verkauft:

Der EUR ist gegenüber dem USD zu billig, und Deutschland ist gegenüber den Handelspartnern im Euro zu billig. Die Unterbewertung impliziert eine hohe Nachfrage nach deutschen Waren im Ausland und zugleich eine Zurückhaltung der Deutschen beim Import.

Die USA weisen im Aussenhandel ein Defizit von 3% des BIP auf. Und die Lücke im Handel beträgt rund 500 Mrd. USD, während die Importe rund 15% der US-Wirtschaftsleistung ausmachen, bemerkt Paul Krugman in seinem Blog bei NYTimes.

Wenn die Preiselastizität der Import-Nachfrage bei etwa 1 liegt, wie eine typische Schätzung für den kurz- bis mittelfristigen Lauf suggeriert, könnte ein pauschaler Tarif von 20%, bei sonst gleichen Umständen, ausreichen, das Defizit zu schliessen, betont Krugman.

Aber die anderen Dinge sind nicht gleich.

Selbst wenn die ausländischen Handelspartner keine Vergeltungsmassnahmen ankündigen würden, würde die Rechnung nicht aufgehen.

Der Punkt ist, dass eine Ablenkung der Nachfrage in Höhe von 3% des BIP von ausländischen auf inländische Produkte die US-Produktion (output) nicht um 3% erhöhen würde, im Vergleich zu dem, was sie sonst gewesen wäre, geschweige denn um 4,5%, was man erwarten müsste, wenn es einen Multiplikator-Effekt gäbe.

Warum?

Weil die US-Wirtschaft der Vollbeschäftigung nahe ist. Vielleicht kann die Arbeitslosigkeit noch einen halben Punkt nachlassen. Aber ein Anstieg der Produktion um 3% müsste die Arbeitslosigkeit um das Dreifache reduzieren, nämlich auf 1,5%. Das ist schlicht und einfach nicht möglich.

Was stattdessen passieren würde, liegt auf der Hand: Die Fed würde die Zinsen stark erhöhen, um den Inflationsdruck abzuwenden, weil ein Zoll von 20% die Preise direkt um etwa 3% erhöhen würde.

Der Anstieg der Zinsen hätte andererseits zwei grosse Auswirkungen: 

(1) Die zinssensitiven Sektoren würden davon negativ betroffen. Man denke an die Immobilienmärkte. 

(2) Der USD würde sich aufwerten, d.h. an Wert gewinnen und damit dem US-Exportsektor schweren Schaden zufügen.

Fazit: Der Protektionismus würde laut Krugman nicht sehr viel dazu beitragen, das Handelsdefizit zu verringern, selbst wenn andere Länder sich mit Gegenmassnahmen nicht rächen würden.

Im Verhältnis Europa-USA kommt es laut Flassbeck darauf an, ob Europa bereit ist, ein anderes Wirtschaftsmodell umzusetzen, wo es sich wie die USA auf seinen Binnenmarkt konzentriert, anstatt auf seine Fahne zu schreiben, dass alle wettbewerbsfähiger werden müssen, wie Frau Merkel es öffentlich vertritt. 

Denn das ist auch eine Form von Ankündigung eines Handelskrieges, worüber wir kaum reden, was ja nur zu Lasten der USA gehen kann. Wettbewerbsfähigkeit ist nämlich ein relatives Konzept: der Gewinn des einen ist der Verlust des anderen.









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