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Finger weg von den Preisen!

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Photo: Markus Spiske from Unsplash (CC 0) Forderungen nach direkten Preiseingriffen hört man eigentlich aus linken Kreisen: Höhere Lebensmittelpreise sollen das Tierwohl befördern. Steigende Mindestlöhne gegen Ausbeutung helfen. Und Mietendeckel vor Wucher schützen. Vor dem Hintergrund der kürzlich stark gestiegenen Strom-, Gas- und Benzinpreise bringen nun allerdings auch Stimmen aus anderen politischen Lagern eine pauschale Subvention für Benzin ins Spiel. Grund genug, sich noch einmal grundlegend mit der Funktion von Preisen und der wettbewerbsverzerrenden Wirkung von Subventionen in einer Volkswirtschaft auseinanderzusetzen. Das Dilemma mit Subventionen lässt sich eigentlich in einem Satz subsumieren: Preise haben Anreizwirkungen. Das Preissystem ist ein ausgeklügeltes

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Photo: Markus Spiske from Unsplash (CC 0)

Forderungen nach direkten Preiseingriffen hört man eigentlich aus linken Kreisen: Höhere Lebensmittelpreise sollen das Tierwohl befördern. Steigende Mindestlöhne gegen Ausbeutung helfen. Und Mietendeckel vor Wucher schützen. Vor dem Hintergrund der kürzlich stark gestiegenen Strom-, Gas- und Benzinpreise bringen nun allerdings auch Stimmen aus anderen politischen Lagern eine pauschale Subvention für Benzin ins Spiel. Grund genug, sich noch einmal grundlegend mit der Funktion von Preisen und der wettbewerbsverzerrenden Wirkung von Subventionen in einer Volkswirtschaft auseinanderzusetzen.

Das Dilemma mit Subventionen lässt sich eigentlich in einem Satz subsumieren: Preise haben Anreizwirkungen. Das Preissystem ist ein ausgeklügeltes Kommunikationsmedium, das den massenhaften und anonymen Austausch zwischen diversen Markteilnehmner erst ermöglicht. Will man direkt in die Preise eingreifen, ändern man das Anreizsystem. Im Englischen gibt es eine schöne Redewendung: „Don’t shoot the messenger.“ Steigende Preise überbringen lediglich die schlechte Nachricht, der eigentliche Grund für die Preiserhöhung von Gas und Öl liegt allerdings woanders. Will man jetzt Preise regulieren, erschießt man lediglich den Boten, ohne die Ursachen zu adressieren.

Politiker sollten nun das Rückgrat haben, der Wählerschaft zu vermitteln, dass man sie nicht vollständig vor den Folgen der hohen Energiepreise schützen kann. Die wesentliche Ursache der steigenden Öl- und Gaspreise ist der brutale Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, der uns alle dauerhaft ärmer gemacht hat. Da man das Angebot an Gas und Öl kurzfristig kaum signifikant erhöhen kann und die Substitutionselastizitäten für viele Haushalte gering ausfallen dürften, ist der Spielraum der Politik hier begrenzt. Hinzu kommt, dass Subventionen für die gesamte Bevölkerung sozialpolitisch wenig zielgenau sind. Durch die pauschale Subvention von Benzin profitieren insbesondere Markteilnehmer, die einen ohnehin schon hohen Benzinverbrauch haben und nun einen noch geringeren Anreiz verspüren, Einsparungen vorzunehmen. Solche pauschalen Maßnahmen unterscheidet somit nicht zwischen Haushalten mit verschiedenen Elastizitäten und Einkommensniveaus. Man subventioniert wohlhabende Freizeitautofahrer im selben Maße wie ärmere Haushalte, die auf das Auto angewiesen sind.

Allerdings ist die Politik in einer solchen Situation nicht vollkommen machtlos. Haushalte, die besonders hart von den steigenden Preisen betroffen sind, können beispielsweise durch gezielte Einkommenstransfers entlastet werden. Um einen übermäßigen Mark-Up von Unternehmen zu verhindern, sollten nationale Wettbewerbsbehörden genau auf die Entwicklungen der Profitmargen schauen und sich die Option offenhalten, notfalls auch ex post Strafen gegen exorbitante Margen zu verhängen. Im Gegensatz zu Subventionen beeinflussen Einkommenstransfers die Informationswirkung der Preise nicht und der Anreiz zur Einsparung von Benzin wird unverändert an den Konsumenten weitergegeben.

Die höheren Preise für Öl und Gas dämpfen nicht nur die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, da Haushalte nun einen größeren Teil ihres verfügbaren Einkommens für Sprit und Heizkosten ausgeben, sondern stören auch die Angebotsseite. Eigentlich rentable Unternehmen können durch die gestiegenen Energiepreise dauerhaft vom Markt verschwinden. Schaut man zusätzlich noch nach China, wo sich aufgrund der Corona-Pandemie und der Schließung wichtiger Fertigungshubs neue negative Angebotsschocks zusammenbrauen, schaut die mittelfristige ökonomische Großwetterlage eher düster aus. Gerade in diesen strapaziösen Zeiten ist es wichtig, den Rufen der Sirenen zu widerstehen und direkten Eingriffen in das Preissystem eine scharfe Absage zu erteilen. Wir befinden uns aktuell wahrscheinlich erst am Beginn eines ökonomischen Hindernismarathons. Insofern gilt es, zunächst erst einmal cool zu bleiben, und nicht sein gesamtes Pulver auf den ersten Kilometern zu verschießen. Pauschale Subventionen werden uns jedenfalls nicht weit bringen.

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