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Deutsche Mark: Eine ironische Geschichte

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Ab dem 28. Februar 2002 mussten Händler keine Deutsche Mark mehr annehmen. Foto: Joerg Sarbach (Keystone, AP) Die Bundesbank feiert dieses Jahr ihren 60. Geburtstag – eine Gelegenheit, kurz auf die moderne Geschichte der deutschen Währung zurückzublicken. Im Gegensatz zur schweizerischen Geschichte war sie voller Brüche und endete mit einer ironischen Wendung. Zunächst war die deutsche Währung zweimal ein Misserfolg, und als sie im dritten Anlauf endlich erfolgreich war, wurde das Experiment freiwillig abgebrochen. Die erste Phase begann 1876, fünf Jahre nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs. Die Reichsbank nahm ihre Arbeit auf, die Mark wurde als Einheitswährung ins Leben gerufen. Die neue deutsche Goldwährung war zunächst ein grosser Erfolg. Deutschland hatte Preis- und Währungsstabilität. Es gab zwar Bankenkrisen, aber die Reichsbank war in der Lage, eine systemische Krise zu verhindern. Keine Normalisierung nach der Niederlage Doch dann kam der Erste Weltkrieg, der alles änderte. Die Staatsschulden stiegen, die Reichsbank finanzierte einen grossen Teil dieser Schulden, und entsprechend entstand Inflation. Nach der Kriegsniederlage trat keine Normalisierung ein. Im Gegenteil. Deutschland war innenpolitisch gespalten, und die Auseinandersetzungen um die Reparationsfrage mündeten in der Besetzung des Ruhrgebiets durch belgische und französische Truppen.

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Deutsche Mark: Eine ironische Geschichte

Ab dem 28. Februar 2002 mussten Händler keine Deutsche Mark mehr annehmen. Foto: Joerg Sarbach (Keystone, AP)

Die Bundesbank feiert dieses Jahr ihren 60. Geburtstag – eine Gelegenheit, kurz auf die moderne Geschichte der deutschen Währung zurückzublicken.

Im Gegensatz zur schweizerischen Geschichte war sie voller Brüche und endete mit einer ironischen Wendung. Zunächst war die deutsche Währung zweimal ein Misserfolg, und als sie im dritten Anlauf endlich erfolgreich war, wurde das Experiment freiwillig abgebrochen.

Die erste Phase begann 1876, fünf Jahre nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs. Die Reichsbank nahm ihre Arbeit auf, die Mark wurde als Einheitswährung ins Leben gerufen. Die neue deutsche Goldwährung war zunächst ein grosser Erfolg. Deutschland hatte Preis- und Währungsstabilität. Es gab zwar Bankenkrisen, aber die Reichsbank war in der Lage, eine systemische Krise zu verhindern.

Keine Normalisierung nach der Niederlage

Doch dann kam der Erste Weltkrieg, der alles änderte. Die Staatsschulden stiegen, die Reichsbank finanzierte einen grossen Teil dieser Schulden, und entsprechend entstand Inflation. Nach der Kriegsniederlage trat keine Normalisierung ein. Im Gegenteil. Deutschland war innenpolitisch gespalten, und die Auseinandersetzungen um die Reparationsfrage mündeten in der Besetzung des Ruhrgebiets durch belgische und französische Truppen. Die Arbeiter leisteten passiven Widerstand, und die Reichsregierung in Berlin zahlte die Löhne mit der Druckerpresse der Reichsbank. Es dauerte nicht lange, bis die Hyperinflation die Mark im Jahr 1923 zerstörte (Quelle).Deutsche Mark: Eine ironische Geschichte

Die zweite Phase begann 1924, als die Reichsmark nach einer Währungsreform als Goldwährung eingeführt wurde. Bereits 1931 kam die Währung unter Druck. Zur Verteidigung führte die Reichsregierung unter Kanzler Brüning Kapitalverkehrskontrollen ein. Ab 1933 wurden diese Kontrollen verstärkt. Gleichzeitig führte die schnelle Aufrüstung zu Inflation. So war die deutsche Währung bereits vor Ausbruch des Kriegs de facto stark entwertet, nur de jure war sie weiterhin auf dem alten Niveau.

Der Zweite Weltkrieg, die Kriegsniederlage und die turbulente Nachkriegsperiode ruinierten die Reichsmark vollends. Erneut war eine Währungsreform notwendig. 1948 kam es zur Einführung der Deutschen Mark (DM) in Westdeutschland und der Gründung der Bank der deutschen Länder (ab 1957 Deutsche Bundesbank).

Ein Machtverlust

Wie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war die deutsche Währung äusserst stabil. Und diesmal dauerte die Phase der Stabilität länger als damals. Zwischen 1876 und 1914 lagen 38 Jahre, zwischen 1948 und 1999, als der Euro als Buchgeld eingeführt wurde, waren es immerhin 50 Jahre. Aber wiederum kam der Erfolg zu einem Ende. Die BRD hatte den Vertrag von Maastricht (1992) angenommen und dadurch die monetäre Souveränität preisgegeben.

Anders als die Mark und die Reichsbank ist zwar der Euro keine Inflationswährung geworden. Insofern lebt die DM weiter. Aber die Deutschen haben nun gar keine eigene Währung mehr. Die Bundesbank existiert zwar noch, aber hat nicht mehr die Macht, die sie vor der Einführung des Euro besessen hatte.

1998 war insofern ein Jahr voller Ironie. Während das offizielle Deutschland den 50-jährigen Geburtstag der DM feierte, feierte man auf europäischer Ebene die Einführung des Euro. Die Geburtsfeier überschattete die Geburtstagsfeier.

Tobias Straumann
Tobias Straumann (* 15. Mai 1966 in Wettingen) ist ein Schweizer Wirtschaftshistoriker. Tobias Straumann studierte Geschichte, Soziologie und Wirtschaft- und Sozialgeschichte in Zürich, Paris und Bielefeld. 1995 promovierte er bei Rudolf Braun an der Universität Zürich mit der Arbeit «Die Schöpfung im Reagenzglas. Eine Geschichte der Basler Chemie (1860–1920)». 1995–2000 arbeitete er als Journalist in Zürich, Zug und New York. 2005–2006 war er Oberassistent am Institut de l’histoire économique et sociale der Universität Lausanne.

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