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Inflationsgespenst verliert seinen Schrecken

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Bild: Unsplash Mit dem Jahr 2018 ging das schlechteste Investmentjahr seit 2008 zu Ende. Tilmann Galler von J.P. Morgan AM hat verschiedene Faktoren identifiziert, welche die Märkte 2019 beeinflussen. Eine hohe Inflation gehört nicht dazu. Insgesamt sei die Marktsituation zwar schwieriger geworden, gleichwohl bestünden aber Anlagechancen. Für 2019 rechnet Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan AM in Frankfurt, in der aktuell erschienenen Guide to the Markets damit, dass der fiskalische Stimulus in den USA Schritt für Schritt nachlässt. Dies lasse sich beispielsweise am Häusermarkt-Index ablesen, der sich bereits deutlich eingetrübt habe. Auch zeige der Blick auf die geplanten Unternehmensinvestitionen

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Mit dem Jahr 2018 ging das schlechteste Investmentjahr seit 2008 zu Ende. Tilmann Galler von J.P. Morgan AM hat verschiedene Faktoren identifiziert, welche die Märkte 2019 beeinflussen. Eine hohe Inflation gehört nicht dazu. Insgesamt sei die Marktsituation zwar schwieriger geworden, gleichwohl bestünden aber Anlagechancen.

Für 2019 rechnet Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan AM in Frankfurt, in der aktuell erschienenen Guide to the Markets damit, dass der fiskalische Stimulus in den USA Schritt für Schritt nachlässt. Dies lasse sich beispielsweise am Häusermarkt-Index ablesen, der sich bereits deutlich eingetrübt habe. Auch zeige der Blick auf die geplanten Unternehmensinvestitionen eine inzwischen schwächere Entwicklung in den USA. Dafür seien die schwelenden Handelskonflikte und auch der gefallene Ölpreis mitverantwortlich. "Trotz des nachlassenden Momentums in den USA sind die Rezessionsrisiken in den USA jedoch gering, weil der Arbeitsmarkt weiterhin sehr robust ist und die Löhne weiter steigen", betont Galler.

Für Europa fällt sein Ausblick hingegen verhaltener aus, da beispielsweise in Frankreich die Gelbwesten-Proteste das Wachstum dämpfen dürften und auch Italien eine grössere Wachstumsschwäche zeigt. "Einige europäische Länder wie Frankreich oder Italien flirten im Lauf des Jahres mit der Rezession. Das Wachstum in Europa dürfte insgesamt aber noch leicht positiv bleiben", analysiert Galler. Insbesondere der niedrigere Ölpreis, aber auch die anhaltende Erholung am Arbeitsmarkt würden demnach positiv auf die Kaufkraft in Europa wirken.

Keine harte Landung in China
Auch in China habe das Wachstum nachgelassen – die Reformmassnahmen im Frühjahr 2018 gegen das ungezügelte Kreditwachstum hätten sich als Wachstumsdämpfer für die chinesische Wirtschaft entpuppt. Zwar hat die Regierung mit zahlreichen Massnahmen gegengesteuert, doch die Auswirkungen auf die Wirtschaft weltweit sind laut Galler nicht zu unterschätzen: "China wird ein wesentlicher konjunktureller Brennpunkt im Jahr 2019 sein."

So sei das Wachstum in China auf 6,4% und damit unter die offizielle Marke von 6,5% abgerutscht und liege zudem unter dem Vorjahreswert von 6,8%. "Dennoch sehen wir keine Anzeichen für eine harte Landung und die chinesische Regierung setzt weiterhin alles daran, diese zu vermeiden. So wurden etwa Ende des vergangenen Jahres die Steuern gesenkt, um das verfügbare Einkommen der chinesischen Bevölkerung zu steigern und dieses Jahr wird geplant, die Ausgaben für die Infrastruktur zu erhöhen", erklärt der Stratege.

Die Inflation bleibt moderat
2018 machte sich in ganz Europa und den Industrieländern ein starker Anstieg der Inflation bemerkbar: So stieg die Inflationsrate beispielsweise in der Eurozone von 1,4% im Oktober 2017 auf 2,2% im Oktober 2018. "Inzwischen hat das Inflationsgespenst seinen Schrecken verloren", unterstreicht Galler. Hauptfaktor sei der sinkende Ölpreis, der im ersten Quartal 2018 noch im Durchschnitt bei 60 US-Dollar pro Barrel lag und inzwischen auf aktuell 53 US-Dollar gefallen ist. "Nicht zuletzt aufgrund der nachlassenden Wachstumsdynamik wird die Inflationsrate in den nächsten Monaten moderat bleiben", führt er weiter aus.

Pause des Fed und Schwächung des US-Dollars
Nach Darstellung von Galler geht der Markt davon aus, dass die Fed im Zeitraum 2020/2021 ihren Zinserhöhungszyklus abgeschlossen haben könnte und dann möglicherweise die Zinsen sogar wieder sinken. "Wir rechnen 2019 noch mit einem Zinsschritt der Fed und gehen davon aus, dass die Fed danach zunächst die folgenden ökonomischen Auswirkungen abwarten wird", sagt der Stratege. Die EZB wird nach Gallers Einschätzung 2019 nicht aktiv. Damit dürfte die Einstellung des Anleihenkaufprogramms Ende 2018 der vorerst letzte Schritt der EZB hin zur Normalisierung ihrer Geldpolitik gewesen sein.

Die Unterstützung für den US-Dollar sollte gemäss Gallers Analyse allmählich nachlassen, denn das Zinsgefälle zwischen den Industrieländern habe langsam den Höhepunkt überschritten und der Renditevorsprung der USA werde schwächer. "Die Chancen stehen nicht schlecht, dass der US-Dollar 2019 schwächer wird, was wiederum auch für die Aktienmärkte relevant wird und beispielsweise für die Emerging Markets eine gute Nachricht wäre", denkt der Stratege.

Trügerisches Bild in den Aktienmärkten
Nach Ansicht Gallers zeigen die Aktienmärkte derzeit ein trügerisches Bild: Rein optisch sind sie zwar günstiger geworden und haben den aktuellen Pessimismus eingepreist, doch das Wachstum der Wirtschaft verlangsamt sich und die Gewinnmargen der Unternehmen fallen geringer aus. "Aus unserer Sicht ist die optisch günstige Bewertung von Aktien möglicherweise gar nicht so günstig", sagt Galler. Trotz des eingepreisten Pessimismus solle der Optimismus auf der Aktienseite für das weitere Jahr 2019 daher nicht zu gross sein.

Der kräftige Anstieg der Volatilität an den Aktienmärkten im 2018 mit häufigen hohen Tagesschwankungen sei eine Rückkehr zur Normalität gewesen, nachdem das Jahr 2017 aussergewöhnlich ruhig verlaufen war. "Die aktuelle Unsicherheit, wie sie in spätzyklischen Phasen typisch ist, wird dafür sorgen, dass auch 2019 eine erhöhte Volatilität ständiger Begleiter an den Kapitalmärkten sein wird", betont Galler und nimmt damit die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Achterbahnfahrt an den Börsen.


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