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Parkplatzblues

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Urs Birchler Unser Preisüberwacher hat zugeschlagen. Der Preis für eine Dauer-Parkbewilligung in der blauen Zone soll den Kosten entsprechen. Klingt ökonomisch, ist aber in der Umsetzung das Gegenteil. Als Kosten rechnet er die fiktive Miete der Fläche, die Kosten für Asphalt und Farbe (inkl. Abschreibung) und dergleichen. Man könnte auch den Lohn der Polizei noch dazurechnen, die gelegentlich überprüft (Fachausdruck: Kontrolle stehender Verkehr), ob alle vier Reifen innerhalb des Gevierts stehen . Der mit Abstand wichtigste Kostenbestandteil geht dabei vergessen: Die Kosten, die ich durch Beanspruchung des Parkplatzes jenen andern auferlege, die ihn nicht gleichzeitig benützen können. Abschätzen liessen sich diese mit dem Preis, denn die/der Meistbietende in einer Auktion für die

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Urs Birchler

Unser Preisüberwacher hat zugeschlagen. Der Preis für eine Dauer-Parkbewilligung in der blauen Zone soll den Kosten entsprechen. Klingt ökonomisch, ist aber in der Umsetzung das Gegenteil. Als Kosten rechnet er die fiktive Miete der Fläche, die Kosten für Asphalt und Farbe (inkl. Abschreibung) und dergleichen. Man könnte auch den Lohn der Polizei noch dazurechnen, die gelegentlich überprüft (Fachausdruck: Kontrolle stehender Verkehr), ob alle vier Reifen innerhalb des Gevierts stehen .

Der mit Abstand wichtigste Kostenbestandteil geht dabei vergessen: Die Kosten, die ich durch Beanspruchung des Parkplatzes jenen andern auferlege, die ihn nicht gleichzeitig benützen können. Abschätzen liessen sich diese mit dem Preis, denn die/der Meistbietende in einer Auktion für die Parkkarte geboten hätte. Ähnlich der Stau: Die echten Kosten eines Staus bestehen nicht in der Miete des Bodens, auf dem mein Auto gerade zu stehen kommt, sondern in der Behinderung aller andern.

Mit der Kostenlogik des Preisüberwachers könnte ich verlangen, dass mir jemand eine Blaue Mauritius für zwei Pence (zuzüglich Zins seit 1847) verkauft. Die Meistbietenden zahlen jedoch für das blaue Viereck bis eine Million.

Halt: Eine blaue Briefmarke ist kein blauer Parkplatz! Gerade die Ärmeren brauchen ein günstiges Parkfeld, meint der Preisüberwacher. Die Reichen hätten ihre Karosse privat im geheizten Carport. Da haben wir es wieder: Jene, die wirklich knapp sind, haben kein Auto. Nur jene, die eins haben, werden subventioniert. Wie schon bei der Verbilligung des Bahnabos für Autofahrer (nicht aber für Fussgänger). Was der Preisüberwacher versucht, ist Sozialpolitik via Verbilligung einzelner Güter, eine bekanntermassen unbeholfene Methode. Sie ist aber offenbar wichtig genug, um forsch in die Gemeindeautonomie hineinzuschwatzen.

Man soll ja nicht auf den Mann zielen; er meint es gut. Aber er vertritt auch die Idee der „Gierflation“, die Idee, dass die Preise steigen, weil die Unternehmen (plötzlich!) geldgierig sind. (Im Gegensatz wohl zur den Interessenten an Parkkarten.) Das heisst: Der Mann hat eine akute Allergie gegen ökonomischen Basisverstand. Die gute Nachricht: Das wäre im Prinzip heilbar. Ich offeriere drei Probelektionen gratis.

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Urs Birchler
Professor für Banking am Institut für Banking und Finance (IBF) an der Universität Zürich. Doktorat in Volkswirtschaftslehre; mehrjährige Tätigkeit als Direktionsmitglied bei der Schweizerischen Nationalbank, einschliesslich Vertretung der SNB im Basler Ausschuss für Bankenaufsicht; Aufbau und Leitung der Research Task Force des Basler Ausschusses. Forschungsschwerpunkte: Banken, Finanzmärkte, Regulierung, Informationsökonomik.

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