Thursday , November 15 2018
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Mehr Investitionen, mehr Freiräume: Trumps Steuerreform mobilisiert auch deutsche Unternehmen

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Für die etablierten Parteien, die Medien und eine überwältigende Mehrheit der deutschen Bürger ist Donald Trump ein Ärgernis, wenn nicht gar eine Gefahr. Das Verhältnis zwischen positiven, neutralen und kritischen Berichten über seine Regierungspolitik und die jüngste Ängste-Studie der R+V-Versicherung sprechen eine deutliche Sprache. Etwas anders sehen hingegen deutsche Unternehmer die Sache, und dabei vor allem jene, die bereits in den USA Geschäfte machen oder Niederlassungen betreiben. Die große Steuerreform, die der US-Präsident Ende des vergangenen Jahres durch den Kongress gebracht hatte, sollte die Vereinigten Staaten wieder zum beliebten Investitionsstandort machen und eine neue Dynamik schaffen. „Die Welt“ räumt nun ein, dass diese Taktik Trumps „in Teilen aufzugehen“

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Für die etablierten Parteien, die Medien und eine überwältigende Mehrheit der deutschen Bürger ist Donald Trump ein Ärgernis, wenn nicht gar eine Gefahr. Das Verhältnis zwischen positiven, neutralen und kritischen Berichten über seine Regierungspolitik und die jüngste Ängste-Studie der R+V-Versicherung sprechen eine deutliche Sprache.

Etwas anders sehen hingegen deutsche Unternehmer die Sache, und dabei vor allem jene, die bereits in den USA Geschäfte machen oder Niederlassungen betreiben. Die große Steuerreform, die der US-Präsident Ende des vergangenen Jahres durch den Kongress gebracht hatte, sollte die Vereinigten Staaten wieder zum beliebten Investitionsstandort machen und eine neue Dynamik schaffen. „Die Welt“ räumt nun ein, dass diese Taktik Trumps „in Teilen aufzugehen“ scheint.

Der Kern der Reform war so einfach wie wirkungsvoll – die Bundessteuern wurden drastisch gekürzt, so sank etwa die Körperschaftsteuer des Bundes von 35 Prozent auf nur noch 21 Prozent. Die Unternehmen finden großzügigere Möglichkeiten für Abschreibungen vor. Darüber hinaus sagte die Regierung Trump der Bürokratie und dem Dickicht an Regulierung den Kampf an, das sich im Laufe der vorangegangenen Jahre und Jahrzehnte seit dem Ende der Ära Reagan angesammelt hatte.

Trumps Reformen haben Dynamik in US-Wirtschaft zurückgebracht

Die erhoffte Wirkung blieb nicht aus: Verbraucher gewannen ihr Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung zurück, US-amerikanische Unternehmen wagten neue Investitionen oder aktivierten geplante, die sie zuvor zurückgestellt hatten. Abgewanderte Unternehmen kamen zurück und ausländische gingen neu in die USA.

Deutsche Unternehmen machten dabei keine Ausnahme. Wie „Die Welt“ unter Berufung auf das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut ifo berichtet, will auch ein großer Teil jener deutschen Firmen, die bereits mit Betriebsstätten in den USA präsent sind, infolge der Steuerreform zusätzlich investieren.

Jedes vierte bereits in den USA vertretene deutsche Unternehmen will demnach bestehende Kapazitäten ausweiten, etwa 14,2 Prozent sogar neue Kapazitäten schaffen. Aus mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen heißt es, man habe infolge der neuen Regelungen mehr Geld in der Kasse. Insgesamt wollen zehn Prozent aller 1250 befragten deutschen Unternehmen ihre Kapazitäten in den USA ausweiten oder neue Betriebsstätten schaffen.

Im Gegenzug bedeutet das: Jede Investition, die deutsche Unternehmen in den USA vornehmen, findet gleichzeitig nicht in Deutschland statt. Das mag aus Sicht der Regierenden auf den ersten Blick als wenig relevant erscheinen. Immerhin sind 70 Prozent aller deutschen Unternehmen auf so weitläufige internationale Engagements von vornherein nicht ausgerichtet und können deshalb auch nicht von den US-Regelungen profitieren. Andererseits sind es meist die größeren und flexibleren Unternehmen, für die ein Engagement in den USA in Betracht kommt. Und die können Deutschland auch in Richtung anderer Länder verlassen.

Belgien und Frankreich beschließen drastische Entlastungen für Unternehmen

Immerhin hat sich der Erfolg der Steuerreform, die Trump auf den Weg gebracht hat, mittlerweile herumgesprochen. Die Folge ist, dass auch andere Länder aktiv darüber nachdenken, ihre Unternehmensbesteuerung drastisch zu reformieren. Einige haben dies sogar schon veranlasst.

„Die Welt“ nennt einige Beispiele von diesseits des Atlantiks: Belgien will die Steuerbelastung seiner Unternehmen bis 2020 von 34 auf 25 Prozent senken, Frankreich seine von 33,33 auf ebenfalls 25. Großbritannien will gar von 20 auf 17 Prozent gehen. Italien, Dänemark und die Slowakei beschreiten einen ähnlichen Weg. Andere hatten ihre Unternehmenssteuern bereits im Laufe der vorangegangenen Jahre gesenkt.

In Deutschland hat sich in diesem Bereich hingegen seit 2008 nichts mehr getan und wie es aussieht, liegen die Prioritäten der Regierenden weiterhin anderswo. Und das, obwohl Volkswirte wie Dieter Bräuninger von Deutsche Bank Research von einem „großen Reformbedarf“ sprechen, der sich angestaut habe – und über „hohe Steuersätze, restriktive Abschreibungsmöglichkeiten und ein immer komplexeres Steuerrecht“ klagen.

Wolfgang Steiger, der Generalsekretär des Wirtschaftsrats der CDU, diagnostiziert einen „steuerpolitischen Tiefschlaf“ in Deutschland. Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Maschinenbauverbands VDMA, mahnt: „Sind erst einmal Investitionen in anderen Wirtschaftsräumen aufgesetzt worden, lässt sich das verlorene Geschäft nur schwer zurückholen. Deshalb muss jetzt gehandelt werden.“

Fachkräfte kommen, Arbeitsplätze gehen?

Auch wenn eine Vielzahl von Verbandsfunktionären der deutschen Wirtschaft die Grenzöffnung der Bundeskanzlerin Angela Merkel 2015 für vorwiegend junge, männliche Einwanderer als vermeintliche Investition in die Fachkräfte von morgen begrüßt hatte: Der internationale Steuerwettbewerb, den Deutschland zu ignorieren scheint, könnte Arbeitsplätze gar nicht erst entstehen lassen.

Vor allem große und international tätige Unternehmen fürchten Nachteile im globalen Wettbewerb. Wer es sich leisten kann und über die erforderlichen Voraussetzungen verfügt, investiert deshalb außerhalb Deutschlands. Zudem, so „Die Welt“, will jedes fünfte international tätige Unternehmen als Reaktion auf den Steuerwettbewerb Kosten senken, acht Prozent wollen hierzulande Kapazitäten abbauen, sprich: Stellen streichen.

Politiker, Medien und die Mehrheit der Deutschen mögen sich durch diese Entwicklung in ihrer moralischen Empörung über Trump bestärkt sehen. Als ob es nicht ausgereicht hätte, aus dem Weltklimavertrag auszusteigen, die Grenzen zu schließen, durch Sanktionen Investitionen im Iran zu erschweren oder die EU mit Zöllen zu belegen – jetzt muss er auch noch deutsche Unternehmen abwerben. In der deutschen Wirtschaft spricht sich jedoch sehr schnell herum, dass man Moral nicht essen kann. Die Entscheidung, über eine wirtschaftliche Zukunft in den USA statt im eigenen Land nachzudenken, erschwert dies in den meisten Fällen nicht.

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