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Lockdown-Guru Tomas Pueyo: „Es ist Zeit, dass wir wieder anfangen zu leben“

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Während die Bundesregierung für Mitte Februar Hunderttausende Neuinfektionen prognostiziert, sieht der Mann, der „Flatten the Curve“ erfand, den Endspurt im Kampf gegen die Pandemie gekommen. Die größte Gefahr sieht er darin, dass die Regierungen den Ausstieg nicht finden.

Während Länder wie Großbritannien, Frankreich, Spanien und selbst Israel die Corona-Maßnahmen lockern wollen, goss Gesundheitsminister Karl Lauterbach zuletzt erneut Öl ins Feuer. „Omikron ist nicht das Ende von Corona“, warnte der SPD-Politiker erst kürzlich.

Lauterbach könnte bald – neben der österreichischen Regierung, die jüngst die allgemeine Impfpflicht verfügte –allein auf weiter Flur stehen.

Denn selbst einer der Pioniere besonders harter Corona-Maßnahmen schwenkte nun um. Tomas Pueyo, der Erfinder des Lockdowns, fordert das schnelle Ende aller Maßnahmen. Mit „Game over“, hat der 40-Jährige seinen jüngsten Aufsatz überschrieben. 

Erfinder des Lockdowns wechselt die Spur

Im März 2020 ging „Coronavirus: Why we must act now“ viral und wurde zwischenzeitlich in 37 Sprachen übersetzt. Binnen kürzester Zeit lasen ihn 50 Millionen Menschen. Wenn die Welt nicht dem Beispiel Wuhans folge und sofort harte Lockdowns verhänge, drohe überall der Zusammenbruch des Gesundheitssystems, lautete die Quintessenz seines Thesenpapiers, das die meisten Staaten zur Grundlage ihrer rigiden Maßnahmen-Pakete machten. 

Es war eine Kuriosität, die so nur Corona schreiben kann. Denn Pueyo ist Datenanalyst und Verhaltenspsychologe – ohne gesundheitlichen oder epidemiologischen Hintergrund.

Seine mangelnde medizinische Expertise zeigte sich nicht zuletzt darin, dass er den Ausbruch des Coronavirus bereits Mitte März 2020 mehrfach als „Pandemie“ bezeichnete – zu einem Zeitpunkt als die WHO allenfalls über dieses Thema diskutierte. 

Nun also seine Entwarnung. „Covid ist jetzt mehr als zehnmal weniger tödlich als eine normale Grippe“, zieht Pueyo Bilanz, räumt aber in einer Fußnote ein, dass es sich dabei um grobe Schätzungen handle. Das Ende der Pandemie könne bereits in knapp einem Monat da sein.

Entwickle sich die Omikron-Variante auch in anderen Staaten wie in Südafrika, könnte die aktuelle Welle „bis Mitte-Februar“ überstanden sein, macht Pueyo Mut. „Danach sollten wir uns alle auf das Endspiel vorbereiten.“

„Jetzt ist es an der Zeit, den Staat zu reduzieren“

Nach dem Ende der Omikron-Welle dürften die meisten Menschen eine Form von Immunität haben, glaubt Pueyo. Für die Politik sei es an der Zeit, die Corona-Maßnahmen zurückzufahren – auch um das Vertrauen in der Bevölkerung zu stärken.

Die Regierungen sollten deshalb ein Enddatum für alle Corona-Maßnahmen festlegen. Lockdowns sollten dabei nur in einer sehr ernsten Lage eine Option sein.

Auch die Maskenpflicht sollte abgeschafft, während Impfkampagnen und die Test-Strategien vorangetrieben werden. „Vor zwei Jahren war es an der Zeit, mutig zu handeln und den Staat auszuweiten. Jetzt ist es an der Zeit, ihn zu reduzieren“, schreibt Pueyo.

Die größte Gefahr sieht der Stanford-Absolvent inzwischen darin, dass die Menschen nicht begreifen, dass die Corona-Gefahr überwunden sei – und dass die Regierungen, die sich an ihre „Spielzeuge“ gewöhnt haben, einfach weiter Maßnahmen verhängen.

Fragt sich, ob die Bundesregierung ebenso schnell entwarnt wie Pueyo und einige weitere Länder, die ihre Maßnahmen zunehmend lockern. Während Gesundheitsminister Karl Lauterbach seinen Dauerwarnungen treu bleiben dürfte, scheinen Andere die neue Lage zu erkennen.

Selbst Charité-Virologe Christian Drosten kann sich vorstellen, dass der Zustand der Endemie bis Ende dieses Jahres erreicht wird. Seine Fachkollegen Klaus Stöhr und Hendrik Streeck erwarten schon eine Entspannung der Lage im Sommer. 



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