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Drei Lehren aus dem Griechenland-Drama

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Drei Lehren aus dem Griechenland-Drama Tobias Straumann am Mittwoch den 15. Juli 2015 Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Griechen wieder am Berg stehen. Cartoon: Marian Kamensky/Cagle.com Die jüngste Einigung im Griechenland-Drama bringt inhaltlich nichts Neues. Es ist genau dasselbe Rezept, das man seit fünf Jahren mit grossem Misserfolg angewandt hat. Wir werden bald wieder Sondersitzungen erleben. Die Frage ist nur, wann das sein wird: in wenigen Wochen, in sechs Monaten oder erst in einem Jahr? Formal aber hat die Einigung sehr viel Neues gebracht. Ich sehe drei Lehren: Wahlen und Abstimmungen in Schuldnerländern haben keinerlei Bedeutung. Auch wenn Podemos im Herbst die spanischen Wahlen gewinnen sollte, wird sich in Spanien nichts ändern. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist keine neutrale Institution mehr. Sie hat die Syriza-Regierung in die Knie gezwungen, indem sie das griechische Bankensystem nur noch minimal unterstützte. Schuldnerländer können nur noch eine Schuldenerleichterung erreichen, wenn sie glaubwürdig mit dem Exit drohen können. Tsipras war verloren, als er zu erkennen gab, dass er auf keinen Fall einen Grexit will. Es war immer klar, dass die Währungsunion nur funktionieren würde, wenn sie durch eine politische Union abgestützt würde. Dies scheint mir nach dem letzten Wochenende völlig unrealistisch geworden zu sein.

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Drei Lehren aus dem Griechenland-Drama

Tobias Straumann am Mittwoch den 15. Juli 2015
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Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Griechen wieder am Berg stehen. Cartoon: Marian Kamensky/Cagle.com

Die jüngste Einigung im Griechenland-Drama bringt inhaltlich nichts Neues. Es ist genau dasselbe Rezept, das man seit fünf Jahren mit grossem Misserfolg angewandt hat. Wir werden bald wieder Sondersitzungen erleben. Die Frage ist nur, wann das sein wird: in wenigen Wochen, in sechs Monaten oder erst in einem Jahr?

Formal aber hat die Einigung sehr viel Neues gebracht. Ich sehe drei Lehren:

  1. Wahlen und Abstimmungen in Schuldnerländern haben keinerlei Bedeutung. Auch wenn Podemos im Herbst die spanischen Wahlen gewinnen sollte, wird sich in Spanien nichts ändern.
  2. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist keine neutrale Institution mehr. Sie hat die Syriza-Regierung in die Knie gezwungen, indem sie das griechische Bankensystem nur noch minimal unterstützte.
  3. Schuldnerländer können nur noch eine Schuldenerleichterung erreichen, wenn sie glaubwürdig mit dem Exit drohen können. Tsipras war verloren, als er zu erkennen gab, dass er auf keinen Fall einen Grexit will.

Es war immer klar, dass die Währungsunion nur funktionieren würde, wenn sie durch eine politische Union abgestützt würde. Dies scheint mir nach dem letzten Wochenende völlig unrealistisch geworden zu sein. Quo vadis, Europa?

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Tobias Straumann
Tobias Straumann (* 15. Mai 1966 in Wettingen) ist ein Schweizer Wirtschaftshistoriker. Tobias Straumann studierte Geschichte, Soziologie und Wirtschaft- und Sozialgeschichte in Zürich, Paris und Bielefeld. 1995 promovierte er bei Rudolf Braun an der Universität Zürich mit der Arbeit «Die Schöpfung im Reagenzglas. Eine Geschichte der Basler Chemie (1860–1920)». 1995–2000 arbeitete er als Journalist in Zürich, Zug und New York. 2005–2006 war er Oberassistent am Institut de l’histoire économique et sociale der Universität Lausanne.

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