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WIR-Bank: U-Haft, Palaststurm, Gemauschel

Summary:
Das WIR-System ist das Bitcoin des letzten Jahrhunderts. Mit einer eigenen Währung können die Mitglieder zahlen und Kredit beziehen. 80 Jahre hielt das Konstrukt. Jetzt könnte es einbrechen. Eine Gruppe von Aufständischen ruft die Genossenschafter zum Sturm gegen die WIR-Führung auf. Ins Visier nehmen die WIR-Revoluzzer den grossen Chef der WIR-Bank. Er heisst Germann Wiggli und soll die WIR-Bank, die im Zentrum des ganzen WIR-Systems steht, nach Belieben dominieren. Gemäss Handelsregister gehört Wiggli seit 23 Jahren zur Führung der WIR-Bank. Er kennt jeden Winkel des Geldhauses mit 250 Vollzeitstellen, 5 Milliarden Aktiven und 14 Millionen Gewinn. Wiggli ist WIR, WIR ist Wiggli. Und weil die WIR-Bank und das WIR-System unter dem Radar der Öffentlichkeit segelt, schaut niemand hin. Bis jetzt. Nun aber wird eine Gruppe von Genossenschaftern aktiv. Sie ruft zur Verweigerung der Décharge an der Jahresversammlung vom 31. Mai auf. Harte Vorwürfe werden laut. Wiggli würde seine uneingeschränkte Machtposition benutzen, um undurchsichtige Deals zu tätigen, sagt ein Insider. So würden „Friends & Family“ rasch mit Krediten der WIR-Bank beglückt. Innert 24 Stunden hätten diese das Geld. Dies sei möglich, weil Wiggli nach so vielen Jahren an der Spitze die WIR-Bank als „One Man Show“ führe. Es gebe niemand, der ihm Paroli bieten könne.

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Das WIR-System ist das Bitcoin des letzten Jahrhunderts. Mit einer eigenen Währung können die Mitglieder zahlen und Kredit beziehen.

80 Jahre hielt das Konstrukt. Jetzt könnte es einbrechen. Eine Gruppe von Aufständischen ruft die Genossenschafter zum Sturm gegen die WIR-Führung auf.

Ins Visier nehmen die WIR-Revoluzzer den grossen Chef der WIR-Bank. Er heisst Germann Wiggli und soll die WIR-Bank, die im Zentrum des ganzen WIR-Systems steht, nach Belieben dominieren.

Gemäss Handelsregister gehört Wiggli seit 23 Jahren zur Führung der WIR-Bank. Er kennt jeden Winkel des Geldhauses mit 250 Vollzeitstellen, 5 Milliarden Aktiven und 14 Millionen Gewinn.

Wiggli ist WIR, WIR ist Wiggli.

Und weil die WIR-Bank und das WIR-System unter dem Radar der Öffentlichkeit segelt, schaut niemand hin.

Bis jetzt. Nun aber wird eine Gruppe von Genossenschaftern aktiv. Sie ruft zur Verweigerung der Décharge an der Jahresversammlung vom 31. Mai auf.

Harte Vorwürfe werden laut. Wiggli würde seine uneingeschränkte Machtposition benutzen, um undurchsichtige Deals zu tätigen, sagt ein Insider.

So würden „Friends & Family“ rasch mit Krediten der WIR-Bank beglückt. Innert 24 Stunden hätten diese das Geld.

Dies sei möglich, weil Wiggli nach so vielen Jahren an der Spitze die WIR-Bank als „One Man Show“ führe. Es gebe niemand, der ihm Paroli bieten könne.

Und wenn sich ihm dann doch einer in den Weg stelle, dann sei er rasch weg. In den letzten Monaten und Jahren seien zahlreiche gute Leute entlassen worden.

Die WIR-Bank wollte keine Stellung auf konkrete Fragen nehmen.

„Wir nehmen selbstverständlich jede Form von Kritik ernst und stehen im konstruktiven Dialog mit unseren Genossenschaftern“, meinte ein Sprecher der WIR-Bank gestern lediglich.

„Offene Fragen wollen wir verständlicherweise nicht über die Medien, sondern sehr gerne an der Generalversammlung vom 31. Mai beantworten.“

Die Angreifer haben eine eigene Webseite aufgeschaltet und versuchen so, den Widerstand gegen die WIR-Führung zu bündeln.

Bis nächste Woche wollen sie genügend Unterschriften sammeln, um eine ausserordentliche Generalversammlung mit eigenen Traktanden einzuberufen.

Dann könnte es für den allmächtigen WIR-König Wiggli und seine Vasallen gefährlich werden.

Auf der Kritiker-Webseite wird die Performance der WIR-Bank der letzten Jahre mit jener einer vergleichbaren Regionalbank mit Börsenkotierung verglichen.

Das Fazit ist niederschmetternd. Die WIR-Bank liegt hoffnungslos im Rückstand.

Um „105 Millionen höherer Personal- und Sachaufwand, bei 27 Millionen weniger Abschreibungen und Handelsverlusten von 68 Millionen“, heisst es da.

„Oder einfach gesagt: Die andere Bank hat um 200 Millionen besser gearbeitet, notabene immer noch mit dem Bankkundenschutz.“

Entzündet hat sich der Aufstand an einer grossen Neuerung im ganzen WIR-System letzten Herbst. Den Mitgliedern wurde verboten, die WIR-Franken günstiger abzugeben als echte Franken.

Zudem hob die WIR-Bank als erstes Finanzinstitut Continue reading here

Lukas Haessig
Im Frühling 2006 machte ich mich als freischaffender Wirtschaftsjournalist mit Sitz in Zürich selbständig. Für den Zürcher Tages-Anzeiger und die Schweizer Handelszeitung schreibe ich regelmässig Artikel, zudem arbeite ich als Wirtschaftsexperte für Radio 1. Im November 2011 startete ich die Internet-Finanzzeitung Inside Paradeplatz.

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